Volksoper: Arien der guten Laune

10. Jänner 2008, 15:28
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Robert Meyer ist zufrieden: Die Erfolge seiner ersten Amtsmonate haben dem Haus mehr als 80 Prozent Auslastung beschert und für gute Einnahmen gesorgt

Wien – Der Titel könnte auch "Zwischen Couplet und Arie" lauten. Denn sein Nestroy und sein Karl Valentin sind dem aus dem bayrischen Bad Reichenhall stammenden wendigen Pykniker nach 33 Burgtheaterjahren deutlich in seine wie von Franz Xaver Messerschmidt entworfene facies comica geschrieben. Daran ändert auch das Amt des Volksoperndirektors nichts, das er seit Saisonbeginn mit spürbarer Begeisterung versieht.

Und dass dieses fröhliche Komikergesicht traurige Züge annehmen könnte, ist kaum anzunehmen. Dazu ist er zu erfolgreich. Mit Offenbachs Orpheus in der Unterwelt, d’Alberts Tiefland und mit dem Ballettabend nach Wilhelm Buschs Max und Moritz sind drei Treffer geglückt, die nicht nur das Publikum begeisterten wie schon lange nicht, sondern das Haus auch ökonomisch aufgerichtet haben. Immerhin verzeichnet man seit mehr als einem Jahrzehnt die höchsten Einnahmen und eine blendende Publikumsauslastung von 82 Prozent.

Mit der Staatsoper, das ist ihm bewusst, kann er diesbezüglich noch immer nicht konkurrieren. Ist diese, was das österreichische Musiktheater betrifft, doch die erste Adresse, und ihr Zulauf ist aus den verschiedensten Gründen uneinholbar. Die Volksoper hingegen lebt sehr stark von der Mundpropaganda. Diese hat er durch die jüngsten Erfolge aktiviert. Und durch diese hat er sein Haus auch wieder neu positioniert.

Daran kann ein Dämpfer, wie er ihn mit Offenbachs Hoffmanns Erzählungen abbekommen hat, nichts ändern. Robert Meyer versteht es auch, diesen ohne viel Aufhebens wegzustecken, und streicht, kommt die Rede auf die ziemlich missglückte letzte Premiere, die Leistungen des Ensembles entsprechend heraus.

Diskreter Hinweis

Mit diplomatischem Respekt vor der Meinung des Kritikers versäumt er es auch nicht, mit diskretem Geschick anzumerken, dass Peer Boysen, der vielfach geprügelte Regisseur dieser Offenbach-Produktion, keineswegs auf der Nudelsuppe dahergeschwommen ist, sondern schon auf markante Erfolge zu verweisen hat. So waren beispielsweise seine beiden Innsbrucker Mozart-Inszenierungen von Don Giovanni und Cosí fan tutte außerordentlich erfolgreich.

Er hält übrigens von Regisseuren, die ein Werk ziemlich fantasielos, dafür aber kreuz-brav den Text entlang inszenieren, nicht sehr viel. Deswegen denkt er auch an eine Wiederaufnahme von Giacomo Puccinis Madame Butterfly in der vor drei Jahren heftig diskutierten Inszenierung des heuer auch zu Bayreuther Ehren kommenden Regisseurs Stefan Herheim. Nicht zuletzt bestärkte ihn in dieser Entscheidung ein Besuch der von Herheim szenisch gestalteten Grazer Aufführung von George Bizets Carmen.

Vielleicht hat sich in ihm, der ja auch schon vor mehr als zwei Jahrzehnten in weniger elitären Produktionen wie etwa in mehreren Krimifolgen von Der Alte und von Derrick, aber auch in jüngeren Folgen von Soko Kitzbühel oder Soko Wien mit von der Partie war, ein gewisser szenischer Frust aufgestaut, vor dem er sein Publikum tunlichst bewahren will. Dass jedoch auch die Position eines Chefdirigenten nicht nur für das musikalische Niveau eines Hauses vom Rang der Volksoper, sondern auch für deren künstlerische Bedeutung insgesamt außer-ordentlich wichtig ist, weiß Meyer, auch wenn er damit rechnet, dass diese Position nach Leopold Hagers Ausscheiden fürs Erste einmal vakant bleibt. Einen Mann, den das Orchester akzeptiert und der mit diesem erfolgreich zu arbeiten vermag, findet man gegenwärtig sehr schwer.

Zauber der Oper

Nach so vielen Jahren an der Burg darf man nach dem Unterschied fragen, den er zwischen Sprech- und Musiktheater sieht. Seine Augen fangen an zu leuchten, sein Gesicht verklärt sich. Die Oper, meint er, ist eine ganz andere Welt. Wenn es im Zuschauerraum dunkel wird, der Dirigent auftritt und das Orchester einsetzt, dann hat das einen Zauber, an den Sprechbühnen nicht herankommen.

Auch über die Beziehung von Musik und Text macht er sich Gedanken. Erstere dient nach seiner Meinung zur näheren Charakterisierung der gesungenen Worte. Aber, Hauptsache ist, man versteht den Text. Deshalb hat er sich auch entschlossen, diesen bei den meisten Vorstellungen auf Deutsch und nicht wie üblich in der von den Sängern oft nur nach Art von Papageien erlernten Originalsprache singen zu lassen. "Mitunter wissen die Solisten gar nicht, was sie eigentlich singen." Sieht man einmal davon ab, dass sich nach Beginn einer Vorstellung nicht einmal gleich feststellen lässt, in welcher Sprache nun eigentlich gesungen wird, so ist die Entscheidung für das Deutsch als Repertoiresprache nur zu begrüßen und von einen Mann, der vom Sprechtheater kommt, auch zu erwarten.

Und eines schließt Meyer nach vier Monaten im Amt aus: Das Jammern über das zu geringe Budget. "Das interessiert keinen Menschen." Und wenn die Einnahmen weiter so hoch bleiben, hat er dies auch gar nicht nötig. (Peter Vujica, DER STANDARD/Printausgabe, 28./29.12.2007)

31. 12.: Die Fledermaus, 13.30 und 19.00
  • Robert Meyer ist auch auf der Bühne seines Hauses aktiv: Am letzten Tag des Jahres tritt er gleich zweimal als Frosch in der "Fledermaus"  auf.
    foto: cremer

    Robert Meyer ist auch auf der Bühne seines Hauses aktiv: Am letzten Tag des Jahres tritt er gleich zweimal als Frosch in der "Fledermaus" auf.

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