Die Bullen zogen 2007 ostwärts

28. Jänner 2008, 10:16
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Wer 2007 überdurchschnittliche Börsengewinne einfahren wollte, sollte entweder Chinese gewesen sein oder sein Geld in Ost- und Südosteuropa angelegt haben

Konservativere Investoren sind auch mit der Frankfurter Börse gut gefahren.

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Wien - Das Börsenjahr 2007 hat den Anlegern einiges an Nervenkraft abverlangt, gab es doch, ausgelöst durch die US-Subprime- und Finanzkrise, heftige Erschütterungen an den internationalen Leitbörsen. Die zur Jahresmitte erreichten Höchststände 2007 sind an diesen Märkten teils wieder in weite Ferne gerückt.

Der amerikanische Dow- Jones-Index - zur Jahresmitte über 14.160 Punkte - schaffte heuer mit zuletzt rund 13.360 Zählern auf Dollarbasis zwar ein Plus von 7,2 Prozent, auf Eurobasis liegt er aber durch den Verfall der US-Währung rund drei Prozent im Minus.

Erfreulich hielt sich hingegen der deutsche Dax mit einem Plus von mehr als 21 Prozent. "Frankfurt war mit Abstand die stärkste der etablierten Börsen dank dem über dem Euroland-Durchschnitt liegendem Wirtschaftswachstum in Deutschland", erklärt Helge Rechberger, Leiter der RZB-Aktienanalyse.

Noch höhere Gewinne konnten Anleger in Ost- und Südosteuropa oder an - aus europäischer Sicht - eher exotischen Börsen wie Bangladesch oder Nigeria einfahren.

Der 18 Titel umfassende PFTS-Index der ukrainischen Börse schaffte es auf 110 Prozent Plus und liegt damit an erster Stelle in Europa, gefolgt vom slowenischen Handelsplatz mit knapp 80 und Kroatien mit über 60 Prozent.

"Slowenien selbst ist nicht mehr so interessant, aber es ist die Top-Adresse für Auslandsinvestitionen in Südosteuropa und wird so mitgetragen vom Wachstum dieser Region", erläutert Rechberger, der den kroatischen Markt inzwischen aber für überhitzt hält. Die hohen Bewertungen im Markt seien Zeichen einer spekulativen Blase.

China top

Am allerbesten haben 2007 allerdings chinesische Anleger abgeschnitten - der CSI 300, der Index für chinesische Aktien, die an den Börsen Schanghai und Hong Kong nur von Inländern gehandelt werden dürfen, legte um rund 151 Prozent zu. Der Hang-Seng-China-Index der international handelbaren Papiere schaffte es auf knapp 55 Prozent Plus.

"Chinas Börsen sind sehr heiß gelaufen - Kurs/Gewinn-Verhältnisse von 50 sind dort an der Tagesordnung", so Rechberger. Der wirtschaftliche Aufbruchprozess in China habe eine Börseneuphorie ausgelöst, die bis zu den Olympischen Spielen 2008 wohl gutgehen werde, danach dürfe "aber nichts passieren", denn sonst könnte die Blase platzen, meint der RZB-Analyst.

Die Verlierer-Börsen werden 2007 von Venezuela mit einem Minus von rund 35 Prozent angeführt. Wenig verwunderlich, meint Rechberger: "Ein kommunistisches Regime, das Enteignungen durchführt, hat noch keiner Börse gutgetan. Es ist fast ein Wunder, dass der Index nicht noch mehr nachgegeben hat." (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.12.2007)

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