Vegas in Spodnja Stajerska

24. Jänner 2008, 19:18
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Unmittelbar hinter dem Grenzübergang zwischen Spielfeld und dem slowenischen Sentilj eröffnete am Wochen­ende ein Riesen-Kasino

Sentilj/Wien - Die Zollbeamten am steirischen Grenzübergang Spielfeld versahen ihren letzten Wochenenddienst am vergangenen Samstag mit einer fast resignativen Unaufgeregtheit, die auch mit ihrer immer noch ungeklärten beruflichen Zukunft zu tun haben mag. Gegen Abend erhöhte sich die Frequenz der Autos, die über das südsteirische Weinland hinüber ins slowenische Sentilj in die Untersteiermark (slowenisch: Spodnja Stajerska) fuhren. Denn am Samstag, wenige Tage vor dem Fall der Schengen-Außengrenze, eröffnet hier einen Steinwurf von den Zollhäuschen entfernt ein Riesen-Kasino.

Limo im Grenzland

Den großen Hotels von Las Vegas nachempfunden wirkt das Kasino, in dessen verspiegelter Glastürenfront sich slowenische Einfamilienhäuser auf einem kleinen Hügel spiegeln, ein bisschen monströs. Über eine eigene Autobahnabfahrt rollt man durch eine Allee frisch gepflanzter Bäumchen auf die in Terrassen angelegten Parkplätze. Vor dem Eingang parkt eine leere weiße Stretch-Limousine.

Das Kasino, in das 47 Millionen Euro investiert wurden, hat zwar 24 Stunden am Tag geöffnet, doch am ersten Tag tummeln sich hier vor allem Reinigungskräfte, die den makellosen orange-roten Teppichboden mit Staubsaugern reinigen. Nur an vier bis fünf der 400 Automaten sitzen Frauen und Männer und versuchen unter grellblinkenden Aufschriften wie "Coyote Moon" oder "House of Hearts" ihr Glück. Die 20 Tische werden erst am Nachmittag bespielt, und am Abend werden "The Commodores" ein Konzert geben.

Casino Mond rückt nahe

Die slowenische Hit-Gruppe mit Filialen in Nova Gorica, Kranjska Gora, Bovec, Kobarid, Sarajewo und Budva rückt mit dem mehr als 8000 Quadratmeter großen Glücksspiel-Zentrum "Casino Mond" Österreich nah wie nie zuvor. Damit beschäftigt die Gruppe nun mehr als 3000 Menschen, 235 davon in Sentilj. Das Kasino, das laut Marketingchef Ahac Pinter noch ein Hotel erhalten wird, verfügt auch über zwei Restaurants.

Neben Gästen aus Slowenien und Kroatien schielt man vor allem nach Österreich. Aber auch andere. Bis 2011 erwartet man sich 300.000 Besucher jährlich. Trotzdem gibt man sich diesseits der Grenze bei den Casinos Austria gelassen, obwohl man auch im nahen Graz ein Kasino betreibt. "Natürlich ist das für uns Konkurrenz, aber es wird zugleich Ansporn sein, mehr auf unsere Stärken zu bauen", meint Konzernsprecher Martin Himmelbauer im Gespräch mit dem Standard. Die da wären? "Das Ambiente. Zu uns kommt man, um sich einen schönen Abend zu machen."

Illustre Gäste zur Eröffnung

Einen schönen Abend machte sich der SK Sturm am ersten Abend in Sentilj. Zur Eröffnung gebeten, nahm Sturm-Präsident Hans Rinner samt seinem Team, das gerade ein Unentschieden gegen die Salzburger Bullen hinter sich gebracht hatte, die Einladung gern an. Vom Grazer ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl und seinem Vize Walter Ferk (SPÖ) wurde er dafür gegeißelt. Sie nahmen - ganz Lokalpatrioten und Schengen hin oder her - nicht an den neuen Spieltischen der Nachbarn Platz. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Print-Ausgabe, 17.12.2007)

  • Das jüngste Kind der slowenischen Hit-Gruppe: Glücksspiel-Tempel, der vor allem an den österreichischen Markt andocken soll.
    foto: standard/martin goriup

    Das jüngste Kind der slowenischen Hit-Gruppe: Glücksspiel-Tempel, der vor allem an den österreichischen Markt andocken soll.

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