Wir wollen Wohlstand! Fragt sich nur welchen

Redaktion, 28. Dezember 2007, 18:59
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    foto: apa/dpa

Seit 60 Jahren dient das Bruttoinlandsprodukt als Wohlstandsmaß - Wissenschaftler und Politiker suchen nach Alternativen und hinterfragen das Wachstum

In den 1940er Jahren entwickelte der Ökonom Simon Kutznets das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Er wollte damit herausfinden, ob die USA wirtschaftlich stark genug seien, um am Zweiten Weltkrieg teilnehmen zu könnten. Seither avancierte das BIP zum Maß für den Wohlstand einer Gesellschaft, obwohl es genau genommen nur die wirtschaftliche Produktion oder das Einkommen eines Landes misst. Seit Jahrzehnten bemühen sich Wirtschaft und Politik um das Wachstum dieser Kennzahl.

Dabei ging der Erfinder des BIPs selbst durchaus kritischer mit seinem Indikator um. Kutznets soll einmal gesagt haben, dass man den Wohlstand eines Landes nicht durch das Einkommen der Bevölkerung erfassen könne und dass bei dem Streben nach Wachstum die Frage zu stellen wäre, was wachsen soll und warum.

Kurz vor dem alljährlich wiederkehrenden Weihnachtstrubel luden Europäische Kommission, Europäisches Parlament, OECD, Club of Rome und WWF zu einer Konferenz mit dem Titel "Beyond GDP", auf der diskutiert wurde, wie sich Fortschritt und Wohlstand am besten messen lassen.

Wachsende Kritik

Negative Begleiterscheinungen des Wirtschaftswachstums werden spätestens seit dem Erscheinen des Club of Rome-Berichts "Grenzen des Wachstums" vor 35 Jahren diskutiert: Wirtschaftswachstum gehe zu Lasten der Umwelt, die Rohstoffe der Erde reichten für grenzenlose Wachstum nicht aus und der entstandene Reichtum sei keineswegs gerecht verteilt.

Auch die wissenschaftliche Methode des Indikators blieb nicht vor Kritik verschont. Viele Aktivitäten, die den Wohlstand einer Gesellschaft erhöhen, wie zum Beispiel ehrenamtliche Arbeiten, werden nicht erfasst, da das BIP nur berücksichtigt, was über Markt und Geldaustausch in barer Münze gezählt werden kann.

Glück als neuer Maßstab

Mit der Kritik am BIP kamen auch neue Konzepte und Kennzahlen. Manche korrigierten den vermeintlichen Wohlstandsmesser um seine Mängel: So werden zum Beispiel Kosten für Umwelt- oder Gesundheitsschäden abgezogen. Andere Ansätze konzentrieren sich auf den Verbrauch natürlicher Rohstoffe und die Belastung der Umwelt, wie etwa der Ökologische Fußabdruck.

Neuere Kennzahlen versuchen das Glück der Menschen, die Lebensqualität, in Zahlen zu fassen. Man argumentiert, dass Wohlstand nicht (nur) von materiellen Dingen abhängt, sondern letztendlich davon, wie wohl man sich fühlt.

Die Webseite der Konferenz bietet eine virtuelle Ausstellung mit Kurzbeschreibungen der vorgestellten Konzepte sowie sämtliche Vorträge als Videostream.

Zum Autor
Mark Hammer arbeitet als freier Journalist in Wien.

Link
Beyond GDP
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Posting 1 bis 25 von 208
1 2 3 4 5
W_O_L_F_G_A_N_G
00
29.1.2009, 09:29
@derstandard.at

Dadurch, dass die einzelnen Postings hier antichronologisch, die Antworten jedoch chronologisch angeordnet sind, ist es die reinste Hölle, Beiträge mit vielen Postings bzw. Antworten in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Das artet in der reinsten Orgie an vor- und zurückblättern aus. Ich hab's bei diesem Artikel aufgegeben.

Wieso kann man nicht die Beiträge und Antworten in der gleichen Reihenfolge ausgeben?

scrollradl
 
00
22.9.2009, 10:41

nja, die beiden Burschen weiter unten verwechseln ein Forum mit einem Chatroom.

Zenon
00
Super!

Es geht mir schon seit längerem auf die Nerven, dass wir nur aufgrund des BIP als reich gelten.

Auf folgender Graphik sieht man, wo in der Welt die Menschheit prosperiert. Nicht in Österreich!
http://de.wikipedia.org/wiki/Date... 007-de.svg

extrig
01
30.12.2007, 19:01
Hörten und lasen wir es doch:

"Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm!"

Daher auf zur Produktionssteigerung handgemachter Kaisersemmeln.
Am besten auf 10-Keimlings-Mehl-Basis und mit Wunder-Wasser!

Humanis Doc
11
30.12.2007, 18:30
Zu Diskussion mit Poster Markus Wagner!

Aus einem anderen Forum:
Der ZINS ist die Ursache des Zwanges zum (rein quantitativen) Wirtschaftswachstum.
Begründung:
Durch den Zinsmechanismus in unserer Geldordnung mit POSITIVEN Zinsen wächst die nominale Geldmenge. Würde die Gütermenge gleich hoch bleiben, so würde der reale Wert des Geldes sinken. Daher muß (=Zwang) die Menge der produzierten Güter und Dienstleistungen genauso stark wachsen.
Die Sache hat aber (mindestens) zwei Haken:
1. ÖKOLOGISCHE Problematik: Das Geld kann (theoretisch) unendlich wachsen, die Produktion (in einer "endlichen Welt") sicher nicht...
2. SOZIALE Problematik: Kleinere Kapitalien werden von den größeren aufgesogen ("Reiche werden reicher ...")

Markus Wagner
11
31.12.2007, 13:21

Um dazu auch beizutragen:

1.) Der reale Wert des Geldes sinkt ja. Die Geldmenge wächst schneller als die Gütermenge, na und? Die EZB hat ein Inflationsziel: Steigt die Gütermenge nicht mehr ausreichend, so muss sie ihr Geldmengenwachstum einbremsen, sonst kriegst sie Probleme mit der Inflation. Ich sehe hier keinen Zwang zur Produktion. Umgekehrt hätten wir im übrigen Deflation wenn wir steigende Gütermengen mit gleichbleibender Geldmenge hätten.
2.) Warum kann Geld theoretisch unendlich werden, Produktion aber sicher nicht? In einer endlichen Welt (wenn das Ihr Argument ist), kann auch Geld nur endlich bleiben. Was man hier schon abstruse Argumentationen lesen muss, ist echt jenseitig.

Schwarzposter
00
Ich glaube sie sind der besondere Titler!

Der Hinweis, dass sie beharrlich auf einfachsten Grundlagen des Wissens verzichten ist eine höfliche Form der Kritik.

Denken sie sich eine Zahl - egal welche - die denkbar Größtmögliche.

Dann zählen sie 1 hinzu - voila die Geldmenge als Zahl auf einem Geldschein ist tatsächlich unendlich.

Die Resourcen der Welt leider nicht.

Damit endige ich das jenseitige Vergnügen mit ihnen zu diskutieren. Auch gratis macht es für umsonst keinen Spass.

FarkAs
00
Die €uronen sin nicht vom aufgedruckten Wert bestimmt?

Was ist das für ein Sager der Wagner?

Markus Wagner
00
10.1.2008, 10:07

Das haben Sie falsch verstanden. Ein Geldschein ist das Wert was draufsteht, aber das halt nur nominell. Wieviel zum Beispiel 1000 oder 100 ist, ist eine ganz andere Frage. Klassisches Beispiel: Wenn wir auf jeden unserer Banknoten einen 0er anhängen, ist auch niemand reicher geworden.

Markus Wagner
00

Nun, Sie wissen aber schon, dass es auf die Zahl am Geldschein überhaupt nicht ankommt. Natürlich kann man auf einen Geldschein unendlich draufschreiben. Aber wird man das machen? Was hat das für einen Sinn? Wieviel Wert hat ein Geldschein wo Unendlich draufsteht?

Nun gut, dann hats ein Ende, sollte mich eh wichtigerem zuwenden.

palastantenne
00
unendlich ist keine zahl

Markus Wagner
00
10.1.2008, 10:08

Und inwiefern beschädigt diese Offensichtlichkeit meine Argumentation?

comicorum_amicus
01
30.12.2007, 16:39
Aus 1. Mose, 1. 28

Und Gott segnete sie (Mann und Weib) und sprach zu ihnen: "Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und macht sie euch untertan ...!"

Freie Welt
00
30.12.2007, 00:03
Ganz einfach:

Stellen Sie jemandem, den sie nicht kennen, völlig überraschend die Frage: "Wie gehts?"
Eine Analyse der Anwort ist ein Maßstab für den persönlichen Wohlstand dieser Person.

Vergleiche zwischen Slum-Bewohnern in Bombay und Managern von Multimilliarden-Konzernen könnten in Bezug auf diesen Maßstab sehr aufschluss- und lehrreich sein...

vox sapiens
35
29.12.2007, 10:02
Schon überlegt, dass ewiges Wachstum nur wachsdumm ist?

Eine Wirtschaft die nicht Lebensfähig ist, wenn nicht ständig neue Schulden für Wachstum gemacht werden ist in den Fängen des Zinsgedankens.

Es braucht keine Verschwörung, wenn ich mein Vermögen immer um einen Prozentsatz verkleinern muß, oder ich nehme andern entsprechende Anteile weg.

Das ist mit Wachstum gemeint! Um zu überleben anderen etwas wegnehmen, oder immer mehr arbeiten.

Wo ist der Wohlstand der erarbeitet wurde?

erwin meier
00
29.12.2007, 19:15

wachstum muss nicht mit schulden zusammenhängen. es kann auch die produktivität gesteigert werden, etc.

Reblauserl
00
29.12.2007, 19:31
Ewiges Wachstum geht wirklich?

Immer mehr Semmeln?

Markus Wagner
00
30.12.2007, 15:33

Natürlich. Prinzipiell ist es denkbar.

Flavio Maffia
00
31.12.2007, 12:27

Wachstum sollte ja nebenbei auch was mit Wohlstand zu tun haben ;-)
Um Wohlstand aufzuzeigen hat man ja auch die Ausgaben für Lebensmittel mit anderen Ländern verglichen.
Wenn man aber nun schaut dass diese Ausgaben wieder steigen und dass schon mal gewarnt worden ist vor einem Preisanstieg....

Markus Wagner
00
31.12.2007, 13:13

Und weiter? Was sagt uns das jetzt? Dass Wachstum unseren Wohlstand senkt, weil auch die Preise steigen? Jetzt wirds aber bald abenteuerlich.

Flavio Maffia
00
31.12.2007, 17:34

Naja dabei wird natürlich der Prozentualwert gemessen ;-) und der steigt. Bei Wachstum müssten die Gehälter so steigen dass man alle Kosten wieder kompensieren kann und bei Wohlstand müssten sie sogar soweit steigen, dass man diese Ausgaben senken kann

Markus Wagner
00

Bei Wachstum müssten die Gehälter überhaupt nicht steigen. Und erst recht nicht müssen bei Wachstum alle Gehälter steigen.

Flavio Maffia
00

Ja das ist ja der Witz. Wenn man 1 und 1 zusammenzählt dann schon. Ist nunmal nicht so.
Ein Fehler in unserem System da die Unternehmen einen gewissen Prozentsatz Gewinn machen müssen um keinen Verlust einzufahren. Doch jeglicher Gewinn wird nun mal als Wachstum angegeben ;-) auch wenns eigentlich keiner ist

Markus Wagner
00

Was wollen Sie jetzt damit schon wieder sagen? Wenn man 1 zu 1 zusammenzählt, wie? Wachstum heißt, dass die Wirtschaft wächst, dass die Summe der produzierten Güter mehr geworden sind oder mehr Wert haben (nach Abzug der Preissteigerung). Wer von diesem Wachstum eine Lohnerhöhung bekommt, hängt von der Wettbewerbssituation an den verschiedenen Arbeitsmärkten ab.

Flavio Maffia
00

Ich will nur aussagen, dass wir ohne Wachstum momentan gar nicht auf dauer überleben können und wenn das Wachstum zu klein ist ebenfalls nicht.
Wir haben momentan einen relativ guten Wohlstand den es zu halten gilt, was aber wohl nicht der Fall sein wird.
Wenn die Produktion gesteigert wird müsste es eigentlich zu einem Preisnachlass kommen da man je mehr Güter man produziert diese in der Produktion billiger werden. Und wenn gewisse Güter einen gesteigerten Wert haben dann spricht das absolut gegen den Wachstum da es nur 2 Möglichkeiten gibt. Entweder man kann die Nachfrage nicht genügend decken oder Ressourcren werden aufgrund ihrer endlichkeit teurer.
Doch eigentlich sollte es so sein dass solche negativen teuerungen aufgefangen werden

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