Corti, Nowak, Holzer und der Wirt

29. Jänner 2008, 17:00
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Harald Fidler holt weit aus, bevor er sich beim Pfarrwirt den Wanst vollschlagen kann

Mehr hat er nicht gebraucht, der Severin: War Kollege Corti doch glatt bei einem Journalistenessen im Pfarrwirt und schrieb darüber, bevor Hans Schmids Nobelwirtshaus noch eröffnet hatte. Ich lehn mich da ja locker zurück und wart ab, bis sich der erste Wirbel gelegt hat, aber Corti soll im RONDO-Wochenrhythmus ja die neuesten Lokale vorstellen. Und: Er hat in seiner Pfarrwirt-Kritik sehr wohl erwähnt, dass "man sich sorgt, ob Alexander Mayer das bei Vollauslastung (120 Plätze plus Garten) wohl auch so hinbekommt".

Kollege Nowak von der "Presse" hat ihn dafür im "Schaufenster" ordentlich abgewatscht, oder besser: Ihm zur Auflösung physikalischer Prinzipien von Zeit und Raum gratuliert. Dabei waren, wie ich gerade zurecht erinnert wurde, gleich nach Corti auch Holzer (Samstag) und Karin Schnegdar (Sonntag in der "Krone bunt", um Florians Anregung in den Postings gleich aufzunehmen) in dem Sinne zu früh.

Ein paar Tage nach seinem J'accuse! beorderte mich der Rainer ins Porzellan zwecks gemeinsamer Erprobung des gerade von Florian Holzer ("Kurier"-"Freizeit") empfohlenen und schon gekosteten Porzellan, betrieben von Pablo Meier-Schomburg (früher Pablo, Das Turm).

Praecox im ehemaligen Bordeaux

Der Witz daran: Das Porzellan sperrte erst am nächsten Tag auf. Wir zwei waren fast allein. Und, nebenbei: Die Weinkistenverkleidung der Garderobe noch aus Zeiten des Bordeaux (das mich kulinarisch nicht begeisterte) stank noch stark nach ihrer frischen weißen Lackierung.

Nowak schrieb, etwas zerknirscht, wie mir schien, von seiner kulinarischen Praecox mit dem Porzellan. Darum kam er allerdings nach seiner Corti-Schelte auch nur schwer herum. In der "Freizeit" lasen wir nichts vom Essen vor der Eröffnung, aber a) hatte sich Florian ja auch nicht darüber alteriert und, auch wahr, b) war das Porzellan schon offen, als Holzers Befund erschien. Corti (und Holzer und Schnegdar) hatte offenbar das Pech, hörte ich inzwischen, dass der Pfarrwirt seine Eröffnung wegen eines technischen Gebrechens verschieben musste.

Besorgter Wirt

Bei Nowak klang eine, sagen wir, nicht uneingeschränkte Begeisterung vom Porzellan durch, die ich durchaus teilte. Vor allem die Steinpilzravioli machten mich nicht sehr glücklich, die üppig-käsige Fülle schmeckte mir zuwenig nach Steinpilz. Laut Meier-Schomburg damals noch ein Problem mit der Harmonie von eigener Fülle und fremdgefertigter Hülle. Aber was geh ich auch so früh hin, hat sich inzwischen wahrscheinlich alles eingespielt.

Interessant übrigens auch die Erfahrung, wenn der Tischnachbar als Gastrokritiker erkannt wird und man das sonst hervorragende Rindsfilet etwas zu durch findet. So rasch kann man gar nicht schauen, wie noch eine verbesserte Portion daherhuscht. Nowak beschwert sich deshalb auch lieber nicht, sondern schreibt dann einfach fies. Ich bevorzuge, weitgehend unerkannt zu bleiben und Dilettant.

Neuer Einleitungsrekord

Wir haben an dieser Stelle einen neuen Einleitungsrekord erreicht, ohne ein beurteilendes Wort über jenes Lokal zu verlieren, um das es hier eigentlich gehen sollte: Pfarrwirt, genau, nach einigen Wochen hoffentlich eingespielt, besucht knapp vor Feiertagen an einem Sonntag.

Machen wir's kurz: Mir hat's geschmeckt. Das Beef Tartar sehr gut, die Racks vom Salzlamm sensationell zart und rosa und gewaltig portioniert, dazu Currysauce (hätte ich nicht zwingend gebraucht, aber ok) auf den Belugalinsen und Süßkartoffeln. Ja, es gibt auch Wirtigeres. Zum Beispiel das ebenfalls riesige, sehr, sehr mürbe Prachtgulasch mit Serviettenknödel. Tartar und Lamm und Gulasch mit einem zarten Hang zum Salzigen (nona beim Salzlamm, sag ich mir), aber absolut im Rahmen. Bin da halt ein bisschen empfindlich, meine gerade aus den USA eingeflogene Sitznachbarin war naturgemäß natriumchloridmäßig ohnehin etwas entwöhnt.

Saftiger Zander

Die Fritattensuppe von Gegenüber wurde gelobt, viel Gemüse, hab ich aber ausgelassen. Der Zander vom Neusiedlersee saftig, das Risotto von roten Rüben mit Krenschaum absolut gut.

Ich kann also berichten: Auch im Mittelvollbetrieb nach einigen Wochen kein Fehler. Die Preise - 24 Euro für das Salzlamm, 12 für's Gulasch - orientieren sich halt bisweilen eher an Döbling als am Wirtsbegriff. Aber erstens will ich nicht wissen, was der gewaltige Umbau der früheren "Schönen Aussicht" gekostet hat, und zweitens darf sich Alexander Mayer (früher Theatercafé) auch ganz anständig austoben, scheint mir. Max Palla, ehemals Agenturchef und heute Berater, vor allem aber begeisterter Koch und Esser, war nach mir wieder einmal dort und berichtete mir gerade, dass Mayer sich gerade "in Höchstform" befinde.

Bleibt noch die üppige internationale, sehr anständige österreichische Weinkarte mit absolut verständlichem Hang zu den Gütern des Hausherren. Was ja kein Fehler ist.

PS: Meinen kleinen Seitenhieb auf Vorabkritiken zu Little Buddha hab ich wieder herausgenommen - die Kollegen waren geschlossen am 1. regulären Abend, ich hatte dann von der offiziellen Eröffnungsparty eine Woche später gehört. Sorry dafür!

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
  • Machen wir's kurz: Mir hat's geschmeckt.
    grafik: pfarrwirt

    Machen wir's kurz: Mir hat's geschmeckt.

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