Wikipedia-Gründer Jimmy Wales reagiert gelassen auf "Googlepedia"

7. Jänner 2008, 10:39
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"Google macht viele coole Sachen. Aber viele von diesen coolen Sachen stellen sich als nicht so großartig heraus."

Google will eine neue Internet-Enzyklopädie starten, die Expertenwissen bündeln soll. An dem Projekt mit dem Namen "knol" (wie knowledge) sollen zunächst nur Personen mitarbeiten, die dazu von Google eingeladen werden. Später ist aber eine freie Mitarbeit nach dem Prinzip der Wikipedia-Enzyklopädie geplant.

"Googlepedia"

Die "Googlepedia", wie das Projekt im Netz gleich genannt wurde, unterscheidet sich von der Wikipedia vor allem dadurch, dass die Autoren von Beiträgen namentlich genannt werden. Google erwägt auch, sie an Einnahmen aus der Werbung zu beteiligen - im Unterschied zur werbefreien Wikipedia soll es bei "knol" auch Anzeigen geben, wenn sich die Autoren der Beiträge dafür entscheiden. Auch die Verantwortung für die Inhalte soll allein bei den Autoren liegen.

"Man könnte dort schrecklich viele Artikel über Viagra finden."

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales reagierte gelassen auf die Ankündigung. "Google macht viele coole Sachen. Aber viele von diesen coolen Sachen stellen sich als nicht so großartig heraus." Wales äußerte die Erwartung, dass es wegen der Werbe-Möglichkeiten bei "knol" entsprechend zahlreiche kommerzielle Artikel geben werde: "Man könnte dort schrecklich viele Artikel über Viagra finden."

Die englische Ausgabe der Wikipedia enthält 2,1 Millionen Artikel, bei der deutschen Ausgabe sind es zurzeit 678.000. Diese reichen einer Erklärung der Relativitätstheorie bis hin zur Kritik amerikanischer Fernsehserien. Bei den Wikipedia-Artikeln wird immer wieder kritisiert, dass einzelne Beiträge von Personen mit bestimmten Interessen verändert werden.

56,1 Millionen Besucher

Gleichwohl gehört die Web-Site mit mehr als 56,1 Millionen Besuchern im Monat allein in den USA zu den zehn meist genutzten Internet-Angeboten. Die verschiedenen Web-Sites von Google, darunter auch das Video-Portal YouTube, hatten im Oktober 131,6 Millionen Besucher in den USA. Diese Zahl der "Visits" ist die entscheidende Währung auf dem Online-Werbemarkt, der von Google dominiert wird.

Suchmaschine

Während Google eine Enzyklopädie startet, bereitet der Wikipedia-Gründer eine eigene Suchmaschine vor. Wales kommerzielles Unternehmen Wikia will dieses Projekt noch in diesem Jahr starten.

Auch eine andere Internet-Enzyklopädie, Citizendium, identifiziert in ihren Texten die Autoren. Allerdings prüfen die Mitarbeiter alle Texte vor der Veröffentlichung auf ihren Wahrheitsgehalt. Google plant ein solches Vorgehen nicht, sondern will stattdessen die Artikel von den Lesern bewerten lassen.(APA/dpa)

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