Yamaha spielt seit Freitag auf Bösendorfer

15. Jänner 2008, 13:22
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Japanischer Mischkonzern will verlustreiche Klavierbauer binnen drei Jahren in die schwarzen Zahlen bringen

Wien – Die Wiener Klaviermanufaktur Bösendorfer soll in spätestens drei Jahren schwarze Zahlen schreiben. Das erklärten Vertreter des neuen Eigentümers Yamaha am Freitag in einer Pressekonferenz. Erreicht werden soll dies durch verstärkte Vertriebsmaßnahmen über das weltweit starke Yamaha-Netz.

Dieses Ziel ist ehrgeizig, denn Bösendorfer schreibt seit Jahren Verluste, im Vorjahr zwei Millionen Euro. Verkauft wurden 2007 so wenig Flügel wie seit mehr als zehn Jahren nicht: Insgesamt 314 Flügel, davon laut Insidern allerdings nur 298 neue, der Rest sei Handelsware gewesen.

Die Yamaha-Manager bekräftigten ihre abgegebene Garantie, Wien als Produktionsstandort zu erhalten. Bösendorfer soll ein eigenständiges Unternehmen bleiben, versicherte der für die Klavier-Division zuständige Yamaha-Manager Hitoshi Fukutome. Er kündigte eine Zwei-Marken-Strategie an. Die Zahl der Bösendorfer-Mitarbeiter – derzeit 183 – soll angesichts der geplanten Expansion eher steigen als sinken. Bösendorfer sei als "Symbol für Wien" weltweit sehr geschätzt.

Akustische Klaviere sollen jedenfalls weiter in Wien hergestellt werden, erklärte der für die gesamte Yamaha-Musiksparte verantwortliche Hiroo Okabe. Über die anderen Produkte – der "Computerflügel" Ceus und Design-Lautsprecher – sei noch keine Entscheidung getroffen worden.

"Eine Menge Geld und Zeit"

"Eine Bank ist kein guter Eigentümer für eine Klavierfabrik", stellte der scheidende Bawag-General, Ewald Nowotny, einmal mehr fest. Die Bank habe von 2001 bis heute "eine Menge Geld und Zeit" in Bösendorfer investiert. Präzisieren wollte der Bawag-Chef die Investitionen und Liquiditätsspritzen nicht. 2002 hat die Bawag Bösendorfer um rund 20 Mio. Euro vom US-Mischonzern Kimball erworben.

Nowotny nannte drei Gründe für den Zuschlag an Yamaha: "Substanzielle Finanzkraft" könne Bösendorfer neue Impulse geben. Yamaha hätte lange Erfahrung im Klavierbau und ein internationales Vertriebsnetzwerk.

Die zum US-Hedgefonds Cerberus gehörende Ex-Gewerkschaftsbank muss wegen milliardenschwerer Spekulationsverluste ihre Töchter, darunter auch Bösendorfer, verkaufen. Der Kaufpreis beträgt laut japanischen Medien 14,7 Mio. Euro (davon acht Mio. Euro Schulden), wurde von Nowotny aber nicht bestätigt. (APA, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.12.2007)

  • Bawag-General Nowotny übergab Bösendorfer an die Yamaha-Manager Hiroo Okabe und Hitoshi Fukutome (li.).
    foto: standard/hendrich

    Bawag-General Nowotny übergab Bösendorfer an die Yamaha-Manager Hiroo Okabe und Hitoshi Fukutome (li.).

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