Mehr Geld, mehr Wahlmöglichkeit

27. Februar 2008, 21:16
97 Postings

Kdolsky will 2008 über das steuerliche Familiensplitting diskutieren

Wien - Ungewöhnliches Publikum hatte Familienministerin Andrea Kdolsky zu ihrer Pressekonferenz am Freitag eingeladen: Die jüngste Besucherin, Marie-Luise, war gerade mal ein paar Monate alt und lauschte der Ministerin - gemeinsam mit ihren vier älteren Geschwistern - mehr oder weniger andächtig, als diese ihre Jahresbilanz zog. 2008 rief sie zum "Jahr der Familie" aus, schließlich treten am 1. Jänner Novellen zum Kinderbetreuungsgeld und zur Familienbeihilfe in Kraft, mit denen Kdolsky "sehr zufrieden" ist. 

Künftig können Eltern zwischen drei Kindergeldbezugsdauern wählen, nämlich 30 Monate (plus sechs, wenn auch der Partner in Karenz geht), 24 Monate (plus vier) oder 15 Monate (plus drei). Die Zuverdienstgrenze wird auf 16.200 Euro erhöht. Damit angehende Eltern nicht den Überblick verlieren, startet das Ministerium eine Informationskampagne, und per Online-Rechner kann ermittelt werden, ob die Zuverdienstgrenze überschritten wird.

Informieren kann man sich darüber auf www.kinderbetreuung.gv.at - wer das "gv" weglässt, dem lächelt allerdings Vizekanzler Wilhelm Molterer entgegen: Die Domain www.kinderbetreuungsgeld.at gehört der Volkspartei.

Über mehr Geld können sich vor allem große Familien freuen, denn die sogenannte "Mehrkindstaffel" wird im kommenden Jahr erhöht (siehe Seite 10). 170.000 Kinder würden in Österreich davon profitieren, rechnete die Familienministerin vor, rund 35 Millionen Euro werden insgesamt aufgewendet.

Steuervariante "zu diskutieren"

2008 müsse man für Familien steuerliche Vorteile schaffen, betonte Kdolsky. Dem steuerlichen Familiensplitting kann sie durchaus etwas abgewinnen, sprich: Das Einkommen wird fiktiv auf die Anzahl der Familienmitglieder aufgeteilt. Kdolsky glaubt nicht, dass durch das Familiensplitting Frauen "an den Herd zurückgedrängt werden". Daher ist diese Steuervariante für sie "zu diskutieren".

Die SPÖ winkt ab: "Das Familiensplitting-Modell richtet sich gegen Frauen und bevorzugt gutverdienende Alleinverdiener-Männer", meint die SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek. Grünen-Familiensprecherin Sabine Mandak glaubt, Familiensplitting würde nur "mehr Geld für traditionelle Familienformen bringen".

Einer Meinung ist Kdolsky mit Bundeskanzler Alfred Gusenbauer in Sachen Krankenkassen: Seine Aussage, wonach es vom Bund keine Finanzspritze für die defizitären Kassen geben werde, entspreche dem vereinbarten Arbeitsauftrag, betonte die Ministerin. Kdolsky möchte 2008 zum "Jahr der langfristigen Konsolidierung der Finanzierung des Gesundheitswesens" machen, und dafür erwarte sie von den Kassen einen entsprechenden Beitrag. (Andrea Heigl/DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2007)

DER STANDARD Webtipp: Kinderbetreuungsgeld

  • Kinderbetreuung bei der Pressekonferenz: Kdolsky mit Baby Marie-Luise.
    foto: christian jungwirth

    Kinderbetreuung bei der Pressekonferenz: Kdolsky mit Baby Marie-Luise.

Share if you care.