Nach Kindstötung: Sex mit schwangeren Prostituierten - Verbot gefordert

  • Der "Club Pascha" in Salzburger Stadtteil Parsch: Eine 18-Jährige soll am Wochenende ihr Neugeborenes aus einem der Fenster geworfen haben. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar, die Frau wird psychotherapeutisch betreut.
    foto: apa/ franz neumayr

    Der "Club Pascha" in Salzburger Stadtteil Parsch: Eine 18-Jährige soll am Wochenende ihr Neugeborenes aus einem der Fenster geworfen haben. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar, die Frau wird psychotherapeutisch betreut.

Amtsarzt wusste von der Schwangerschaft der 18-Jährigen, hatte aber keine Handhabe - Bordellbetreiber wollen nichts geahnt haben

Details im Fall der Mutter, die ihr Baby aus dem Fenster warf: Der Amtsarzt wusste von der Schwangerschaft der 18-Jährigen, hatte aber keine Handhabe. Die Bordellbetreiber wollen nichts geahnt haben. Salzburgs VP will ein Verbot für Prostitution in der Schwangerschaft - Von Markus Peherstofer

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Salzburg - Jene 18-jährige Prostituierte, die in der Nacht von Freitag auf Samstag ihr Neugeborenes aus dem Fenster eines Bordells in der Stadt Salzburg geworfen haben soll, war dort seit sieben Monaten legal beschäftigt. Seit September wusste der Amtsarzt von ihrer Schwangerschaft. Das geht aus den Angaben des ressortzuständigen Bürgermeister-Stellvertreters Harald Preuner (ÖVP) hervor.

Die Rumänin sei zum ersten Mal am 30. April 2007 zum Gesundheitsamt gekommen. Damals müsste sie bereits schwanger gewesen sein. Sie war zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt und wollte als Prostituierte arbeiten. Weil sie eine genitale Infektion hatte, wurde sie zum Frauenarzt geschickt. Die Behandlung verlief erfolgreich, am 15. Mai bekam sie das für alle Prostituierten vorgeschriebene "Gesundheitsbuch".

Keine rechtliche Grundlage

Die wöchentlich vorgesehenen Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten und HIV hielt die 18-Jährige laut Preuner regelmäßig ein; Bei einer Untersuchung im September stellte der Amtsarzt die Schwangerschaft fest. Er habe die Frau ermahnt, die Prostitution aufzugeben, um Gesundheitsgefahren zu vermeiden. Das Problem: Eine rechtliche Grundlage gibt es dafür nicht. Schwangeren kann die Prostitution nicht verboten werden. Im "Gesundheitsbuch" werden Schwangerschaften nicht eingetragen; auch die Betreiber des "Club Pascha" im Stadtteil Parsch, wo die Rumänin arbeitete, hat das Amt nicht informiert. Zuletzt kam die Frau am 10. Dezember zur Untersuchung. Wieder habe der Amtsarzt "eindringlich appelliert", aus dem Geschäft auszusteigen - ohne Erfolg.

Die Salzburger ÖVP fordert jetzt, Sex mit schwangeren Prostituierten zu verbieten. Der Verdacht liege nahe, dass Zuhälter deren Notsituation ausnützten, sagt Preuner: "Offenkundig gibt es einen Markt für schwangere Prostituierte. Angeblich werden hier höhere Preise bezahlt. Es reicht nicht, an die Vernunft der Frauen zu appellieren - wir brauchen ein Verbot."

Nichts gewusst

Die Betreiber des "Club Pascha" wollen von der Schwangerschaft der 18-Jährigen nichts gewusst haben. Für die Geschäftsleitung sei die heimliche Geburt "ein Schock" gewesen, sagt Marketingmanager Bojan Granatirovic im Gespräch mit der APA: "Wir können uns nicht erklären, warum die Frau uns nichts gesagt hat. Das ist absoluter Wahnsinn. Dass sie schwanger war, haben wir nicht gewusst. Sonst hätten wir verhindern können, dass sie aus Angst so einen Akt setzt."

Geburtsschock

Die Rumänin wurde mittlerweile von der Frauenklinik, wo der Fall aufgeflogen war, in die Landesnervenklinik überstellt. Dort wird sie psychotherapeutisch betreut. In welchem Zustand sie sich zum Tatzeitpunkt befunden hatte, ist weiter unklar. Ermittler vermuten einen Geburtsschock. Der 18-Jährigen steht ein Verfahren wegen Tötung eines Kindes bei der Geburt bevor. Ihr drohen damit bis zu fünf Jahre Gefängnis. (Markus Peherstofer/ DER STANDARD Printausgabe 20.12.2007)

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