Kunstmarkt: Rückblick auf ein Rekordjahr

3. Jänner 2008, 18:05
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Beste Auktionssaison von jeher: Nicht nur international, auch in Österreich stieg die Nachfrage 2007 gewaltig

Niemals zuvor hat in Österreich Kunst in einem derartigen Wertumfang den Besitzer gewechselt.


Wien - Die Freigabe seitens des Bundesdenkmalamtes kam eine Stunde vor der Auktion. Bis dahin war es eine Zitterpartie. Auf 50.000 bis 80.000 Euro hatte Experte Simon Weber-Unger die Taxe für die Ptolemäische Armillarsphäre, ein eindrucksvolles Himmelsmodell aus dem 17. Jahrhundert, angesetzt. Nach wenigen Minuten hatte sich der Infight am 18. Oktober auf zwei Telefonbieter reduziert, erst bei 260.000 Euro kam für eine englische Institution das erlösende "zum Dritten". Der Kaufpreis für die aus einer Wiener Sammlung stammende Rarität betrug schließlich 306.000 Euro.

Ein Meilenstein, nicht nur für die Sparte Historisch wissenschaftliche Instrumente, sondern auch für Österreich, das hier einmal mehr in einem Nischenmarkt punkten konnte. Christie's und Sotheby's haben diese Sparten jüngst aufgegeben, und die eingeschworene Sammlergemeinschaft könnte in der Alpenrepublik eine neue Angebotsheimat finden. Es ist eine der vielleicht kleinen aber für die Zukunft relevanten Erfolgsgeschichten, von denen das Jubiläumsjahr des Dorotheums begleitet wurde.

In seinem 300. Bestandsjahr scheffelte das älteste der heute noch in Betrieb befindlichen Auktionshäuser der Welt Geld wie lange nicht! Die Umsatzrekorde der vergangenen Jahre verblassen angesichts der aktuellen Bilanz - per 13. 12. summierten sich die Ergebnisse aus Auktionen auf 123 Millionen Euro. Nach dem verhaltenen Zuwachs von 2005 (85 Mio. Euro) auf 2006 (89 Mio. Euro) von 4,7 Prozent darf sich die Geschäftsführung und die fleißig akquirierende Expertenmannschaft über ein Plus von fast 40 Prozent freuen.

In einer ähnlichen Klasse bilanzierte "im Kinsky". Ende Juni verlautbarte man eine Steigerung gegenüber dem Vergleichszeitraum in der Höhe von 39 Prozent, bis Ende des Jahres bremste sich diese auf einen Zuwachs von 33 Prozent auf 21,4 Millionen Euro ein.

Damit dürfen auch Otto-Hans Ressler & Co das erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte notieren. Ein kleiner Wermutstropfen - in der Liste der zehn höchsten Zuschläge in Österreich ist man mit nur einem Ergebnis vertreten. Nicht mit dem jüngst eingefahrenen höchsten Einzelergebnis, das je für einen lebenden österreichischen Künstler realisiert werden konnte (Maria Lassnig, Mit einem Tiger schlafen, netto 230.000 Euro), sondern in der vom Dorotheum stillgelegten Sparte Asiatika. Die an die Freyung übersiedelte Ex-Dorotheum-Expertin Jorinde Ebert reichte bei ihrem Auktionsdebüt an der Freiung Zhang Daiquians Großformat Lotosblüten für 440.000 Euro nach Australien weiter. Kein einziger dieser Top-Zuschläge wurde übrigens von einem österreichischen Käufer bewilligt. 2005 sicherte sich Johann Kräftner für die Sammlung Liechtenstein Waldmüllers Unterbrochene Wallfahrt (netto 1,1 Mio. Euro) und 2006 sprang ein "heimischer Privatier mit Tiroler Wurzeln" für den restituierten Totentanz von Egger-Lienz in die Presche (netto 760.000 Euro). 2007 verdankt die Alpenrepublik den Top-Zuschlag einem in den vergangenen Jahren hier immer aktiver gewordenen Nachbarn, nämlich Italien, etwa auch die 1,15 Millionen Euro für Guido Cagnaccis Lucrezia. Stärker als in den vergangenen Jahren bedienten sich Käufer aus Großbritannien, je einmal sind die Nationen Schweiz (No White O.X., Yayoi Kusama, netto 860.000 Euro) und Frankreich vertreten, die Paradieslandschaft Jan Brueghel d. J. erwarb die Galerie De Jonckere.

Die Anzahl russischer Käufer hat sich seit 2005 verdoppelt. Parallel dazu sank der Anteil an Bietern aus den USA, nicht aber der Umsatzanteil, wie man zwei der Top-Zuschläge Sammlern aus den USA verdankt: 1,1 Mio. Euro für Manzonis Achrome und 672.000 Euro für Hondecoeters Vogelkonzert.

Österreich blickt auf seine beste Auktionssaison zurück. Das zeigen auch die über die zehn teuersten Kunstwerke ermittelten Wertvolumina: 2005 lag dieser Wert bei 4,38 Mio. Euro, 2006 war er mit 4,07 etwas rückläufig - 2007 summierten sich diese zehn Zuschläge auf ein Spitzentotal von 6,29 Mio. Euro. Niemals zuvor hat in Österreich Kunst in einem derartigen Wertumfang den Besitzer gewechselt. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.12.2007)

  • Ausblick mit Egon Schiele: "Dorf am Fluss" (Nachlass Architekt Kurt Schlauss') kommt am 26. Februar 2008 im Kinsky zur Auktion (Rufpreis 50.000 Euro).
    foto: im kinsky

    Ausblick mit Egon Schiele: "Dorf am Fluss" (Nachlass Architekt Kurt Schlauss') kommt am 26. Februar 2008 im Kinsky zur Auktion (Rufpreis 50.000 Euro).

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