"Wir sind akzeptiert"

21. Februar 2008, 02:45
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Verteidigungsminister Norbert Darabos im derStandard.at- Interview über das Ansehen des heimischen Heeres im Ausland

"Wenn der Pandur (Militärfahrzeug, Anm.) mit der österreichischen Fahne hier im Kosovo fährt, dann applaudieren die Leute", sagt Norbert Darabos im Gespräch mit derStandard.at. Er erzählt über seine gefühlte Akzeptanz bei den Militärs, wie er sich mittlerweile in die Rolle des Verteidigungsministers eingelebt hat und was für ihn die Eigenheiten des österreichischen Heeres sind.

derStandard.at: Sie haben sich im Camp Casablanca nach der Weihnachtsfeier zu den Soldaten an einen Tisch gesetzt. Worüber reden Sie da so mit ihnen?

Norbert Darabos: Über verschiedene Dinge. Ihre Beweggründe ins Ausland zu gehen, wie es ist, ein halbes Jahr nicht raus zu kommen oder über ihre Perspektiven nach dem Auslandseinsatz. Sie erzählen mir dann, dass der Flug nach Hause zu viel kostet (337 Euro, Anm. d. Red.) und ob der Herr Minister da nichts machen kann.

derStandard.at: Und, kann er?

Darabos: Ich werd sehen.

derStandard.at: Wie glauben Sie, nehmen die Soldaten ihren Besuch auf?

Darabos: Sie freuen sich. Ich war im Februar, kurz nach Amtsantritt, auf den Golan-Höhen und hab mir vorher Gedanken gemacht, wie werd ich als ehemaliger Zivildiener wohl aufgenommen? Aber alles, was die Soldaten interessiert, ist: Kümmert er sich um meine Probleme, oder nicht? Daher ist es gerade vor Weihnachten ein wichtiges Signal, zu zeigen, dass man für sie da ist.

derStandard.at: Wenn man die Soldaten fragt, was sie sich am meisten wünschen, sagen sie "Frauen und Privatsphäre". Sie waren selbst nie beim Heer, also auch nicht im Ausland stationiert. Aber wären Sie ein halbes Jahr hier, was würden Sie sich wünschen?

Darabos: Bestimmt auch Privatsphäre. Und natürlich meine Familie. Ich habe aber große Achtung vor unseren Soldaten im Auslandseinsatz. Da sind ja auch eine Menge Familienväter dabei, das ist sicher keine einfache Sache. Zuhause erfordert das manchmal eine Menge Überzeugungsarbeit.

derStandard.at: Der Besuch zu Weihnachten des Verteidigungsministers bei im Ausland stationierten Truppen ist ja eigentlich ein Pflichttermin. Gibt es da auch persönliches Interesse von Ihrer Seite?

Darabos: Ich sehe diese Reisen nicht als Pflichttermin. Ich habe die Funktion des Verteidigungsministers – entgegen vieler Medienberichte – gerne angenommen. Es ist eine interessante Aufgabe und sie macht mir Spaß. Vor allem die starke internationale Facette des Bundesheeres. Der Balkan war bisher klarer Schwerpunkt meiner Auslandstätigkeit. Ich habe das Kosovo, Serbien, Mazedonien und Bosnien besucht. Als Politikwissenschaftler und als Burgenland-Kroate ist da viel persönliches Interesse dabei.

derStandard.at: Fühlen Sie sich mittlerweile von den Militärs angenommen?

Darabos: Ja, ich habe das Gefühl, dass man mich akzeptiert. Ich war auch relativ viel bei der Truppe. Es ist den meisten egal, dass ich Zivildiener war. Wenn die Soldaten merken, dass ich ihre Anliegen ernst nehme und mich darum kümmere, reicht das aus. Man hat immer viele Leute um sich, die einem Arbeit abnehmen (deutet auf seinen Pressesprecher), das ist ein Flaschenhals, der da entsteht. Da ist es dann wichtig, selbst zu den Leuten zu gehen. Karl Stix (ehemaliger burgenländischer Landehauptmann, Anm.) hat mir das beigebracht: Barrieren zu durchbrechen.

derStandard.at: Was sehen Sie als eine Eigenheit des österreichischen Militärs an?

Darabos: Unser Heer bildet eine Mischung aus Professionalität und Menschlichkeit. Wir beherrschen das militärische Handwerk, aber legen auch viel Wert auf das menschliche Miteinander, gehen auf andere zu. Wenn der Pandur (Militärfahrzeug, Anm.) mit der österreichischen Fahne drauf hier im Kosovo fährt, dann applaudieren die Leute. Wir sind akzeptiert. Als neutraler Staat haben wir uns nie fix auf eine Seite gestellt, sondern immer geholfen, wo es nötig war.

derStandard.at: Bei dem Besuch im Kosovo wurde einstimmig erklärt, die Lage sei "ruhig, aber nicht stabil". Mit welchem Gefühl fahren Sie jetzt nach Hause?

Darabos: Was die österreichischen Truppen betrifft, mit einem guten. Unsere Soldaten sind bestens ausgebildet, selbst wenn die Lage brenzliger wird, werden sie damit gut umgehen können. Zur Lösung der Statusfrage habe ich gemischte Gefühle. Die Ausrufung der Unabhängigkeit sollte koordiniert erfolgen. Die Europäische Union muss sich über ihre Haltung klar werden und geschlossen auftreten.

derStandard.at: Noch zwei Fragen zum Tschad-Einsatz: Wenn die fehlenden zehn Hubschrauber von der EU nicht aufgetrieben werden, was wird dann passieren?

Darabos: Diese Bewertung muss der Kommandant der EUFOR treffen, der in meinen Augen sehr verantwortungsvoll handelt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mission an zehn Hubschraubern scheitert. Das wäre eine Blamage für die EU. Wir sind der UNO und vor allem den Flüchtlingen und Hilfsorganisationen im Wort, die dringend unsere Hilfe brauchen.

derStandard.at: Besteht die Möglichkeit, dass Österreich noch mehr Soldaten schickt?

Darabos: Nein. Wir entsenden 160 Soldaten plus der fünfzig, die am Anfang beim Aufbau mithelfen werden. Mehr können wir nicht stellen, wir sind damit militärisch ausgereizt. (saj, derStandard.at, 22.12.2007)

  • Darabos nach der Weihnachtsfeier im Camp Casablanca (Kosovo) im Gespräch mit Soldaten.
    foto: bundesheer

    Darabos nach der Weihnachtsfeier im Camp Casablanca (Kosovo) im Gespräch mit Soldaten.

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