Julius V verlässt Meinl-Bank-Vorstand

5. Februar 2008, 14:46
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Künftige zweijährige "Cooling Off"-Periode offizielle Begründung - OeNB-Untersuchungen spielen "für diesen Schritt keine Rolle"

Wien - Julius Meinl V., seit 24 Jahren an der Spitze der Meinl Bank, hat sich vergangene Woche überraschend aus dem Vorstand des Instituts zurückgezogen und an die Spitze des Aufsichtsrats wählen lassen. Begründet wird der am Montag bekanntgegebnene Schritt mit einem per Anfang Jänner in Kraft tretenden neuen Gesetz, das Vorstandsvorsitzenden künftig eine zweijährige Pause verordnet, bevor sie an die Spitze des Ausichsrats gewählt werden können. Meinl war trotz seiner erst 48 Jahre der dienstälteste Vorstandschef einer österreichischen Bank. Dass sein Schritt etwas mit den laufenden Erhebungen der Nationalbank (OeNB) zu tun haben könnte, wird von der Meinl Bank zurückgewiesen.

"Ich habe diesen Wechsel nach genau 25 Jahren im Vorstand der Bank schon länger geplant, um das Unternehmen in der Tradition der Familie Meinl als Vorsitzender des Aufsichtsrates zu führen", erklärt Meinl in einer schriftlichen Stellungnahme. Das Gesetz mit der "Cooling Off"-Periode für Vorstandsvositzende ist am 7. Dezember beschlossen worden und tritt per Jahresanfang 2008 in Kraft - daher habe der Wechsel noch vor Jahreswechsel über die Bühne gehen müssen, wird erklärt. Meinls Vorgänger haben ihr damals auch aus Handelasaktivitäten bestehendes Imperium aus dem Aufsichtsrat gelenkt.

Vorstandsvorsitzender-Posten nicht nachbesetzt

Neu in den Vorstand der Bank berufen wurde Günter Weiß (46), der Posten des Vorstandsvorsitzenden wird jedoch nicht nachbesetzt. Entscheidungen werden einstimmig getroffen. Weiß, der seit 30 Jahren für das Institut arbeitet, übernimmt von Meinl die Bereiche Personal, Rechnungswesen und Controlling, Konzernbeteiligungen sowie IT. Der langjährige Aufsichtsrats-Vorsitzende der Meinl Bank, Walter Jakobljevich, bleibt als einfaches Mitglied im Kontrollgremium.

Er werde als Aufsichtsratschef auch im "operativen Geschäft präsent" und ein "sehr aktiver Eigentümervertreter und Chairman" sein, kündigte Julius Meinl an. Julius Meinl, der aus einer der reichsten Familien des Landes stammt, war am Montag nicht für ein direktes Gespräch erreichbar. Die Bank dürfte auch über Sitftungen im Besitz der Familie Meinl stehen, die tatsächliche Eigentümerstruktur ist aus gängigen Firmendatenbanken aber nicht ersichtlich. Das auf Privatkunden-und Wertpapiergeschäft spezialisierte Institut wies Ende 2006 eine Bilanzsumme von 5,6 Mrd. Euro auf. Das Institut gilt als eine der größten Privatbanken Österreichs.

Vergangene Ereignisse spielen "keine Rolle"

Dass der Rückzug Meinls mit den laufenden Untersuchungen der Nationalbank (OenB) bzw.- der Staatsanwaltschaft zur Rolle der Bank bei der Meinl European Land (MEL) zu tun hat, wird in der Meinl Bank als nicht stichhaltig zurückgewiesen. "In der Vergangenheit liegende Ereignisse spielen für diesen Schritt überhaupt keine Rolle", sagte Meinl-Sprecher Herbert Langsner in den Mittagsstunden zur APA. Die Untersuchungen der Aufsichtsbehörden und des Gerichts nähmen völlig unabhängig von der Funktion, die Meinl in der Bank bekleide, ihren Gang.

Wie berichtet untersucht die Nationalbank, ob das Institut im Zusammenhang mit den Rückkäufen von MEL-Zertifikaten gegen das Bankwesengesetz verstoßen hat, die Finanzmarktaufsicht ermittelt bei MEL wegen des Verdachts der Marktmanipulation, des Insiderhandels und der Verletzung der Veröffentlichungsvorschriften. Der Nationalbankbericht sollte noch im Dezember oder spätestens Mitte Jänner fertig werden. Darüber hinaus hat die Wiener Staatsanwaltschaft Vorerhebungen gegen Julius Meinl wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue beantragt. Ob dem stattgegeben wurde, ist nicht bekannt.

"Partly paid shares"

Unterdessen hat die an Börse schwer unter Druck gekommene Immobilienfirma MEL erwartete strategische Entscheidungen auf nächstes Jahr verschoben. Fragen wie die nach dem möglichen Einstieg neuer Gesellschafter, der Verlagerung des externen Managements in die MEL und die Abschaffung der sogenannten "partly paid shares" (PPS) würden in den nächsten Monaten, spätestens aber bis zum Ende des ersten Halbjahres geklärt werden, wurde in einer Aussendung versprochen. Nach Darstellung der MEL gibt es mehrere unterschiedliche Interessenten für einen Einstieg, mehrere Varianten würden diskutiert. Es könne aber "nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass eine solche Transaktion letztlich erfolgen wird."

Dass Meinl nicht nur die Managementgesellschaft der MEL, sondern auch Bankaktivitäten verkaufen könnte, wird im Markt erwartet. Letzteres wurde von der Gesellschaft bisher aber noch nicht bestätigt. Das Institut soll sich 2008 verstärkt auf seine "Kernkompetenzen" wie Institutional Banking, Vermögensverwaltung und Private Banking, strukturierte Finanzprodukte, Fondsmanagement und Consulting (z.B. Privatisierungsberatung) konzentrieren, wurde angekündigt. (APA)

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    "Ich habe diesen Wechsel nach genau 25 Jahren im Vorstand der Bank schon länger geplant, um das Unternehmen in der Tradition der Familie Meinl als Vorsitzender des Aufsichtsrates zu führen", betont Meinl in der Aussendung.

  • Neu in den Vorstand der Bank berufen wurde Günter Weiß, der Posten des Vorstandsvorsitzenden wird jedoch nicht nachbesetzt. Entscheidungen werden einstimmig getroffen.
    foto: meinl bank/anna stöcher

    Neu in den Vorstand der Bank berufen wurde Günter Weiß, der Posten des Vorstandsvorsitzenden wird jedoch nicht nachbesetzt. Entscheidungen werden einstimmig getroffen.

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