Weihnachten 2007? Eine einzige Katastrophe!

4. Jänner 2008, 17:12
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TV-Sender geben sich an Weihnachten bewusst unfromm: Just mit Katastrophenfilmen locken sie ihr Publikum

"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" sind dabei, ebenso wie Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga. Darüber hinaus geben sich TV-Sender an Weihnachten aber bewusst unfromm: Just mit Katastrophenfilmen locken sie ihr Publikum.

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Auf den Weihnachtsfilm müssen romantische Naturen dieses Jahr lange warten. Jahrzehntelang lief "Ist das Leben nicht schön" im Nachtprogramm und bildete inmitten von Geschenkebergen und raschelndem Einpackpapier den Beginn der wirklich stillsten Zeit des Jahres. Erst am 26. Dezember um 11.20 Uhr macht sich George Bailey auf die Suche nach seinem Lebensmut. Ein Stilbruch?

Ganz gewiss! Weihnachtsfriede ist den meisten Programmmachern im Jahr 2007 kaum heilig. Im Gegenteil: Zu keiner anderen Zeit im Jahr gibt es eine solche Häufung an Katastrophenfilmen.

Mit "Erdbeben in 10.5 - Apokalypse" begleitet etwa RTL den Heiligen Abend. Die Katastrophe unter dem Christbaum habe schon vor zwei Jahren gut funktioniert, erklärt Sendersprecher Claus Richter auf Anfrage. Der 24. sei ohnedies "kein guter Tag fürs Fernsehen. Nicht viele schauen."

Doch auch anderntags kracht es: Der 25. bringt "Die Höllenfahrt der Poseidon" (14.55, Kabel 1), "Armageddon" (20.15, Pro Sieben) und "Apokalypse Eis" (23.40, RTL). Schon wieder Klasse haben "Airport" (9.00, Vox) und "Titanic" (20.15, Pro Sieben) am Stefanitag.

Für immer und ewig

Manches wiederum bleibt für immer und ewig gleich: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" kann man zwischen Weihnachten und 6. Jänner bei gezählten zwölf Wiederholungen kaum verpassen (24.: 6.40, ORF; 15.45 bzw. 21.45, WDR. 25.: 10.35, ARD; 14.15, MDR; 14.24, RBB. 26.: zwischen 8.25 und 13.15 auf SWR, BR, WDR, NDR oder HR). Freunde von Grimms Märchen mit Ostcharme dürfen sich während der Weihnachtsfeiertage ohnedies gut versorgt fühlen: Dritte Deutsche spielen sie rauf und unter. Besonders hervorzuheben: Mit "Schneeweißchen und Rosenrot" (24.: 13.20, WDR), "Das tapfere Schneiderlein" (24.: 13.50, RBB), "Schneewittchen" (26.: 9.05, WDR) und "König Drosselbart" (26.: 10.30, ZDF) bekommt man einen länderübergreifenden Einblick in die Märchenfilmkultur des ehemaligen Ostblocks der 60er- und 70er-Jahre.

Nicht versäumen sollte man die brandaktuelle Neuverfilmung vom "Rumpelstilzchen" mit Katharina Thalbach als tollwütig-krächzendes Rumpelstilzchen (24.: 9.15, ZDF). Glänzende Kinderaugen gibt's wahrscheinlich auch beim reizenden Zeichentrickmärchen "Lauras Stern" (24.: 8.00, ZDF).

Gut abgehangenes Pflichtprogramm

Zum gut abgehangenen Pflichtprogramm an Weihnachten zählen Pippi Langstrumpf (24.: 12.10, ZDF; 26.: 12.05, ZDF), Michel aus Lönneberga (24.: 13.30, ZDF; 26.: 13.30, ZDF), Stan Laurel und Oliver Hardy in Hände hoch - oder nicht (25.: 10.20, WDR) bzw. Wir sind vom schottischen Infanterie-Regiment (26.: 13.15, WDR) und Die Muppets-Weihnachtsgeschichte (24.: 20.15, SRTL). Schön zum Wiedersehen Casablanca (24.: 22.30, 3sat) und Fritz Lehners Schubert-Trilogie Mit meinen heißen Tränen (25., 26., 27.: ca. 14.00).

Mit Erstausstrahlungen von Blockbustern gehen die TV-Sender verhältnismäßig sparsam um: Der ORF probiert es etwa mit dem Remake der Ladykillers (24.: 20.15) oder Zeichentrick in Der Polarexpress (25.: 16.30). Nicole Kidman, Julianne Moore und Meryl Streep reizen in The Hours (26.: 23.20, ZDF) Möglichkeiten ihres Schauspiels aus.

Am 26. sticht die MS Deutschland zum ersten Mal in See, allerdings noch nicht mit Harald Schmidt, der steigt erst am 1. Jänner ins Traumschiff. Prächtig wird es am 29.: Der ORF überträgt den Cirque du Soleil aus dem MGM-Theater in Las Vegas. Kulturchef Martin Traxl führt durch den Abend. Beinahe-Spiegel-Chef Claus Kleber blickt zeitgleich auf TW1 und im ZDF hinter die Kulissen des Spektakels.

Malerische Dokus über Messners Alpen (30.: 16.15, ARD), Karelien (30.: 21.45, ARD), Jakutien (2.: 22.15, ZDF), Transsibirische (25.12.: 19.15, ARD) und Transafrikanische Eisenbahn (31.: 19.15, ARD) erlauben den Blick auf die weite Welt.

Mit Silvesterstadl, Dinner for One und anderntags Neujahrskonzert und Skispringen wechselt das Jahr wieder traditionell. Naturfilmer Georg Riha ("Glockner - Der schwarze Berg") spielt im Pausenfilm der Euro Bälle zu.

Der erste filmische Höhepunkt des Fernsehjahrs 2008 wartet bereits am 6. Jänner: Robert Dornhelm fährt in der 26 Millionen Euro teuren Tolstoi-Verfilmung Krieg und Frieden schwerste Geschütze und tiefste Leidenschaften auf. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 24./25./26.12.2007)

  • Stan Laurel und Oliver Hardy: Treue Partner im Fernsehprogramm
zu den Weihnachtsfeiertagen.
    foto: wdr

    Stan Laurel und Oliver Hardy: Treue Partner im Fernsehprogramm zu den Weihnachtsfeiertagen.

  • Schwerste Geschütze im neuen Jahr: Malcolm McDowell in Robert Dornhelms Version von "Krieg und Frieden".
    foto: orf

    Schwerste Geschütze im neuen Jahr: Malcolm McDowell in Robert Dornhelms Version von "Krieg und Frieden".

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