Industrie rechnet mit deutlichen Bremsspuren

15. Jänner 2008, 13:50
3 Postings

Drei Prozent Produktionswachstum erwartet - IV-Beyrer warnt vor selbstzufriedener Stimmung - Inflation könnte zum Problem werden

Wien - Die österreichische Industrie rechnet für 2008 mit Bremsspuren in der Konjunktur - statt mit wie zuletzt 7 Prozent wird die reale Sachgüterproduktion im nächsten Jahr nur drei Prozent wachsen, sagt Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV). Für die heimische Gesamtwirtschaft rechnet die IV mit weniger starken Wachstumseinbußen: Das Wachstum des (realen) Bruttoinlandsprodukts (BIP) wird von 3,4 Prozent auf 2,5 Prozent 2008 fallen - aber nur, wenn es zu keinen unvorhergesehenen "externen Schocks" kommt.

Der Interessensverband ist mit dieser Prognose um einen Hauch zuversichtlicher als Wifo und IHS. Die bevorstehende Verlangsamung "ist aber kein Grund zur Panik. Jeder Zyklus neigt sich irgendwann einmal seinem Ende zu. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht", sagte der IV-General in einem APA-Interview aus Anlass des Jahreswechsels. 2007 sei wirtschaftlich außerordentlich gut gewesen "und wir haben im Land jetzt deshalb eine Hochstimmung, und eine Leichtigkeit im Zugang zu gewissen Dingen, was natürlich nicht ungefährlich ist."

Geld für falsche Dinge ausgegeben

Die IV sei besorgt, dass in dieser Situation "Geld erstens zum falschen Zeitpunkt und zweitens für Dinge ausgegeben wird, die strukturell falsch sind." In drei Jahren solle eine Steuerreform stattfinden "und unser Ziel sollte es heute sein, eine Situation herzustellen, in der sich diese Entlastungen ausgehen - ohne dass das überwiegend über eine Neuverschuldung gemacht wird." Wie es "jetzt mit der Konjunktur ausschaut, könnte 2009, 2010 auch der richtige Zeitpunkt sein, um einen Impuls zu geben. Da darf man das Geld aber nicht vorher quasi versickern lassen."

Standortverbesserung

Die Industrie will für 2010 u.a. eine steuerliche Entlastung der Arbeit und eine Senkung des Spitzensteuersatzes von 50 Prozent - zur "Standortverbesserung", wie man im IV-Headquarter am Wiener Schwarzenbergplatz beteuert.

Als einen Grund für die zurückgenommenen Erwartungen ins nächste Jahr führt Beyrer die Schwäche der US-Währung an. Schon mit dem gegenwärtigen Niveau (1,47 Dollar pro Euro) sei für viele Exporteure der Punkt erreicht sei, "an dem' s deutlich drückt". Andererseits gebe es aber auch belastende Faktoren, gegen die sich von Österreich aus leichter etwas unternehmen könne als gegen internationale Währungsentwicklungen - etwa den Fachkräftemangel.

EZB unter Druck

Die deutlich erhöhten Inflationsraten und das Geldmengenwachstum von 12 Prozent in der Eurozone hält Beyrer für potenziell brisant - vor allem dann, wenn diese eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen sollte. "Die EZB steht politisch unter Druck, 'auf das Wachstum zu schauen' (und die Geldpolitik zu lockern, Anm.), aber ich glaube, dass die Zentralbank gar nicht anders handeln kann als auf die Stabilität zu achten - alles andere wäre für den Euroraum hoch gefährlich."

"Rezession importieren"

Dass die EU aus den USA eine "Rezession importieren" könnte glaubt Beyrer nicht. Dazu stehe die Weltwirtschaft mittlerweile auf zu vielen unterschiedlichen Beinen. Die Dynamik komme nicht nur aus den USA, auch aus Asien oder Osteuropa: Österreich habe 2007 um etwa 20 Prozent weniger in die USA exportiert, aber dafür um 45 Prozent mehr nach Mittel- und Osteuropa geliefert, führte Beyrer ein lokales Beispiel an.

Die Kreditkrise, die etwa die Märkte für Unternehmensanleihen in Mitleidenschaft gezogen hat, "hat die Finanzierung für die Unternehmen nicht leichter gemacht. Aber bis jetzt haben wir noch keine Anzeichen, dass das zu einem wirklich drückenden Problem geworden ist", sagte der IV-Generalsekretär. (APA)

  • Artikelbild
    foto: standard/corn
Share if you care.