Armut: Verhöhnte Gerechtigkeit

von Redaktion  |  23. Dezember 2007, 19:11

Offenbar sind es längst nicht nur die Armen, die sich durch die Gerechtigkeitslücke zunehmend verhöhnt fühlen

Armut und soziale Bedürftigkeit werden in den wohlhabenden Ländern des vereinten Europa nicht ignoriert. Sie werden zunehmend verhöhnt. Das macht das Problem umso unerträglicher, nicht nur zu Weihnachten.

Die Einführung der Mindestsicherung in Österreich, die immer wiederkehrenden Debatten um ein Grundeinkommen in Deutschland sind Ausdruck eines wachsenden Bewusstseins für soziale Ungerechtigkeiten. Nur: Das wird nicht reichen, um die gefühlte "Gerechtigkeitslücke" (Spiegel, 51/07) zu schließen.

Denn während sich die Topverdiener fette Gagen gönnen, kämpfen die "unten" gegen die Verelendung - und das begründete Gefühl, oft nicht mal eine Chance zu haben: So landen Migrantenkinder überdurchschnittlich oft in Haupt- und Sonderschulen und schaffen es unterdurchschnittlich selten an die Universitäten. Da schrammen Alleinerzieherinnen häufig an der Armutsgrenze, und Menschen mit Gesundheits-Handicap werden zum Sozialfall.

Gleichzeitig streifen Manager erfolgsunabhängig zig Millionen Euro ein; vermelden Firmen wie BMW Rekordabsätze und Rekordgewinne, um gleich darauf die Streichung tausender Stellen bekanntzugeben. Für die Verantwortlichen hat das null Konsequenzen. Die Gesellschaft muss die "freigesetzten" Leiharbeiter dann auffangen, bankrotte Banken mit Staatsgarantien sanieren und Langzeitarbeitslose reintegrieren.

Nicht nur Europas Linksparteien beklagen diese Zustände. Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wetterte vor kurzem gegen unanständig hohe Managergagen, und der luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker drohte jüngst in der Euro-Gruppe mit einer Gesetzesinitiative gegen überhöhte Managergehälter. Offenbar sind es längst nicht nur die Armen, die sich durch die Gerechtigkeitslücke zunehmend verhöhnt fühlen. (Petra Stuiber/DER STANDARD-Printausgabe, 24./25./26.12.2007)

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Erwin Wolfram
26.12.2007 18:48

verhoehnt waer nicht das richtige wort...

ich glaub naemlich nicht, dass eine kuerzere lebenserwartung aufgrund politischer nichterfuellung nicht beweisbar und einklagbar ist, allerdings nicht durch eine statistik, deren hauptaufgabe darin liegt politikergehaelter zu maximieren.

Christoph Ebner
26.12.2007 18:26
Darf ich als jemand, der weder arm noch reich ist, fragen, ob diese Form der Argumentation, und die Qualität dieser Argumentation geeignet ist, die Sache zu verbessern?


Der erfolgsUNabhängige Gehalt der Manager steigt ständig (lt. Artikel)?
Ja?
Gibts da irgend eine Statistik, dass ausgerechnet die variablen Gehaltsbestandteile sinken?
Oder schreibt die Autorin das halt, weil "eh alle Chefs so oarg san"?

Die deutsche Automobilindustrie baut Stellen ab, und der Vorstand der Deutschen Bank hat vor xy Jahren eine riesen Abfertigung bekommen.
Gibt es ein österreichisches Unternehmen, das Stellen abbaut, um den Gewinn zu steigern?
Welches genau?

Welcher österreichische Manager hat mal eine 8stellige Abfertigung bekommen?
Wurscht, weil eh alle Konzerne verbrecher sind?

Unten gibts noch 180 Postings, die großteils nur noch Slogans ohne Inhalt sind.
Kommen wir so wirklich weiter?

Otto Ottinger 
26.12.2007 10:41
Schuld ist wieder der menschenverachtende Neoliberalismus!

Das gerechtistische Manifest
1. Schluss mit jeder Ungerechtigkeit!
2. Nur gerechtes Eigentum schützen, jedes ungerechte Eigentum sofort enteignen!
3. Arbeitsplätze für alle Gerechten, Strafarbeit für alle Ungerechten!
4. Die soziale Pflicht zum sozial sein in die Verfassung! Streichung aller ungerechten Paragraphen!
5. Gerechte Fabriken subventionieren, ungerechte Fabriken verstaatlichen!
6. Alle ungerechten Aspekte des Kapitalismus (z.B. Profite) abschaffen! Nur die gerechten (z.B. Wohlstand) erlauben!
7. Lebenslänglich für Unsolidarität!
8. Keine ungerechten Kürzungen mehr, Erhöhungaller gerechten Staatsausgaben!
9. Gerechtigkeit als Pflichtfach an der Schule
10. Nie wieder ungerechte Politik

Kampf dem Neoliberalismus!
http://neo.libera

Antun Zonger
25.12.2007 23:21

Tja, was nützt das alles, wenn die Kassen leer sind.

Kann ich mich irgendwie schlecht erinnern, oder war da viel, viel weniger Diskussion, als es um die Pensionskürzung, pardon, -Reform ging?
Kann ich mich irgendwie schlecht erinnern, es war weniger Diskussion, als es um "mehr Privat - weniger Staat" ging, was früher ja einiges an Erträgen für Vater Staat gebracht hat?

Und voriges Jahr, war da weniger Armut?
Oder paßt sowas gerade zur Weihnachtsstimmung?

Die Kassen sind leer. Und gerade die, die sich jetzt darüber aufregen, daß es "neue" Armut gibt, haben wahrscheinlich brav mitargumentiert, um sie zu schaffen.
Mir ging schon anno Vranitzky das G´impfte auf, wenn ich den Aktienonkel vom ORF sah.
Hat sich nicht geändert.

Sidlo
26.12.2007 08:12
Eine Tasche ohne Boden

kann sich ja überhaupt nicht füllen, muß ja selbstverständlich immer gähnend leer sein. Solange Unsummen im unersättlichen Apparat versickern, wird für das tatsächlich Wesentliche nie Geld da sein, viel zu schwach dazu ist nämlich seine Lobby. Solange noch dazu absurd unsinnige Gesetzte die Ökonomie erbarmungslos strangulieren wird auch die Wertschöpfung, die einzig wirkliche Grundlage für eine sinnvolle Güterverteilung, ein Mauerblümchendasein weit entfernt vom hohen Potential fristen. Tu felix Austria, schlafe weiter!

4simo  
26.12.2007 00:51
die kassen sind nicht leer...

Ö gehört zu den 10. reichsten ländern der welt...

das pech für viele ist nur, dass wenige sich einen nachschlüssel besorgt haben, und sich großzügig bedienen, während alle anderen sparen *müssen*

Galileo
25.12.2007 21:43
die kunst der sklavenhaltung ... problemelösungen punkt 41 bis 52

die kunst der sklavenhaltung - wenn brot und spiele nicht mehr reichen (... finanziert werden können weil das wirtschaftswachstum nicht mehr ausreicht die renditeforderungen/zinsforderungen abzudecken) wird wenn nötig ballast abgeworfen ... und um unruhen durch die abgeworfen von vornherein abfangen zu können ein überwachungssystem gegen das eigene volk aufgebaut ... (welch glück "terroristen" helfen diese schritte zu rechtfertigen ---

leute es ist an der zeit wieder mal oliver twist zu lesen ... um einen blick auf das system der systeme zu werfen ... was hätte doch ludwig der 14. nicht alles gegeben hätte er nur unser wunderbares system gehabt ---

good vibration
25.12.2007 20:49
Schön, wenn sich das bis oben hin durchgesprochen hat..

..nur ist inzwischen das Sozialsystem ausgehöhlt bzw. die ehemaligen Staasressourcen von Allgemein nach Reich umverteilt worden.. also ein typischer Heuschreckenzyklus: gefressen wird was da ist, übrig bleibt die Wüste, also eine Kultur-bzw. Intelligenzleistung eines Heuschrecken würdig, mehr kann man nicht verlangen, der Markt regelt alles und: "gehts der Wirschaft gut, gehts allen gut.." stimmt zwar nicht, aber die Konservativen predigen es, viele galuben es und das ist doch das Wichtigste

*-*
25.12.2007 19:06
solange der Wert eines Unternehmens nur an der Höhe des Aktienkurses gemessen wird,

solange werden die Manager dieses Kurs hochtreiben, oftmals egal wie sich dies auf die Firma in Zukunft auswirkt

Hans Albern1
25.12.2007 17:56
Unerträgliches

Wer nach den wahren Gründen forscht wird Schlimmes finden und dies wird der Zensur nicht standhalten.

Aber so viel sei gesagt: der freie Waren- und Personenverkehr nützt bis jetzt nur den Reichen.

flotter denker
25.12.2007 19:47
Irrtum, er nützt allen, die etwas marktfähiges und konkurrenzfähiges anzubieten haben.

Oder bereit sind, sich so etwas, z.B. eine gute Ausbildung, anzueignen.

vitus 
25.12.2007 20:49
so ein Schmarrn

solange der Zugang Bildung vom wirtschaftlichen Status der Eltern abhängt, können jene die "arm geboren" wurden eben nicht - sich eine entsprechende Bildung aneignen
und "was konkurrenzfähiges" anbieten ??
nicht nur Qualität entscheidet, sondern zuvor "Startkapital" - wer hat der hat!

Zenith1
26.12.2007 10:25
Auch wenn es noch hundertemale wiederholt wird

es stimmt einfach nicht, daß es vom Status der Eltern abhängt ob man höhere Bildung erlangt und dadurch bessere Chancen im Leben. Es ist eine Beleidigung und Respektlosigkeit jenen Tausenden gegenüber, die trotz fehlender elterlicher Unterstützung z.B. die Matura im zweiten Bildungsweg nachgemacht und dann studiert haben. In meiner eigener Maturaklasse sind von 16 Absolventen 3 Juristen, 4 Wirtschafter, 1 Arzt, 3 Lehrer, 1 Offizier geworden, oder haben mit der Matura bessere Stelluingen in Ihren Betrieben bekommen. Keiner von uns möchte diese Jahre missen, denn wir haben die großteils aus eigener Kraft geschafft.

flotter denker
25.12.2007 21:09
Wer nicht hat, der muss sich eben mehr anstrengen.

4simo  
26.12.2007 00:58
diese simplifizierung ist nur für die eigene bauchpinselei gut

und dazu auf andere zeigen zu können, und sich noch eine runde besser zu fühlen.....
die qualität der leistung erklärt nur tw die unterschiedliche bezahlung... ein gutteil wird durch das soziale netzwerk, durch kontakte, und durch kapital bewirkt!

flotter denker
26.12.2007 06:58
Das ist richtig

Darum ist es umso wichtiger beständig an seinen sozialen Kontakten (und damit dem Netzwerk) zu arbeiten und Kapital aufzubauen (durch sparen und investieren).
Auch das ist ein Teil der zusätzlichen Anstrengung, die diejenigen für den Aufstieg brauchen, die nicht haben.
Was ich sagen will ist: Wer nicht hat, der hat natürlich einen Startnachteil. Er/Sie kann es aber trotzdem schaffen.

4simo  
26.12.2007 18:10
für einen teil der mittelschicht mag das hinkommen

für den teil der untersten schicht sicher nicht....
1/3 der unter der armutsgrenze lebenden Öer sind alleinerzieher, ein weiteres drittel großfamilien, deren kinder bekommen vom anfang an weniger chance auf eine schulisch entsprechende ausbildung...., und werden so schnell wie möglich in die lehre geschickt... und bei kleinarbeiten und unterbezahlten jobs ist weder die finanzielle noch der zeitliche spanne ausreichend um noch zeit zum *weiterbilden*, soziales netzwerken und co zu finden...
für die leut, die in der nähe der schwelle leben, mag der anspruch stimmen, für viele ist es glatter hohn und fern der realität.

Valentina Stein
25.12.2007 17:53
ÖKONOMISCH gesehen

werden hier die Falschen angeprangert.
In Wahrheit gehts so: Ein mittelständischer Gutverdiener folgt dem Rat seiner Bank und investiert in Aktien, natürlich nur in blue chips, zB BMW, gierend nach Wertsteigerung und Dividende, was Profitsteigerung und das wiederum Kostenminimierung (heißt im System: Entlassung und Ausbeutung des "Human Capitals) bedingt, wofür es Leute (Topmanager) braucht, die bereit sind ihre Seele zu verkaufen.
Und eines Tages kostet dieser shareholder value Teufelskreis dann den Herren Aktionären ihre eigenen Jobs. Und sie schimpfen auf die bösen Manager. Anstatt ihre eigene Verantwortung zu erkennen.

ai1
25.12.2007 22:10
auch von ihnen werden die falschen angeprangert

dem mittelständischen gutverdiener bleibt keine andere wahl. die sozialen systeme werden immer mehr ausgehöhlt, die vorsorge durch aktienanlage wird von den politikern propagiert.

Valentina Stein
26.12.2007 15:48
>die vorsorge durch aktienanlage wird von den politikern propagiert.

Ah so, na ja dann, weil, wenns von Politikerinnen propagiert wird, dann müssens ja, ist genauso, als wenn man ihnen eine Pi*tole ansetzt, gell?!!!!

Und: Na no na, wird von den Vasallen des Untergangssystems zu Börsespiele animiert! Die wollen ja an der Macht bleiben.

4simo  
26.12.2007 18:14
der mitelstand verdient schon lange nicht mehr gut....

und nein, ich habe keine aktien!

Rudolf Schwarz
25.12.2007 13:27
Alles löst die Marktwirtschaft ...

... oder doch nicht? Das kann man sich auch fragen, wenn man einem freien Wirtschaftsystem grundsätzlich ganz positiv gegenübersteht ...

Eine gerechte Verteilung, die durchaus auch* an der Leistung jeder/jedes Einzelnen orientiert sein soll, ist den Handelnden in der Wirtschaft aber kein Anliegen. Sie würden sagen, das ist nicht ihre Aufgabe. Das stimmt. Aber wessen Aufgabe ist es dann?

*Wie wäre es mit einem Blick auf das soziale Gefüge? Soll uns sozialer Friede etwas wert sein?

Galileo
25.12.2007 21:52
was ist eine freie marktwirtschaft?

freie marktwirtschaft
freie marktwirtschaft plus zwang durch planung ist
kommunismus
frei marktwirtschaft plus wachstumszwang durch zins und renditeanspäche ist
kapitalismus
frei ist die markwirtschaft nur dann wenn sie weder von dem einen noch dem anderen unter zwang gesetzt wird ....


flotter denker
25.12.2007 19:48
Ja, sozialer Friede soll uns etwas wert sein.

Allerdings denke ich, es ginge auch um die halbe derzeitige Staatsquote.

4simo  
26.12.2007 18:18
wer profitiert?

wer kostet uns geld?
die ienfachen kleinen beamten, dei was hackeln, und in der kndenbetreuung sind, sind nicht so das problem... wie so oft sind es auch hier die bestverdiener mit ihren mehrfachjobs, die sie gar nicht ausfüllen müssen, aber trotzdem voll bezahlt bekommen!

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