Abschiebungen: Das Rückreisebüro

von Redaktion  |  30. Jänner 2008, 18:44

Mit dem "Verein Menschenrechte Österreich" läuft die Zusammenarbeit aus Sicht des Ministerium offensichtlich geschmeidiger als mit anderen Betreuungseinrichtungen - von Thomas Neuhold

Auf den ersten Blick ist die Empörung einiger Menschenrechtsgruppen darüber, dass die Rückkehrberatung im Salzburger Polizei-Anhaltezentrum dem Diakonie-Flüchtlingsdienst entzogen wurde, eine Auseinandersetzung um einen Markt. Dieser Eindruck täuscht nicht. Wie bei vielen anderen Sozialdienstleistungen auch, sind für die Trägervereine in der Flüchtlingsbetreuung die Aufträge der öffentlichen Hand ihre materielle Basis. Es geht um Existenzen, um Jobs. Wie bei anderen sozialen Diensten - vom Gesundheitsbereich bis zur Seniorenbetreuung - spielen darüber hinaus auch im Bereich der Betreuung Asylsuchender Eifersüchteleien und das Abstecken von Claims mit eine Rolle.

Dass soziale Arbeit nicht nur altruistisch und uneigennützig geleistet wird, sondern ganz uncharmant Arbeit mit Lohn und Honorar ist, bedingt auch, dass sich die Zahler ihre Auftragnehmer aussuchen können. Nichts anderes macht das Innenministerium im Bereich der Flüchtlingsbetreuung: Mit dem "Verein Menschenrechte Österreich" läuft die Zusammenarbeit aus Sicht des Ministerium offensichtlich geschmeidiger als mit anderen Betreuungseinrichtungen.

Eine Organisation, die sich mehr als "Reisebüro" für Einfachfahrscheine in die Herkunftsländer und vielleicht weniger als Interessenvertretung Hilfesuchender versteht, passt mehr ins Konzept als christlich motivierte Vereine, die auch noch widerborstig auf die Einhaltung von Qualitätskriterien zugunsten der ihnen Schutzbefohlenen pochen. Es ist nur konsequent, dass nun - wie schon in vielen anderen Anhaltezentren Österreichs zuvor - in Salzburg jene zum Zug kommen, deren Rückreisequoten den Vorstellungen von Innenminister Günther Platter eher entsprechen. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.1.2008)

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Heinz Anderle 
03.01.2008 07:56
"Verein Menschenrechte Österreich" - ...

... Oxymoron oder "Contradictio in adjecto"?

In jedem Fall eine politische Stil-Sumpfblüte - Karl Kraus fände heute genauso reichlich Material für seine "Fackel" wie in der Ersten Republik.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

nina hagen von tronje 
04.01.2008 17:24
schade, dass die schulkinder - wie in neukölln - keine "menschenrechte" zum schutz vor den perspektivlosen marodeuren besitzen!

Plaats van Samenkomst
04.01.2008 07:32
Bitte lassen's den Karl Kraus in Ruhe!

Lesen's zuerst sein gesamtes Werk und beginnen Sie mit jener Fackel von 1907, wo er erklärt, dass er kein Beschwerdebüro für Querulanten führt und es ablehnt, sich um jeden Mißstand in Österreich zu kümmern.

Heinz Anderle 
04.01.2008 23:38
"Querulanten, die sich jeden Mißstand kümmern" -

- sind Sie ein Kampfposter der "Hände falten, Goschen halten"-Mehrheitsfraktion hierzulande?

Lesen Sie Karl Kraus ab 1914 und vor allem in der Ersten Republik!

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

robinsons freitag
02.01.2008 21:09
Bei aller ehrenwerter Echauffierung:

Der Innenminister ist Politiker. Als solcher will er seiner Partei ein zweites Debakel wie 2006 ersparen. Das ist eine wichtige Komponente seines Jobs. Unpopuläre Maßnahmen führen nur zu Wahlniederlagen.
Jetzt raten Sie mal, für wen die Majorität der Steuerzahler, die ja alles finanziert, sich entscheiden würde. Bei uns in Österreich und in jedem anderen Land des Planeten auch.
Demokratie ist nicht immer lustig, lamentieren nützt nichts. Man muss kreativ werden und eine Situation konstruieren, bei der die echte, zahlenmäßige Mehrheit der Bevölkerung diese Abzuschiebenden behalten will, weil sie „positiv“ sind, also Geld und Ruhm bringen wie zB Wissenschaftler, Sportler, Künstler.
Fangen Sie an nachzudenken! Nicht erst morgen, heute Abend!

Der Zaungast
02.01.2008 15:19
Das Problem bei diesem "Verein Menschenrechte" ist...

dass er als "unabhängig" auftritt, aber - soweit bekannt - zu 100 (einhundert) % vom Innenministerium lebt. In der Privatwirtschaft nennt man so etwas "scheinselbstständig" und nimmt in Wahrheit ein Anstellungsverhältnis samt Weisungsrecht(!) des Arbeitgebers an. In der Politik heißt so etwas GONGO (Governmental Non-Governmental Organisation), eine Pseudo-NGO also, in Wahrheit aber de-facot-Angestellte des Ministeriums.

Daher MUSS man geradezu davon ausgehen, dass dieser Verein die Menschenrechte (die er doch im Namen führt) genau dann, genau so weit und genau so lange wahrt und hochhält, als es dem BMI genehm ist - aber keinen Milimeter weiter.

Ob das reicht? Grade bei Schubhäftlingen? Bei einem Minister Platter??

Ava Tar
02.01.2008 15:11
"für Menschenrechte" <=> Orwell's "Ministry of Truth"

Vielleicht sagt Missethon bald "Abschiebung macht frei"...

Ich auch!
02.01.2008 15:39

Vielleicht macht auch bald Ausreise wirklich frei.
Hatten wir ja seit etlichen Jahren in Europa nicht mehr.

René Monet
02.01.2008 11:53
Endlich kann man mal auch

etwas in der zeitung über diesen schlepperverein lesen. Hab über mein umfeld schon viel (nichts gutes) über den verein gehört, allerdings schon seit mehreren jahren. Dauert wahrscheinlich immer alles ein bisschen, bis es zur presse durchdringt, bei diesem thema ...

Wieviel Demokratie ist es bitte?
02.01.2008 08:16
Es handelt sich um steuerfinanzierte Schlepper

welche von der Regierung angeheuert wurden. Diese treten in Konkurrenz zu anderen alternativen Reiseunternehmen, aber auch in Konkurrenz zum mutigen Einzelkolumbus. Worum es sich bei dieser modernen, scheinlegalisierten Piraterei auf jeden Fall nicht handelt, ist "Menschenrechte Österreich", denn Menschenrechte - sowie Grundrechte, wurden uns und anderen erst kürzlich von der Regierung aus der Tasche gefingert und zwar in unparlamentarischer Trickdiebmanier. Menschenrechte existieren hier nichtmal auf dem Papier und falls doch liest sie niemand und dieser "Verein" lügt daher schon mit seinem Namen, denn der wendet nichts anderes an, als sehr bekannte Eichmanntechniken. Wie gesagt: es sind Schlepper, - in die andere Richtung.

Heimwerkerking 
02.01.2008 13:28

Die bekannten Eichmanntechniken waren rein bahnlogistisch gesehen, organisatorische Genietaten. Galt es doch, mitten im Krieg wo der Bahnbedarf der Wehrmacht absoluten Vorrang hatte, einen parallelen Transportbedarf ähnlicher Größenordnung reibungslos in Schwung zu halten. Dies bei knappesten technischen Ressourcen an rollendem Material und immer wieder durch Bombenangriffe dezimiertem Oberbau. An diese Leistungen kommen die in dem Verein nie im Leben heran obwohl kein Krieg ist.
Wie gesagt, rein logistisch gesehen.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
02.01.2008 19:34
Von Vergangenheit kann keine Rede sein

Es handelt sich um ausgedehnte Gegenwart von Ungeist im Republikchen. Die Beschreibung dessen ist kein Vergleich, sondern der Hinweis darauf, daß Regierungen hier im Copy & Paste Verfahren Menschenverachtung über Jahrzehnte weiter transportieren und ambitioniert in Gesetzesform gießen und exekutieren lassen, regelmäßig und schamlos...darauf hoffend, daß bei Leuten wie Ihnen die Sensorik dafür unterentwickelt ist.

Heimwerkerking 
05.01.2008 01:49

Wieviel Geist erwarten Sie von einem Republikchen? Da ist doch höchstens nur ein klitzekleines Zirbengeistchen drin. Im klitzekleinen Republikchen ist natürlich Zirbengeistleins Wirkung umso mächtiger.
Meine Sensorik zu dem Thema mag unterentwickelt sein wobei noch nicht klar ist, wer etwa eine gut entwickelte Sensorik hat. Die Berufslichtermeermatrosen bei den Grünen etwa?

Ammit10
02.01.2008 11:09
...ja ja der jahreswechsel...

...das post ist etwas verwirrt geschrieben...sie hätten auch zum jahreswechsel das letzte flascherl schampus nicht mehr trinken sollen...

...ihre regelmässigen und schamlosen vergleiche mit der vergangenheit sollten sie sich für den fall dass sie ernst genommen werden wollen sparen...

Tong P
02.01.2008 09:08
Da

es zu viele Schlepper in unsere Richtung gibt, ist es mal Zeit, die Einbahn aufzuheben.

Ava Tar
02.01.2008 15:12

Wo kommt der Name "Tong" eigentlich her ?

René Monet
02.01.2008 11:58
Verein Menschenrechte ist als name aber

ein wenig hoch gegriffen.

Wäre "pfui-reisen" nicht gscheiter?

Dante Alighieri
02.01.2008 07:53

Die Bezeichnung als "Rückreisebüro" oder als "Verein für Menschenrechte" ist ungefähr so realistisch wie damals die Bezeichnung als "Judenrat".

dieBestatter   
02.01.2008 04:38
Sozial sieht anders aus

Das dieser Verein (oder was auch immer) - eher eine Sozialkompanie ;) - mit sozial nichts zu tun hat,
wen wunderts.
Wenigstens sammeln sie keine Spenden und hoffentlich kommt der obrige Verein nie auf die Idee in (Beispiel) die Altenbetreuung einzusteigen.
Schon gespendet, voriges Jahr ?
http://warteschlange.twoday.net/stories/4576578/

Heimwerkerking 
02.01.2008 13:31

Apropos Altenbetreuung durch solche Vereine:
wer kann sich noch an den schönen SF- Film "Soylent Green" erinnern? Kam 1973 raus.

Owi l8 
02.01.2008 09:17
Wenigstens sammeln sie keine Spenden ...

Iwo.
Spendenkonto 3400 bei d. OÖ Landesbank, BLZ 54.000 (Zu finden auf der Website des Vereins.)

dieBestatter   
02.01.2008 09:36

Wahrscheinlich zahlen dort die Polizeifreunde ein ;)
(Irgendwie wundert mich nichts mehr)

van.der.stiege
02.01.2008 00:33
naja...

... wahrscheinlich sind sie die einzigen die mit einem "kriterienkatalog" arbeiten und ihren klientel gleich sagen wie der hase läuft und ob man asyl in ö bekommen kann.

ist wohl besser gleich die wahrheit auf den tisch zu hauen, als mit "das kann man noch versuchen"... und "das sollten wir uns auch noch anschauen" zu locken und den menschen falsche hoffnungen zu machen !!!

H. G.
01.01.2008 22:16
mich würde stark interessieren

WIEVIEL KOSTET IHNEN DIESER VEREIN? HERR INNENMINISTER PLATTER???
wieviel von unseren steuergeldern fließt in dieses unsäglich menschenverachtendes gebaren?
ICH bin jedenfalls NICHT gefragt worden, ob mit meinen steuergeldern so ein SCH...SS gemacht werden darf.

denny_crane
02.01.2008 18:26
Gute Frage!

Eine parlamentarische Anfrage an den Minister bestehend aus folgenden Fragen:
Wie hoch ist das Budget des "Vereins" ""Menschenrechte"" ? Gehälter, Administrationsaufwand?
Was kostet eine "freiwillige" Rückreise den Staat - aufgeschlüsselt nach Ländern - Serbien, Türkei, VR China, Nigeria usw.
Was kostet eine Abschiebung im Ambulanz-Lear-Jet für eine Person, die eine Woche früher, begleitet von drei Polizisten und einem Arzt vom Piloten nicht mitgenommen wurde?
Wie viele Ambulanzflüge wurden bisher durchgeführt und was haben sie gekostet?
Ich möchte meine Steuern auch nicht dafür verwendet sehen, lieber für Integrationsmaßnahmen für Menschen, die ohnehin schon da sind.

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