Besorgnis über wachsende Armut

24. Jänner 2008, 11:14
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Fischer: Abstand wird "eher größer" - Glawischnig: "Keinen Schritt weiter" - Westenthaler: "Soziale Kältewelle" - Fünf Millionen Euro für "Licht ins Dunkel"

Wien - Sorgen aufgrund der wachsenden Armut in Österreich beherrschten den ORF-Weihnachtsabend. So äußerte sich Bundespräsident Heinz Fischer in der "Licht ins Dunkel"-Sendung besorgt über zunehmende Verteilungsprobleme.

Auch wenn sich die Volkswirtschaft in Österreich insgesamt positive entwickle, werde der Abstand zwischen den höchsten und den niedrigsten Einkommen "eher größer", beklagte der Bundespräsident. In seinen Wortmeldungen wolle er, Fischer, die Menschen und die Politik für Sozialpolitik, Humanität und Gerechtigkeit gewinnen.

Vertreter der fünf Parlamentsparteien äußerten sich in der ORF-Sendung besorgt über die wachsende Armut. Von Regierungsseite verwiesen SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina und ÖVP-Staatssekretärin Christina Marek auf Maßnahmen der Regierung zur Armutsbekämpfung wie Mindestlohn, Mindestsicherung oder Mindestpension.

"Keinen Schritt weiter"

Die Oppositionsvertreter beurteilten die Situation skeptischer: Die stellvertretende Grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig meinte, bei der Armutsbekämpfung sei man keinen Schritt weiter gekommen und die Einkommensschere zwischen Männer und Frauen sei noch weiter auseinandergegangen. FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache machte die EU und die Globalisierung für die wachsende Armut in Österreich verantwortlich. BZÖ-Chef Peter Westenthaler meinte, es gebe ein Jahr nach Rot-Schwarz eine "soziale Kältewelle" in Österreich.

"Die Politik kann nicht alles machen"

Kardinal Christoph Schönborn rief zu mehr Engagement jedes einzelnen im Kampf gegen die Armut auf. "Die Politik kann nicht alles machen", so der Erzbischof in "Licht ins Dunkel". Der Staat müsse das Grundnetz sichern. Es müsse aber auch jeder einzelne auf seinen Nächsten schauen. Das Ehrenamt bezeichnete Schönborn als "große Ressource".

Die "Licht ins Dunkel"-Spendengala, die am Montag zum 30. Mal im ORF-Fernsehen stattfand, hat rund fünf Millionen Euro eingebracht. Dies teilte der ORF in der Nacht auf Dienstag in einer Aussendung mit.

ORF-"Licht ins Dunkel"-Leiter Jörg Ruminak betonte, jeder Euro Spende sei "ein Solidarbeitrag im Sinne der Zivilgesellschaft. Denn auch unser soziales Netz ist nicht engmaschig genug und Spenden immer noch nötig". ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bezeichnete "Licht ins Dunkel" als "eine der tragenden Säulen des Unternehmens". Unter der kostenlosen Hotline 0800 24 12 07 kann auch weiter gespendet werden. (APA)

  • PolitikerInnen aller Parteien zeigten sich über die wachsende Armut in Österreich besorgt.
    foto: standard/hendrich

    PolitikerInnen aller Parteien zeigten sich über die wachsende Armut in Österreich besorgt.

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    Bundespräsident Heinz Fischer in der "Licht ins Dunkel"-Sendung im ORF besorgt: Die Kluft zwischen Arm und Reich werde "eher größer".

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