Socken von der Online-Oma

1. Jänner 2008, 18:12
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Ein bestrickendes Konzept: Seniorinnen fertigen Wollsocken nach Wunsch, die über einen Online-Shop vertrieben werden

Für viele waren sie als Kinder ein Graus: selbstgestrickte Socken von der Oma, am schlimmsten, wenn sie als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum lagen. Mit dem Älterwerden ändern sich die Moden, handgestrickte Wollsocken (aus nicht kratzenden Garnen), zwei links, zwei rechts, wärmen angenehm, sind individuell und vermitteln Heimeligkeit. Doch, woher nehmen, wenn es keine Oma (mehr) gibt, die die Nadel fleißig klappern lässt?

Wollsocken

Mit dieser (sehnsüchtigen) Frage befassten sich auch Manuel Rieder und Caesar von Däniken, Gründer des Schweizer Modelabels Tarzan, und begeisterte Träger von Wollsocken, Omalos. Die Sehnsucht nach handgefertigten Wolldingern war so groß, dass sich eine bestrickende Geschäftsidee daraus entwickelte: Wie wäre es, wenn wir Menschen mit Freude an warmen Socken über den zeitgemäßen Weg des Internets mit strickenden Omas zusammenbrächten?

Handgestricktes für die Füße samt dazugehöriger Großmutter

Bei Streifzügen über Weihnachts- und Bauernmärkte entdeckten sie, was sie zuerst dafür benötigten: Handgestricktes für die Füße samt dazugehöriger Großmutter. "Anfangs herrschte bei den Grosis (Schwyzerdeutsch für Großmütter, Anm.) Skepsis, als sie von unserer Idee hörten, die Socken über das Internet anbieten zu wollen, da viele damit nichts anfangen konnten", erinnert sich Rieder. Doch die Vorstellung, sich mit ihrem Hobby ein wenig die Rente aufbessern zu können, lockte viele der rüstigen Damen aus der Reserve.

"Netgranny"

Seit im Vorjahr zu Weihnachten das "Netgranny" getaufte Projekt startete, haben Annelies, Nelly und 23 andere Mitstrickerinnen mehr als 1000 Socken auf Bestellung gefertigt. Einer der Clous des Angebots ist es, dass im Online-Shop die Kunden nicht nur die Größe und Farbe, sondern auch die "Granny" ihrer Wünsche auswählen können, die die Socken - "aus Schweizer Qualitätswolle" - dann strickt. Zwei bis drei Wochen nach der Bestellung erhalten die Kunden in der Regel ihr für sie "persönlich" gefertigtes Paar per Post zugesandt. Empfehlenswert ist es allerdings, bei "seiner" Oma mit einem Klick vorbeizuschauen, um zu erfahren, wie viele Werke bereits in Arbeit sind, die die Lieferzeit verlängern können.

Rieders Modeladen in der Nähe des Basler Bahnhofs fungiert dabei als Logistikzentrum: "Wir haben uns auf 25 Netgrannys beschränkt, da mehr einfach nicht zu schaffen ist." Die Socken oder Armstulpen mit Daumen kommen im Schnitt auf 44 Schweizer Franken (27,50 Euro). "Wir verdienen keinen Rappen daran", versichert Rieder.

Das Gros des Gestrickten wärmt überwiegend Schweizer Füße, Bestellungen gibt es aufgrund von Medienberichten jedoch auch regelmäßig aus Israel, Australien und England, berichtet Rieder. Weihnachten ist naturgemäß Hochsaison. Dafür lassen die Grannys im Sommer die Nadel ruhen, "denn da gehen Socken nicht so leicht von der Hand", weiß Rieder.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 22.12.2007)

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