Neue Akzente

2. Jänner 2008, 21:55
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Nur mit falschen Genetiv-Apostrophen- S-Setzereien lockt man heute keinen Hund mehr hinterm Ofen hervor. Das Thema ist trotzdem ausbaufähig

Es war neulich. Und eigentlich hatten wir ja alle geglaubt, da nur ein Routinegespräch abzuspulen. Schließlich – und in diesem Punkt waren sich ausnahmsweise einmal alle einig – dürfte es nicht mehr viele Beispiele für den Deppenapostrophen geben, mit denen der mittlerweile abgebrühte Aufschriftenleser noch zu schockieren ist.

Aber weil es natürlich trotzdem immer einen Versuch wert ist, fand das Rennen um die seltsamste Apostrophensichtung dennoch statt – aber viel mehr tatsächlich Neues, als die Erzählung („bei meiner Ehr, ich hab es gesehen“) von jenem Autotuner, der die von ihm überabeiteten Fahrzeuge mit dem Schriftzug „Real Original US-Autopart´s“ kennzeichnet, kam da nicht.

Globalisierung

Gut: „Werner´s Bei´sl“ war dann schon auch ziemlich gut – aber an der Frage, ob und wie man das noch überbieten könnte, nagten wir dann doch so lange, bis das Thema ausgelutscht war. Und irgendwie ging K.s kleine Anmerkung, dass wir „vielleicht nur unseren Sprachhorizont erweitern müssen“ da glatt unter: Irgendwer hatte zeitgleich die Frage aufgeworfen, was wohl die tiefere Bedeutung der Anführungszeichen auf der Glasfront-Werbung jenes Naschmarkt-Asiaten sei, der mit dem Satz „Bei uns werden alle Speisen „frisch“ gemacht“ Gäste betören – und da ist im ersten Augenblick mehr Musik drin, als in einer rein theoretischen Ansage.

Denn dass es ihm nur um die Theorie gegangen sei, betonte K. dann in einem Mail, das er tags darauf ausschickte: Er fühle sich, meinte er, fast schuldig. Und wolle betonen, dass sein kleiner Satz vom Abend davor ohne tiefere Absicht oder jedwedes geheime Vorwissen einfach aus ihm herausgesprudelt sei.

Aber heute morgen, am Weg zur Arbeit, sei ihm dann ein Schild ins Auge gesprungen. Und, meinte K., ihm einen Blick auf eine ganz neue Dimension des Apostrophenirrsinns gewährt. Aber ganz ungetrübt, gab K. zu, sei seine Entdeckerfreude nicht: Die Sache, endete sein Mail, „macht mir schon auch Angst.“

  • Jeweils montags und donnerstags eine Stadtgeschichte Thomas Rottenberg.

    Jeweils montags und donnerstags eine Stadtgeschichte Thomas Rottenberg.

  • Artikelbild
    foto: rottenberg
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