Sinn für das Übersinnliche

von Redaktion  |  14. Jänner 2008, 13:49
  • Artikelbild: Ein praktizierendes Medium unter Beobachtung. Rund um 1900 widmeten sich zahlreiche Spitzenforscher der unvoreingenommenen Klärung unerklärlicher Phänomene.  - Foto: AP

    Ein praktizierendes Medium unter Beobachtung. Rund um 1900 widmeten sich zahlreiche Spitzenforscher der unvoreingenommenen Klärung unerklärlicher Phänomene.

Ende des 19. Jahrhunderts begaben sich etliche herausragende Forscher auf die Jagd nach Geistern, Medien und anderen übersinnlichen Phänomenen

Seit kurzem liegt eine umfassende Darstellung dieses vergessenen Kapitels der Wissenschaftsgeschichte vor.

***

Wahrscheinlich wird es auch im neuen Jahr an einer österreichischen Uni einen postgradualen Feng-Shui-Lehrgang geben und am Wifi eine Ausbildung zum Astrologen. Und womöglich wird die Asfinag auch 2008 Wünschelrutengänger beschäftigen.

Im Großen und Ganzen sind Anfang des 21. Jahrhunderts die Grenzen zwischen Wissenschaft und Okkultismus, zwischen Psychologie und Parapsychologie aber relativ klar gezogen. Vor allem im Vergleich zum späten 19. Jahrhundert. Damals nämlich feierte die Begeisterung für alle Arten von übersinnlichen Phänomenen - von der Telepathie bis zum Tischerlrücken - fröhliche Urständ.

Allem Anschein nach hatte der Siegeszug der rationalen Naturwissenschaften und insbesondere des Darwinismus eine Art spirituelles Vakuum hinterlassen, das eben mit allen möglichen Arten von Parapsychologie gefüllt wurde. Dazu kam, dass mit der Erfindung der Telegrafie Nachrichten über weite Strecken übertragen werden konnte.

Wäre es nicht auch denkbar, dass auf diese Weise die Toten zu den Lebenden sprechen könnten? In den späten 1880er-Jahren prophezeite William James (1842-1910), seines Zeichens international renommierter Philosoph und Psychologe an der Harvard Universität, dass man diese Frage in den nächsten 25 Jahren endgültig geklärt haben würde. Und er konnte sich, so wie einige andere angesehene Forscher seiner Zeit, durchaus vorstellen, dass die Antwort "ja" lauten könnte.

Der Vordenker des Pragmatismus und Bruder von Henry "Turn of the Screw" James setzte sich, wie gerne vergessen wird, intensiv für die unvoreingenommene Erforschung von Geistererscheinungen ein und war 1885 auch Mitbegründer der American Society for Psychical Research (ASPR), die sich ganz solchen Studien verschrieb.

Handgreifliche Studien

Die Mitglieder der ASPR nahmen gemeinsam mit ihren Kollegen von der britischen Schwestergesellschaft fortan unerklärliche Phänomene aller Art mit wissenschaftlicher Akkuratesse unter die Lupe und rückten dabei Medien wie Helena Blavatsky oder Leonora Piper mit verschiedensten Messgeräten durchaus handgreiflich zu Leibe.

Die US-Wissenschaftsjournalistin und Pulitzer-Preisträgerin Deborah Blum hat dieses spannende Kapitel der Wissenschaftsgeschichte akribisch recherchiert und die Ergebnisse ihrer Nachforschungen kürzlich unter dem Titel Geister-Jäger (Goldmann Verlag, 2007) auf mehr als 500 Buchseiten quellengesättigt abgehandelt.

Erstaunlich ist daran mehrerlei. Denn wer hätte gedacht, dass neben James Kapazunder wie Marie Curie oder der spätere Medizin-Nobelpreisträger Charles Richet an diesen Forschungen beteiligt waren? Oder dass die erste Sigmund-Freud-Übersetzung ins Englische auf diese Geisterjagden zurückgeht, die mit dem Tod von James 1910 langsam abklangen, auch wenn einige Phänomene - wie die Trance-Eingebungen Mrs. Pipers - bis zuletzt unerklärlich blieben?

Und schließlich stellt sich bei der Lektüre auch heraus, dass nicht Karl Popper, sondern eigentlich William James das Prinzip der Falsifikation erfunden hat. Im Hinblick auf die Existenz von Geisterphänomenen zog er nämlich den Vergleich, dass zur Herausforderung des Naturgesetzes, wonach alle Krähen schwarz sind, der Nachweis einer einzigen weiße Krähe genüge.

Bei Popper wurden daraus schwarze Schwäne. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.1. 2008)

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wiasissois
08.01.2008 16:28
nachdem alle materie aus

explodierten sternen entstanden ist, und sich "zufällig?" diese materie zu leben entwickelt hat,
wir also selbst teile dieser sind, scheint es für mich nicht wirklich unlogisch auch in wechselwirkung damit treten zu können. und wer glaubt die scheiBe die er produziert geht nicht ins gesamte ein, wird früher oder später als mistkäfer aufwachen ;-)

presonic
07.01.2008 14:27
hat wer von den hier anwesenden naturwissenschaftlern

zufällig die doku auf arte gesehen, die das handauflegen wissenschaftlich untersucht hat und herausgefunden hat, dass es wirklich funktioniert, man aber keine ahnung hat, warum und wie?

PC 
07.01.2008 16:04
wenn ich meinem hasi die hand auflege fühlt sie sich...


...immer gleich viel besser. und will mehr davon - hehehe

als naturwissenschaftler sage ich Ihnen: es geht um wärme und menschliche zuwendung; keine große sache.

presonic
07.01.2008 16:15
sie haben ein hasi? das ist aber jetzt sympathisch.

ne, in dem versuch wurden sowohl wärmeübertragung als auch gewebebeobachtungen gemacht. (und es war so dass der handaufleger z.b. die hände am kopf aufgelegt hat und der rechte unterschenkel wurde auf einmal stärker durchblutet) es waren ein chemiker, ein biologe, ein mediziner und der handaufleger anwesend. war wirklich interessant.

Spaceman Spiff
03.01.2008 10:28

Ich moechte nur mal anmerken, dass es sowas wie Darwinismus genauso wenig gibt wie Einsteinismus. "Darwinismus" ist ein von den Schoepfungsglaubenanhaengern erfundener Ausdruck, der die Lehre von der Evolution zur Ideologie herabsetzt und damit vorgaukelt, es fehle ihr die noetige Objektivitaet.

Abis Zett
03.01.2008 11:46

Ham Sie dafür Belege? Auf Wikipedia z.B. steht eher was anderes.

ChesneyB
03.01.2008 15:13

Ein "Ismus" bedeutet (meist) eine Ideologie und das was man heute unter "Darwinismus" versteht, ist aber keine. Daher ist die Übernahme dieser Bezeichnung durch die wiss. Gemeinde unglücklich. Historisch gesehen hat Spaceman Spiff vollkommen recht. Der Begriff wurde von Gegnern Darwins geprägt und später leider auch von Wissenschaftlern übernommen.

star observer
07.01.2008 14:38

natürlich gibt es darwinismus, darf man halt nicht mit der evolutionstheorie verwechseln.
anhänger darwins, die die damals noch übermächtige kirche/religion angriffen, haben in der hitze des gefechts genauso übers ziel geschossen wie heutige fundamentalisten in amerika, die lieber die geschichte der genesis in den schulbüchern haben wollen.
hier wurden viele kinder mit vielen bädern ausgeschüttet....

trollvottel
03.01.2008 11:36

Hmmm ... Darwinismus gibt's durchaus, allerdings sind damit idR die Leute gemeint, die nicht viel mehr als die Grundaussage der Evolutionstheorie verstehen und dann meinen, die Grundstruktur der menschlichen Gesellschaft auf Faustrecht umstellen wollen. Sozialdarwinismus halt - und dieser ist weit verbreitet, fragen's doch einmal einen Grazer FPÖ-wählenden Proleten, was er von Bettlern hält.

ChesneyB
03.01.2008 11:19

Stimmt. Leider wurde aber der Ausdruck von ernstzunehmenden Wissenschaftlern auch übernommen und wird noch immer verwendet.

fachnase
03.01.2008 08:08
Übersinnlich

Ich verstehe nicht, daß man bestimmte Kleinigkeiten des Lebens als "Übersinnlich" betrachtet. Tatsächlich ist die gesamte Existenz, das "Dasein" an sich, ein Wunder und wissenschaftlich nicht greifbar. Die Menschheit ist vielfach zu abgestumpft, um dieses "Wunder" auch als solches zu fassen. Der ganze parapsychologische Unfug kann dieses Wunder nie erklären.

Jürgen N.
03.01.2008 10:03

Ich bin Ingenieur und bin naturwissenschaftliches Denken gewohnt, aber ich würde mir niemals anmaßen das, was wir heute noch nicht erklären können, als nicht existent, Tricks o.ä. zu bezeichnen.

Die Physik hat bewiesen, das Zeit relativ ist, es nicht-materielle Teilchen gibt. die überlichtschnell sind und es gibt, und wir in einem Universum mit mehr als 4 Dimensionen leben. Heisenberg, Planck und Einstein gingen davon aus, dass Materie "geronnenener Geist" ist und das findet sich in der heutigen Physik immer mehr bestätigt.

Man spricht von übersinnlichen Phänomenen. Es sind wohl eher noch unbekannte Phänomene, weil wir bis heute eben nur einen Teil der Naturgesetze kennen. Warum tut man sich heute nur so schwer damit?

graviton
04.01.2008 00:20

Für einen Ingenieur sind Sie wissenschaftstheoretisch ziemlich ungebildet.

Die Physik hat gar nichts bewiesen - das kann sie gar nicht.

1. Nicht die Zeit ist relativ, sondern die Raumzeit.
2. Überlichtschnelle Teilchen können sehr wohl eine Masse haben. Nur jene, die sich genau mit Lichtgeschwindigkeit bewegen (man nennt sie Photonen), nicht.
3. Im Moment "leben" wir in einem Universum mit genau 4 Dimensionen. Es ist nämlich so, dass a) Superstringtheorien höchst spekulativ sind und b) die restlichen Dimensionen (von insgesamt 10 oder 26) aufs Unendlich kleine zusammengerollt sind, wenn man der Theorie "glauben" darf.

Geronnener Geist? Was ist das für ein Unsinn? So was soll Einstein behauptet haben?!

a z
04.01.2008 09:25

Frage: Wie verhalten sich überlichtschnelle Masseteilchen? Wo und wann wurden sie gemessen?
Ob wir in einem 4-Dimensionalen Universum leben oder nicht kann heute nicht beantwortet werden. Und dieser Mangel ist nicht Grund der 4-Dimensionalität.
„Geronnener Geist“ ist unter andrem von Einstein, auch wenn sie es für Unsinn halten, herausragende Naturwissenschaftler gehen einfach ein bisschen weiter als der rationale Laie es gern hört.

sterngucker 
03.01.2008 12:25
Im naturwissenschaftlichen Denken gibt es - abseits der puren Logik und Mathematik - keine Beweise,

sondern nur Falsifizierungen. Hypothesen können durch Empirie schlechter oder besser unterstützt und abgesichert werden, aber sie gelten immer nur vorläufig als dem Stand der Erkenntnis entsprechend.

Soweit mir bekannt ist, sind sowohl überlichtschnelle Teilchen (Tachyonen) als auch Extradimensionen pure Hypothesen *ohne* empirische Unterstützung. Auch die physikalische Bestätigung für den Satz "Materie ist geronnener Geist" bezweifle ich entschieden, weil es sich dabei mangels operationaler Definitionen von "geronnen" und "Geist" um keine falsifizierbare Hypothese, sondern um einen philosophischen Satz handelt.

fachnase
03.01.2008 13:26

Also Sie, Herr Ingenieur, können erklären, warum es Materie, Energie und Leben gibt und wovon dies alles herrührt?

Wenn dem so sei, nehme ich meinen vorigen Beitrag zurück.

presonic
03.01.2008 11:44
nicht zu vergessen

wir haben nur 5 sinne. heißt, wir können uns nur das wissenschaftlich erklären, was wir für einen dieser sinne "sichtbar" machen können. alleine die tierwelt zeigt uns, wie beschränkt wir sind, trotz unserer gier nach wissen.

PC 
07.01.2008 03:26
was zeigt denn 'die tierwelt'?

trollvottel
03.01.2008 11:39

Jürgen N: Die Physik "beweist" nichts, sie stellt Theorien auf und prüft diese auf ihre Falsifizierbarkeit.
Dunkle Materie, Polydimensionalität usw. sind allesamt Theorien, die zwar die derzeit beste "geltende Folklore" sind und daher weite Akzeptanz genießen, aber nicht "bewiesen".

an kog 
03.01.2008 18:00

'Die Physik "beweist" nichts, sie stellt Theorien auf und prüft diese auf ihre Falsifizierbarkeit.'


Wenn mans schon genau nimmt:

Die Physik stellt falsifizierbare Theorien auf und prüft ob sie Theorien zutreffen.
Zumeist werden dann doch Experimente gemacht die die Theorie stützen sollen.
Die Arbeit, zig Experimente zu machen die nach der neuen Theorie allesamt nicht gelingen dürfen, spart man sich zumeist.

Spaceman Spiff
03.01.2008 10:35

Ich bin Diplomingenieur und bin naturwissenschaftliches Denken und Recherche gewoehnt. Alle diese Phaenomene sind entweder Betrug oder wissenschaftlich zu erklaeren. Eine einfache Suche im Internet oder der Besuch einer Bibliothek reichen oft aus.
Und bitte nicht auf den Bloedsinn der Esoteriker im Bezug zur Relativitaets- und Quantentheorie reinfallen.

Auch Heisenberg, Planck und Einstein waren nicht unfehlbar und haben sich in vielen Punkten geirrt. Wo aber haben Sie das mit dem "geronnenen Geist" her? Das hoere ich zum ersten Mal. Bitte eine Quellenangabe. Hoert sich an wie "Einstein sagte, der Mensch benutzt nur 10% seines Gehirns" eines Ron Hubbard.

a bit fishy
03.01.2008 12:56
"Alle diese Phaenomene sind entweder Betrug oder wissenschaftlich zu erklaeren"

bei aller skepsis die ich bei esoterik verspüre -
aber auch wenn sie dipl.ing. sind, finde ich es überheblich so eine aussage zu tätigen.

1) tatsache ist, dass es in allen wissensbereichen
phänomene gibt die man noch nicht klären kann.

2) z.b. ist teleportation oder die verschränkung von
teilchen wirklich "wissenschaftlich erklärbar" ?

3) wenn ihre feststellung richtig wäre, dann wäre
jetzt bereits alles endgültig geklärt. alles was
künftig kommt ist betrug.
(ich glaube, dass in der quantenphysik noch
immer einige überraschungen auf uns warten -
wie man speziell auch in den letzten jahren
gesehen hat.)

Abis Zett
03.01.2008 12:20

Hier eine Quelle zumindest bezüglich Planck:
"As a man who has devoted his whole life to the most clear headed science, to the study of matter, I can tell you as a result of my research about atoms this much: There is no matter as such. (Anm.: !)
All matter originates and exists only by virtue of a force which brings the particle of an atom to vibration and holds this most minute solar system of the atom together.
We must assume behind this force the existence of a conscious and intelligent mind. This mind is the matrix of all matter."
Link: http://en.wikiquote.org/wiki/Max_Planck

presonic
03.01.2008 11:42
dann erklären sie mir mal

gedankenübertragung wissenschaftlich?
oder das aufspüren von wasseradern mit wünschelruten....

sterngucker 
03.01.2008 12:58
Erst wenn Sie eine methodisch einwandfreie Doppelblindstudie unter kontrollierten Bedingungen vorweisen,

die Gedankenübertragung bzw. das Aufspüren von Wasseradern nachweist.

Schon der Ausdruck "Wasseradern" ist Unsinn, weil Grundwasser in der Regel flächig vorhanden ist.

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