Niederlande setzen auf Open-Source-Software

22. April 2008, 14:27
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Regierungsbehörden sollen bis April umstellen - Sparen mit Openoffice - Microsoft besorgt

Die niederländischen Regierungsbehörden sollen bis April 2008 ihre Arbeit auf Open-Source-Software und auch freie Dateiformate umstellen. Danach können sie zwar auch weiter andere Programme und Formate nutzen, müssen dann aber begründen, warum es nicht anders geht, erklärte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Edwin van Scherrenburg.

Pflicht

Viele Regierungen auf der ganzen Welt haben schon ihr Interesse an freier Software bekundet. Einige haben auch schon mit der Einführung offener Standards begonnen, aber nur wenige sind so weit gegangen wie jetzt die Niederlande. Die Anweisung verpflichtet die Regierungsbehörden beispielsweise, bis April die Einführung des Dokumentenstandards ODF (Open Document Format) für Textdokumente vorbereitet zu haben. Für lokale Behörden gilt dies ab 2009. ODF wird zum Beispiel von Openoffice verwendet, der freien Alternative zu Microsoft Office.

Einsparungen von sechs Millionen Euro im Jahr

Auch werden die Behörden angewiesen, wenn möglich immer Open-Source-Programme und Dateien zu benutzen. Van Scherrenburg erklärte, die Regierung rechne allein beim Wohnungsamt durch die Umstellung auf ODF mit Einsparungen von sechs Millionen Euro im Jahr.

ISO

Microsoft hatte sich zuletzt sehr bemüht, für seinen Open-Office-XML-Standard die Zertifizierung als "Open Source" zu bekommen. Die Internationale Organisation für Normung (International Standards Organization - ISO) verweigerte aber zunächst ihre Zustimmung. Die ISO ist auch für die niederländische Regierung die maßgebende Behörde.

Der Sprecher von Microsoft in den Niederlanden, Hans Bos, verwies darauf, dass Word-Dokumente weiter erlaubt seien. Auch erwarte Microsoft, dass Open Office XML schon bald als "Open Source" zertifiziert sei. Andere Aspekte der Regelung der niederländischen Regierung bereiteten Microsoft aber Sorgen. Besonders die Anweisung, freie Software bevorzugt zu nutzen, sei eine starke Einschränkung. Einem Modell so deutlich den Vorzug zu geben, sei für den Software-Markt nicht sinnvoll, sagte Bos.

Kritik

Er kritisierte auch die beschlossene Definition von "Open Source". Sie sei problematisch, weil sie den Einsatz sinnvoller Formate verhindere, die sich inzwischen bewährt hätten, wie zum Beispiel GSM, MP3, Mpeg2, Mpeg4 und Bluetooth, sagte Bos.

Wien

Wirtschaftsminister Frank Heemskerk kündigte bei der Bekanntgabe der Beschlüsse auch die Einrichtung eines Amtes an, dass die Umstellung technisch unterstützen soll. Eine andere Behörde soll die Umsetzung überwachen. Die Stadt Amsterdam testet schon die komplette Umstellung auf Open-Source-Software. So werden alle PCs im Wohnungsamt und in der Bezirksverwaltung Zeeburg auf das freie Betriebssystem Linux umgestellt. Dies haben auch schon etliche andere Städte in Europa getan, darunter Wien und München. (APA/AP)

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