Siemens Österreich verschreibt sich Innovation

2. Jänner 2008, 10:25
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Das Unternehmen trotzt den schwierigen Rah­menbedingungen mit der Steigerung von Umsatz und Auftragseingang und beschließt das "erfolgreichste Geschäftsjahr"

Siemens Österreich hat hierzulande und in den verantworteten zentral- und osteuropäischen Staaten (CEE) im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 (per Ende September) den Umsatz um 8,2 Prozent auf 7,516 Mrd. Euro gesteigert. Der Auftragseingang stieg um 10,3 Prozent auf 8,966 Mrd. Euro. Der Aufwand für Forschung und Entwicklung erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 14,3 Prozent auf 871,9 Mio. Euro. Das gab Siemens am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz bekannt. Das Unternehmen sprach dabei vom "erfolgreichsten Geschäftsjahr in der Geschichte".

Weitere Veränderungen kommen 2008

"Siemens Österreich hat im letzten Geschäftsjahr wesentliche Veränderungen durchlaufen. Dazu zählt die Integration der PSE in Siemens IT Solutions and Services ebenso wie die Ausgliederung der COM-Bereiche. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen können wir auf ein hervorragendes Wirtschaftsjahr zurückblicken", kommentierte Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer das Ergebnis.

Auch das kommende Jahr bringt Veränderungen für den Konzern. War der Bereich "Innovationen" bisher sehr stark auf den Telekom-Sektor konzentriert, so sollen in Hinkunft in allen Geschäftsbereichen Innovationsprojekte initiiert und realisiert werden. "Die Forschungsausgaben von Siemens CEE sollen mittelfristig auf dem hohen Niveau gehalten werden, also sich in einer Größenordnung von zumindest 750 Millionen Euro bewegen", so Ederer.

Drei Zusatzthemen

In den nächsten fünf Jahren strebt Siemens Österreich zumindest bei drei zusätzlichen Themen Headquarters-Kompetenz in CEE an. Bisher wurden Kompetenzzentren für Biometrie und für die Entwicklung modernster Mautsysteme in Österreich eingerichtet.

Als wesentliche Aufträge des abgelaufenen Geschäftsjahres nannte Ederer die Bestellung von 44 Railjets durch die ÖBB (Auftragsvolumen 540 Mio. Euro), die Modernisierung des Kraftwerks Simmering im Auftrag der Wienstrom (Volumen: 300 Mio. Euro), Wartungsverträge für die Kraftwerke Donaustadt und Timelkam (Auftragswert 43 Mio. Euro), einen Serviceauftrag von ThyssenKrupp in Brasilien (Auftragssumme: 700 Mio. Euro), die Übernahme des rumänischen Industriedienstleisters Frosys und die Modernisierung der öffentlichen Beleuchtung in der Stadt Cluj-Napoca (Klausenburg) in Siebenbürgen (Wert: 12 Mio. Euro).

Siemens Österreich trägt auch die Geschäftsverantwortung für die Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Rumänien und Bulgarien.

Wachstum im Osten

Für das kommende Geschäftsjahr 2007/08 (per Ende September) erwartet das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 5 Prozent für Österreich und den mitbetreuten südosteuropäischen Raum (CEE). Während der Technologiekonzern hierzulande nur mit dem Markt wachsen will, soll in CEE ein Plus über dem doppelten des Bruttoinlandsproduktes (BIP) des jeweiligen Landes erzielt werden. Das Betriebsergebnis (EBIT) werde im kommenden Jahr stagnieren, so die Einschätzung von Ederer.

Im heurigen Geschäftsjahr 2006/07 wurde beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) ein Minus von 30 Prozent auf 193 Mio. Euro verbucht. Gleichzeitig legte der Jahresüberschuss aber um 139 Prozent auf 249 Mio. Euro zu. Siemens-Finanzexperte Arnulf Wolfram begründete dies mit der veränderten Bilanzstruktur durch die Ausgliederung der Festnetzsparte Com. Der Wegfall sei aber durch die Übernahme der VA Tech überkompensiert worden.

Weniger Mitarbeiter

Der Mitarbeiterstand reduzierte sich allerdings in Österreich und CEE um rund 1.000 Personen. Hierzulande wurde ein Minus von 7,8 Prozent auf 7.590 Mitarbeiter verzeichnet. Insgesamt beschäftigt der Konzern 30.254 Mitarbeiter.

Wie sich die Beschäftigtenzahl weiter entwickelt hängt auch von den Umstrukturierungen ab, die die Konzernzentrale in München vorgibt. Teile, die nicht zum eigentlichen Geschäft von Siemens gehören, sollen nach den Plänen von Siemens-Konzernchef Peter Löscher abgestoßen werden. Zuletzt wurde in Österreich über die Zukunft der Siemens Elin Buildings & Infrastructure mit gut 1.000 Mitarbeitern und der Gebäudemanagement-Services mit über 400 Mitarbeiter spekuliert. Außerdem könnte es, entgegen ursprünglichen Plänen, beim Joint Venture Nokia Siemens Networks doch zu einem Personalabbau kommen.

Neuordnung

Ederer meinte heute bei der Jahresbilanz-Pressekonferenz, dass es nicht um Verkäufe, sondern um eine "Neuordnung" gehe. Spätestens im Sommer 2008 soll für die Bereiche, die nicht zum klassischen Geschäft gehören, eine Lösung gefunden werden, so Ederer. Die wichtigsten Siemens-Geschäftspartner sind nach wie vor die ÖBB und die Wiener Linien. Alleine die Bundesbahn sorgte zuletzt für einen Jahresumsatz von 650 Mio. Euro.

Aufgeteilt auf die einzelnen Geschäftsbereiche verzeichnete die Siemens VAI ein Umsatzminus von 8 Prozent, der Bereich Transformers legte hingegen um 36 Prozent zu. Siemens IT (SIS CEE) verzeichnete ein Umsatzplus von 5,5 Prozent, Transportatison-Systems ein Minus von 10 Prozent.

Zu den Vorwürfen, Österreich würde eine wichtige Rolle im Siemens-Schmiergeldskandal spielen, hielt Ederer einmal mehr fest, dass Siemens Österreich nicht betroffen sei. Die Prüfung des ehemaligen COM-Bereichs durch die mit der Aufklärung beauftragte US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton sei bereits abgeschlossen. Dass Österreich die Aufklärung des Bestechungsskandals behindere, wie manche ausländische Medien spekuliert hatten, stellte Ederer in Abrede. Bevor Daten übermittelt würden, müsse aber der Datenschutz und die Auswirkungen aufs Arbeitsrecht geklärt sein. (APA)

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