"Jede Studentengruppe hätte eine bessere Lösung zusammengebracht"

11. Jänner 2008, 16:07
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Ab 1. Jänner 2008 gilt das neue Pflegegesetz für die 24 Stunden Betreuung - Was bedeutet die Umstellung für PflegerInnen und Familien?

"Endlich einmal, nach über einem Jahr Pflegediskussion, hat man ein Kind geboren, das zwar ein schwaches ist, aber zumindest überlebensfähig", sagt Harald Drescher, Obmann des Vereins St. Elisabeth. Er ist froh, dass nach langem hin und her eine Regelung gefunden worden ist, wie die 24-Stunden-Betreuung legal organisiert werden kann.

Dreschner will das neue Gesetz ab 2008 bei seinem Verein anwenden. St. Elisabeth organisiert seit neun Jahren Hausbetreuung von Kranken und SeniorInnen und stellt Krankenschwestern und BetreuerInnen zur Verfügung. Insgesamt werden über 1000 Schwersten vermittelt, die hauptsächlich aus Tschechien und der Slowakei kommen. Ab 1. Jänner 2008, mit In-Kraft-Treten der neuen Bestimmungen für die PflegerInnen, heißen diese dann gewerbliche PersonenbetreuerInnen.

"Bessere Lösung"

Harald Drescher beurteilt die neue Regelung zwar durchaus kritisch, vor allem weil bisher wenige Informationen zu erhalten waren, ist aber zuversichtlich: "Man hat einen Status gefunden: die Gewerbe-Anmeldung als selbstständiger Personenbetreuer. Das ist an sich gut. Es ist von zwei arbeitsrechtlichen Modellen, die es überhaupt gibt, die bessere Lösung. Das Modell der selbstständigen Personenbetreuer funktioniert. Das zweite wären die angestellten Unselbstständigen, das ist aber unfinanzierbar."

"Wahnsinnige Aufgabe"

Was nun auf Drescher zukommt, ist eine "wahnsinnige Aufgabe", nämlich die Anmeldung seiner rund 1000 "Schwestern". "Wir machen mit jeder Familie einen Termin aus, besuchen jede Familie, bringen das fertige Anmeldeformular mit, und haben auch für die Familie die entsprechende Förderungserklärung mit, und den Werkvertrag", erklärt er die Vorgehensweisen. Das Gespräch dauert in etwa zwei Stunden, berichtet Drescher weiter, alle Informationen würden weitergegeben.

350 Euro mehr

Mit der neuen Regelung kommen auf die betroffenen Familien auch zusätzliche Kosten zu. "Maximal wird es 350 Euro pro Monat für zwei Pflegerinnen, die sich 14-tägig abwechseln, ausmachen", sagt Drescher. Neben dem Versicherungspaket - Unfall-, Kranken-, und Pensionsversicherung - seien darin Kammerumlagen und Abwicklungsgebühren enthalten.

Es gebe aber Förderungen, die zwar noch umstritten sind, aber bei rund 225 Euro anzusiedeln sein werden. "Das ist eine Ausgangsbasis, auf der man aufbauen kann."

"Riesengroßer Andrang"

Hat die neue gesetzliche Regelung die Nachfrage nach legalen PflegerInnen des Vereins St. Elisabeth eigentlich erhöht? "Ja", beteuert Drescher, der Andrang sei "riesengroß". Doch im Moment würden keine neuen Familien betreut. Damit will man bis nach Weihnachten warten. PflegerInnen gebe es zwar genug, die nach Österreich kommen wolle, um zu arbeiten, aber Drescher ist derzeit noch mit der Anmeldung seiner jetzigen Schwestern beschäftigt. Dies sei langwieriger, als erwartet, weil viele Dokumente erforderlich sind. "Eigentlich wollten wir am 1. Jänner 2008 fertig sein, das wird sich aber nicht ausgehen."

Medienecho

Alles in allem, sagt Drescher, hätte eine "Arbeitsgruppe von engagierten Studenten in einem Monat eine bessere Lösung zusammengebracht" als die Regierung. Er ist trotzdem bemüht, die Regelungen einzuhalten. Vermutlich weil er kein ähnlich großes Medienecho haben will, wie im Wahlkampf vor den Nationalratswahlen 2006, als aufgedeckt wurde, dass die zwei BetreuerInnen, die Wolfgang Schüssels Schwiegermutter pflegten, aus dem Verein St. Elisabeth waren. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 19.11.2007)

Hintergrund: Der Verein St. Elisabeth stellte vor In-Kraft-Treten der neuen Pflegeregelung ehrenamtlich tätige Pflegekräfte zur Verfügung. Es wurde "vorgeschlagen", ihnen ein Taschengeld in Höhe von 44 bis 58 Euro für 24 Stunden Dienst pro Tag zu geben.

Der Verein wollte "Pflege leistbar machen". Dazu stellte man ehrenamtlich tätige Pflegekräfte zur Verfügung - konkret vermittelte man Pflegerinnen aus den östlichen Nachbarländern, die in Österreich keine Beschäftigungsbewilligung haben. Man agierte also im "Graubereich" der illegalen Pflegekräfte, wie auch Vereins-Obmann Harald Drescher in verschiedenen Zeitungsinterviews zugab.

  • "Maximal wird die neue Regelung 350 Euro pro Monat für zwei Pflegerinnen, die sich 14-tägig abwechseln, ausmachen", sagt Drescher.
    foto: standard/corn

    "Maximal wird die neue Regelung 350 Euro pro Monat für zwei Pflegerinnen, die sich 14-tägig abwechseln, ausmachen", sagt Drescher.

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