Bundesbahner verdienen künftig um 4,5 Prozent mehr

9. Jänner 2008, 13:37
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Angehoben wurden auch die Einstiegs­gehälter und Lehrlingsent- schädigungen. Wirtschafts­forscher sehen in der Einigung "ein Problem"

Die Bediensteten der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) erhalten für die nächsten eineinhalb Jahre 4,5 Prozent mehr Lohn. Angehoben wurden auch die Einstiegsgehälter und Lehrlingsentschädigungen. Wirtschaftsforscher sehen in der Einigung "ein Problem".

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Wien – Nach acht Verhandlungsrunden haben der ÖBB-Konzernbetriebsrat und die ÖBB-Holding ihre Gehaltsrunde für das Jahr 2008 abgeschlossen. Und so sieht die Einigung aus: Die Bediensteten der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) erhalten für die nächsten eineinhalb Jahre (bis Ende Juni 2009) um 4,5 Prozent mehr Gehalt. Auf eine entsprechende Erhöhung der Ist-Gehälter, Bruttobezüge und mehrerer Zulagen haben sich die Verhandler am Montagnachmittag geeinigt. Zum Vergleich: Die Metaller, deren Einigung in der Regel als Obergrenze gilt, haben für das nächstes Jahr inklusive Einmalzahlung bei rund vier Prozent abgeschlossen.

Relativiert

ÖBB-Chef Martin Huber hat den Lohnabschluss relativiert: Da die Laufzeit für die Einigung eineinhalb Jahre betrage, liege die Lohnerhöhung real nur bei rund drei Prozent – "also auch deutlich unter dem Abschluss der Metaller". Die nächsten Lohnverhandlungen mit einer zu erwartenden Lohnerhöhung verschieben sich durch die Vereinbarung um ein halbes Jahr nach hinten.

Keine Änderungen soll es bei den Aufwandsentschädigungen wie Reisekostenabgeltung oder Kilometergeld geben. Alle Zulagen, die keine Aufwandsentschädigungen darstellen, etwa Erschwerniszulagen oder Leistungsprämien, werden ebenfalls um 4,5 Prozent aufgestockt. Noch stärker werden die ÖBB ihre Einstiegsgehälter anheben – im Durchschnitt kommen hier noch einmal rund 50 Euro dazu, sagte eine Gewerkschaftssprecherin. Jobs wie Lokführer, Verschieber oder Fahrdienstleiter sollen damit für Neueinsteiger attraktiver werden, erklärte Eisenbahnergewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl.

ÖBB-Chef Huber bezeichnete diese Anhebung der Anfangsgehälter als "Durchbruch". Damit sei auch der seitens des Betriebsrats wiederholt gebrachte Vorwurf der Unterzahlung endgültig bereinigt. Bei der laufenden Rekrutierung neuer Mitarbeiter werde man sich künftig leichter tun, hoch qualifizierte Bewerber zu finden, nachdem zuletzt die Suche zunehmend schwieriger geworden war.

Verbesserungen soll es auch für die ÖBB-Lehrlinge geben – bei der Reisekosten-Abgeltung und der Übernahme von Internatskosten. Details sollen im ersten Quartal 2008 geregelt werden.

"Das ist ein Problem"

IHS-Chef Bernhard Felderer sieht in der Lohnerhöhung „wirklich ein Problem, das wird uns zu schaffen machen“. Bei den Beamten haben man das Schlimmste noch verhindern können, bei der Bahn sei dies offenbar nicht gelungen. Felderer verwies darauf, dass sich die Konjunktur verlangsame und die Steuereinnahmen 2008 nicht mehr so fließen werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.12.2007)

  • Zug zu mehr Gehalt: Die ÖBBler bekommen bis Mitte 2009 um 4,5 Prozent mehr auf ihre Lohnkonten.
    foto: standard/andy urban

    Zug zu mehr Gehalt: Die ÖBBler bekommen bis Mitte 2009 um 4,5 Prozent mehr auf ihre Lohnkonten.

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