Kommentar der anderen: Alles Gute zum Newton-Tag!

25. Jänner 2008, 15:07
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Stimmt die Geschichte von Jesu Geburt am 24./25. Dezember? Natürlich nicht, sagt der britische Evolutionsbiologe und Bestseller-Autor Richard Dawkins

...in einem Kommentar für die jüngste Ausgabe des "New Statesman". Es handle sich bloß um die christliche "Erweiterung" traditioneller Wintersonnwendfeiern. Und was lernen wir daraus?

Dieser "saisonale Opportunismus" setzt sich bis heute fort. In einigen Bundesstaaten der USA ist das öffentliche Herzeigen von Krippen und anderen christlichen Symbolen verboten, um Juden und andere (nicht atheistische!) Bürger nicht vor den Kopf zu stoßen. Bundesweit werden die saisonalen Maketinggelüste durch eine super-ökomenische "Holiday Season" befriedigt, indie das jüdische Hanukkah-Fest, der muslimische Ramadan und die frei erfundende "Kwanzaa" (erstmals 1968 eingeführt, damit auch die afroamerikanischen Bürger ein eigenes Sonnwendfest feiern können) einbezogen wurden. Amerikaner wünschen einander nur mehr vorsichtig "Happy Holiday Season" und geben Unsummen für "Holiday"-Geschenke aus. Und so viel ich gehört habe, hängen sie auch "Holiday-Strümpfe" auf und singen "Holiday-Lieder" unterm festlich geschmückten "Holiday-Baum". Ein rot-gewandeter "Vater Holiday" wurde bisher zwar noch nicht gesichtet, aber das ist wohl nur noch eine Frage der Zeit.

Sei es wie auch immer: Unsere Kultur ist traditionell christlich geprägt und wenn Kinder ohne Kenntnis der biblischen Literatur aufwachsen, bedeutet das für sie eine Verarmung. Ich bin kein Anhänger des Christentums und hasse die alljährliche Verschwendungsorgie, aber ehrlich gesagt, wäre es mir immer noch lieber, euch "Happy Christmas" zu wünschen als "Happy Holiday Season".

Glücklicherweise haben wir aber noch eine andere Wahl: Der 25. Dezember ist der Geburtstag eines Mannes, der wahrhaftig zu den bedeutendsten zählt, die je über die Erde gewandelt sind: Sir Isaac Newton. Mögen seine Leistungen gefeiert werden, wo immer seine Wahrheiten Gültigkeit haben - und das bedeutet: von einem Ende des Universums bis zum anderen. In diesem Sinne: "Happy Newton Day!" (Richard Dawkins/DER STANDARD-Printausgabe, 24./25./26.12.2007)

Zur Person:
Richard Dawkins ist Autor der Bestseller "Das egoistische Gen" und "Der Gotteswahn".
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    Clash of civilizations an einer Sperranlage im Westjordanland, nahe Bethlehem: Israelische Grenzer im Einsatz gegen propalästinensische "Weihnachtsmann"-Demo.

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    Zynismus als Notwehr: Ein genervter Bürger setzt vor seinem Haus in Washington ein Zeichen gegen den Weihnachtskommerz.

  • Ein Atheist unterm Weihnachtsbaum: US-Starautor Richard Dawkins plädiert für säkulare Umwidmung des Christfests.
    foto: cbc.ca

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