Wofür Dietmar Pflegerl kämpfte

6. Jänner 2008, 16:53
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Der langjährige Inten­dant des Klagenfurter Stadttheaters erhielt posthum den Kärntner Landeskulturpreis - Die Übergabe geriet zu einer Protestaktion gegen Jörg Haiders Kulturpolitik

Velden - Kurz vor seinem Tod im Mai dieses Jahres hatte sich Dietmar Pflegerl, der langjährige Intendant des Klagenfurter Stadttheaters, einverstanden erklärt, den Kärntner Landeskulturpreis anzunehmen. Die Verleihung sollte aber, bat er, kein affirmativer Akt werden. Und sie wurde auch keiner: Die Witwe, Ellen Pflegerl, entzog Laudator Michael Weger, dem Vorsitzenden des Fachbeirates für darstellende Kunst, am Dienstagabend im Casino Velden das Wort.

Der Konflikt hatte sich schon angekündigt: Der von Ellen Pflegerl gewünschte Redner Bertram K. Steiner, Kulturchef der sozialdemokratischen Kärntner Tageszeitung, war von Landeskulturreferent und -hauptmann Jörg Haider abgelehnt worden.

Noch sehr gut musste ihm die Verleihung des Landeskulturpreises an Cornelius Kolig vor einem Jahr in Erinnerung gewesen sein: Im Vorfeld hatte der von der FPÖ angefeindete Künstler gegenüber der Kleinen Zeitung angekündigt, ein Objekt vorzubereiten, "das die Distanz zwischen dem Preisüberbringer und mir auf den Punkt bringt". Haider schickte daher Superintendent Manfred Sauer vor, die Kolig'sche Maschinenhand zu schütteln.

Dass auch dieser Abend nicht harmonisch über die Bühne gehen würde können, dafür sorgte zudem der Verleger Lojze Wieser samt Mitstreitern. Denn vor drei Jahren hatte man mit orangen Schals gegen Haiders Androhung, Pflegerl die Reserven wegzunehmen, protestiert. Die Schals wurden nun wieder herausgekramt. Und Wieser hielt vor der Verleihung im Foyer eine Rede: "Wir möchten damit ein Zeichen setzen und möchten sagen, dass wir mit der unwürdigen Art, wie mit der Familie verfahren wird, wenn sie einen Laudator haben will, nicht einverstanden sind; dass wir uns die Redefreiheit nicht nehmen lassen; dass wir es sind, die mit unseren Steuergeldern auch diese Veranstaltung finanzieren."

Als dann der von Haider bestellte Laudator Weger - laut Wieser "egozentristisch und pietätlos" - mit dem Satz "Gäbe es nicht mich als Vorsitzenden, gäbe es den Preis für Dietmar Pflegerl nicht" anhob, erklomm die Witwe das Podium und nahm das Mikrofon an sich: "Dieses ganze Prozedere ist so demütigend für mich. Das ist für mich der Beweis dafür, wofür mein Mann 15 Jahre in diesem Land gekämpft hat. Und der Urheber (Haider, Anm.) sitzt hier unten. Es ist eine Lüge, hier mitzuspielen."

"Låndeshauptmånn"

Es folgten heftige Wortgefechte. Schließlich übergab Haider der Witwe und deren Tochter Olivia die Auszeichnung. Während seiner zehnminütige Rede verließen etliche Gäste, darunter Ellen Pflegerl, den orange dominierten Saal. "Ich möchte nicht haben, dass Künstler parteipolitisch instrumentalisiert werden", sagte Haider. Er wertete die Vorgänge als "Versuch, einen Kulturkampf aufkommen zu lassen". Man habe der Erinnerung an Pflegerls Werk "keinen guten Dienst erwiesen".

Steiners vorbereitete Rede wurde im Anschluss verteilt. Sie erschien in der KTZ wie auch in der Kleinen Zeitung. Darin heißt es: "Gestorben muss man sein hierzulande, in Kärnten, damit jene Politiker, die sich zu Lebzeiten eines großen Künstlers ihren Jux daraus machten, ihn zu sekkieren, auch zu diffamieren, zu verhöhnen, demselben posthum ein paar Blumen zu streuen. Das hat Dietmar Pflegerl am heutigen Tag erreicht." Und: "Er hielt sich an das Wort Friedrich Schillers vom Theater als moralischer Anstalt. Eine solche Haltung musste in einem Land, wo allein dem Wort Låndeshauptmånn kultische Verehrung entgegengebracht wird, selbstverständlich als subversiv gelten." (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.12.2007)

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Im Foyer des Casinos Velden: Der Verleger Lojze Wieser, flankiert von Dietmar Pflegerls Tochter Olivia und Ehefrau Ellen, ließ sich die Redefreiheit nicht verbieten.
    foto: maurer

    Im Foyer des Casinos Velden: Der Verleger Lojze Wieser, flankiert von Dietmar Pflegerls Tochter Olivia und Ehefrau Ellen, ließ sich die Redefreiheit nicht verbieten.

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