Mit nichts wird lieber gefeiert, als mit Schaumweinen. Und Winzersekt, der in den letzten Jahren in vielen österreichischen Betrieben zu finden ist
- der konnte sich dabei als gute (und preisgünstigere) Alternative zu Champagner etablieren.
******Wie der französische Edelsprudel, der ja nur dann als Champagner bezeichnet werden darf, wenn er aus dem nordfranzösischen Anbaugebiet Champagne kommt, wird auch Winzersekt oft nach der hochwertigen "traditionellen Methode" hergestellt: Das bedeutet, dass die zweite Gärung, durch die auch die Bläschen in die Flüssigkeit kommen, in der Flasche durch die Beigabe eines Hefe-Zucker-Gemisches ausgelöst wird, und die perlende Kohlensäure nicht im Tank ins Getränk "eingeblasen" wird: Effekt ist eine Perlage, die langsamer aus der Flüssigkeit entweicht und einen feineren Geschmack ergibt. Am Ende der Reifezeit auf der Flasche (für Normal-Champagner mindestens 15 Monate beträgt, für Jahrgangs-Champagner mindestens drei Jahre) wird das entstandene Hefedepot durch "Rütteln" in den Flaschenhals befördert, entfernt und mit der "Dosage" aufgefüllt (Degorgieren), mit der auch der Süßegrad eingestellt wird: brut nature am Etikett bedeutet bis 3 g/l Restzucker, extra brut bis 6, brut (am häufigsten zu finden) bis 15, extra trocken 12 bis 20, trocken 17 bis 35, halbtrocken 33 bis 50, süß 50 und mehr. Kohlensäure in Schaumweinen dämpft übrigens die Geschmacksempfindung von Süße, daher ist schlichtes Probieren in jedem Fall empfehlenswert, bevor man sich in Vorurteilen über Süßegrade verliert.
Ausgangsprodukt für Schaumweine jeglicher Provenienz sind immer säurebetonte, fruchtig Weine, die nicht allzu hoch im Alkohol sind: Klassische Schaumwein-Rebsorten sind Chardonnay und die rote Sorte Pinot Noir. Für Champagner kann auch noch Pinot Meunier verwendet werden, ebenfalls rot und in Österreich nicht üblich. Für den heimischen Winzersekt werden alle Sorten der Burgunderfamilie (Weiß-, Grau- und vor allem Blauburgunder) genommen, außerdem auch gerne Grüner Veltliner, Welschriesling oder die "Aromatiker" Gelber Muskateller, Sauvignon Blanc oder Traminer. Cuvées dieser Sorten sind ebenfalls möglich. Immer öfter anzutreffen ist auch Rosé-Sekt aus Blaufränkisch. Beliebt und auch sehr geeignet wegen der geschmacklichen Grundeigenschaften (säuerlich, rote Früchte) ist auch Schilcher-Sekt aus der Sorte Blauer Wildbacher.
Die Familie Steininger aus Langenlois hat sich auf die Herstellung von hochwertigen Rebsorten-Schaumwein spezialisiert: Grüner Veltliner, Riesling, Sauvignon Blanc, Muskateller und Traminer. Alle Sekte, die reinsortig und mit Jahrgang verarbeitet werden, entstehen am Weingut nach der "traditionellen Methode" verarbeitet und bringen die jeweilige Typizität der Sorte sehr ausdrucksvoll ins Glas. Ein Highlight der derzeitigen Serie ist der Burgundersekt 2005 aus Chardonnay, Weißburgunder und Pinot Noir, der fruchtig-rund und extrem ausgewogen schmeckt.
Ein Klassiker unter den Jahrgangs-Winzersekten ist Bründlmayer brut, dessen erste Version "Jahrgang 1989" 1992 auf den Markt kam. Willi Bründlmayers Frau Edwige ist Französin und liebt Champagner, weshalb er die Idee hatte, ein gleichwertiges Produkt herzustellen. Bründlmayer Brut entsteht nicht jedes Jahr, derzeit am Markt ist der Jahrgang 2004, ein besonders cremiger, sehr frischer und ausgewogener Schaumwein mit feiner Perlage. Die genaue Cuvée-Zusammensetzung ändert sich je nach Jahrgang. Bei 2004 findet man vor allem Chardonnay und Pinot Noir. Dazu kommen kleine Anteile von Grauburgunder, Weißburgunder und Grünem Veltliner. Der Grundwein, dessen Trauben von besonders kalkreichen Böden stammen, wird in großen Holzfässern gelagert. Nach der zweiten Gärung lagern die Flaschen noch 18 bis 24 Monate, bevor sie (per Hand) gerüttelt und degorgiert werden.
Seit heuer gibt es auch eine Rosé-Variante "Rosé brut" aus Zweigelt, Pinot Noir und Sankt Laurent. Derzeit ist eine trockene Version als „Weihnachtscuvée“ exklusiv bei Wein & Co zu haben, ein eleganter Wein mit feinem Aroma nach roten Früchten, dessen dezenter Restzucker die Knackigkeit der "Brut"-Version leicht abrundet und den Sekt äußerst süffig macht, allerdings alles andere als "süßlich" schmeckbar ist.
Einen sehr lebendigen Grünen Veltliner Sekt, der sehr ausgewogen und fruchtbetont nach Birnen und Zitrusfrüchte schmeckt, brachte das Weingut Riegelhofer aus Poysdorf auf den Markt. Hergestellt wurde der Schaumwein ebenfalls nach der traditionellen Flaschgärung mit neun Monaten Hefelager. Susanne Bernatz und Max Riegelhofer, die beide in Geisenheim studierten, haben den Betrieb seit der Übernahme im Jahr 2000 umgestellt und konnten sich seither als Qualitätswein-Erzeuger und Flaschenfüller einen guten Namen machen. Der Betrieb befindet sich sozusagen im Herzen des Sekt-Country, ist doch die Poysdorfer Gegend jenes Gebiet, aus dem die meisten Sektgrundweine stammen. (Luzia Schrampf)