
Hans Dichands Blog-Double: Philipp Drössler.
Nur einen Tag später ist der Spaß schon wieder vorbei: Hans Dichand weiß von seinem Double und kündigt an, es sofort "auszuforschen und zu zwingen, mit dieser - wie ich glaube - einmaligen verbotenen Handlung aufzuhören". Dieses neckt einstweilen mit Kommentaren gegen das Sicherheitspolizeigesetz und virtuellen Reisetagebüchern aus Talinn, Sarajewo und Lissabon: "Ich muss Ihnen sagen, geneigter Leser, diese Tage hier in Lissabon sind wundervoll."
"Wollte nicht warten, bis er mich findet"
Doch Dichands Macht fürchtet auch der Blogger Drössler. Deshalb outet er sich, auch um sicherzugehen, dass ihm das Original nicht zuvorkommt. Der junge Mann mit den kurzgeschorenen Haaren, dem Kapuzensweater und der Skaterhose, der sich Montagvormittag vor einer kleinen Gruppe Journalisten die Hans-Dichand-Maske vom Kopf zieht, ist 25 Jahre alt, lebt in Wien und ist freier Medienkünstler: "Ich wollte nicht warten, bis er mich findet."
Leicht hätte es der betagte Zeitungsherausgeber ohnehin nicht gehabt. Denn Drössler ging äußerst behutsam vor: Der Medieninhaber des Blogs hansdichand.blogspot.com sitzt in Kalifornien. Drösslers Identität auszuforschen hätte erheblichen Rechercheaufwand erfordert. Zudem habe er sich mit Anwälten beraten und "jegliche Beleidigungen vermieden". Die nächsten Tage werden trotzdem spannend für Drössler. Dichand gilt als klagsfreudig.
Vor dem Medienmenschen Hans Dichand habe er "größten Respekt", streut der "Fälscher" - vielleicht auch deshalb - Rosen. "Mit der Machtperson habe er aber Probleme, Dichand habe einen Einfluss, bei dem man aufpassen müsse", sagt Drössler, der sich über die große Medienaufmerksamkeit wundert: "Der Blog hatte gar nicht so viele Zugriffe."
"Für die anderen Österreicher sprechen"
Wozu dann das Ganze? Dichand vertrete drei Millionen Österreicher täglich, meint Drössler. "Ich wollte ein paar Wochen für die anderen fünf Millionen sprechen."
Unterdessen verkommt das Original dank streitbaren Postern wie "Frau Strudl", "Kwaltinger" oder "Koarl" zum österreichischen Nischenkabarett. Will er deren Identität "ausforschen", kann sich Drössler erst einmal zurücklehnen. Zumal Dichand, der im Jänner seinen 87. Geburtstag feiert, inzwischen auch gegen seinen eigenen Blog vorgeht: Einen Beitrag über Lotto mit der Botschaft, Geld allein mache nicht glücklich, ließ der Multimillionär wieder aus dem Netz nehmen - mutmaßlich wegen Unverständlichkeit. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 18.12.2007)
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ich wusste nicht, dass du es bist/warst... wie auch immer.
lass dich nur ja nicht von den kommentaren hier nerven. ja, ich find die aussage mit dem anwalt auch seltsam. aber egal. witzig wars und der hans hats seeeehr ernst genommen anscheinend. :)
also bis vielleicht bald mal!
die einträge bei euch sind immer sehr unterhaltsam. mich wundert es nicht dass wir bei diesem test bezüglich "sinnerfassenden lesen" so schlecht abgeschnitten haben:
bei diesem nicht gerade komplizierten text kommen fragen wie: und um 4 in der früh war der anwalt anwesend? (wo steht das?), wegen so einer aktion ist der gleich künstler (vielleicht hat er als 25-jähriger auch vor dieser aktion ein "leben")
traurig
Ob das nicht ein bisschen anmaßend ist? Und überhaupt: Einerseits Angst vor Dichand andererseits "Identität auszuforschen hätte erheblichen Rechercheaufwand erfordert." Also irgendwie glaube ich fast, hinter der Aktion steht Dichand selbst.
Sie können gerne reden wie im Mittelalter ...
Owê war sint verswunden alliu mîniu jâr!
ist mir mîn leben getroumet, oder ist ez wâr?
daz ich je wânde ez wære, was daz allez iht?
dar nâch hân ich geslâfen und enweiz es niht.
nû bin ich erwachet, und ist mir unbekant
daz mir hie vor was kündic als mîn ander hant.
Ja, aber auch nur vom Standard. Täglich präsentiert derStandard über den falschen Blog eine Geschichte. Ich habe heute nur deshalb den Artikel aufgerufen, weil es mich wundert, wie man IMMER NOCH über die Lapalie eines falschen Blogs berichten kann. Ich musste aber feststellen, dass es eh die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung ist.
Kurz erwähnen hätte völlig gereicht. Aber jeden Tag und sogar Kopf des Tages?
wäh!
nur gut, dass sich in der freundesrunde am woe um 4h früh offenbar auch ein rechtsanwalt befunden hat, der die spontane wenngleich behutsame und beleidigungsfreie neckerei beratend begleiten konnte. und er wundert sich über die "große" medienaufmerksamkeit? ich auch.
wenn unter medienkunst die kunst in die medien zu gekommen zu verstehen ist, dann ist die übung auf jeden fall gelungen...
abgesehen von der zeitverschiebung: besuchen sie mal www.blogger.com, dort können auch sie kostenlos ein blog mit wasauchimmersiewollen.blogspot.com anlegen. und auch da wird dann der medieninhaber aus kalifornien kommen, zumindest wenn man von einem "whois blogspot.com" auf den medieninhaber schliessen will/kann. in dem fall ist der "kalifornische medieninhaber" übrigens seit einiger zeit google...
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