Ostslowenische Weine sind probierenswert und auch in Österreich zu bekommen
Außerdem sind sowohl Ljubljana wie auch Maribor mit ihren hübschen Stadtzentren, einer lebhaften Beisl-Szene und der ausgeprägten Genusskultur (Slow-Food-Land, bis vor kurzem gab es elf Convivien in einem Land mit etwa zwei Millionen Einwohnern), die eine oder andere Reise wert. Für Experimentierer und Weinfans, die mit Neuem und Ungewöhnlichem Freude haben, hier einige Weine und Weingüter aus dem Osten des Landes, die besonders positiv aufgefallen sind:
Miro Munda, Joint-Venture-Partner der Brüder Polz, bewirtschaftet fünf eigenen Hektar und kauft noch einmal soviel zu. Bisher hat er sich nur mit Weißwein befasst, heuer pflanzte er auch versuchsweise Blaufränkisch, der in etwa drei Jahren in Ertrag kommen wird.. Seine Serie von 2006-er Weinen ist prototypisch für den in Ljutomer-Ormoz gepflegten modernen Weinstil: glasklare, reife Fruchtaromen mit Eleganz und Struktur bei nicht allzukräftigen Alkohol. „Miro Sipon“ 2006 (trocken) ist frisch und elegenat, sozusagen der Protoyp des zeitgemäßen Furmit, wie ihn die Winzer des Club Sipon propagieren: trocken, mit klaren Fruchtaromen nach reifen Birnen, feiner, reifer Säure (unreife Aromen schmecken deutlich aggressiver und grasig-blättriger, „grüner“). Der delikat-dezente Sauvignon Blanc 2006 duftet zurückhaltend nach Jasmin und Hollunderblüten, perfekte Harmonie, feine Aromen bei 11,5 Prozent Alkohol. Der Welschriesling Laski Rizling 2006 schmeckt trotz der der Rebsorte immanten Säuerlichkeit, die in nördlicheren Gefilden auch ganz schön ruppig ausfallen kann, rund und nach reifen, roten Äpfeln.
Pra-Vino ist Süßweinspezialist. Slatko Curin, der Gründer, gilt als Kultfigur im slowenischen Weinbau, da er bereits in Zeiten des „Massendenkens“ Qualität seine eigene Qualitätslinie verfolgte, beispielsweise Eiswein herstellte und damit auch international erfolgreich war. Er ist heute in den Achtzigern, hat sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen. Sein Werk wird von Slavko Prapotnig, seinem Schweigersohn, auf ebenso hohem Niveau weitergeführt. Für Süßweinfans, gibt es einen äußerst ausgewogenen Rheinriesling Rizling 2006 (Izbor = Auslese), der nach getrockneten Marillen und Würze schmeckt, und der mit kräftiger Säure äußerst frisch und ausgewogen ist. Spannend auch der „Jubiläumswein“: Der 2005-er Eiswein (ledeno izbor) aus Welschriesling 2005 wurde genau zwanzig Jahre später im selben Weingarten, aus dem der erste Eiswein stammt den, Slatko Curin 1985 gemacht hat.
Danilo Steyer aus Plitvica ganz im Nordosten hat sich auf Gewürztraminer spezialisiert. Sehr köstlich, sortentypisch, mit eleganter Perlage und äußerst frisch ein per Methode traditionelle (wie Champagner) hergestellter Gewürztraminer brut nature 2002, der zarte Rosenaromen mit deutlicher Würze (Schokolade mit Pfeffer) und eleganter Leichtigkeit verbindet.
Vom Weingut Joannes der Familie Protner in der Region Maribor kommen neben einigen guten trockenen Chardonnays, einen ansprechenden Schaumwein „brut nature“ aus Pinot Noir vor allem höchst empfehlenswerte Rieslinge, die auf Schieferböden wachsen wie z.B. ein mittelkräftiger, sehr geschmeidiger Riesling 2006, dessen Fruchtaromen zwischen Marille und Pfirsich wechseln. Ältere Jahrgänge zeigen teilweise ganz leichte Petrolnoten, die aber sehr gut ins würzige Gesamtbild der Weine passen.
Eine ausgezeichnete Serie präsentierte auch das zum Benediktiner-Stift Admont gehörende Weingut Dveri Pax, das in Ostslowenien über drei Standorte verfügt: Jarenina bei Maribor u.a. mit Riesling (Schieferböden) und Pinot Noir, Jeruzalem (z.B. Traminer, Grauburgunder und Sipon) und bei Gornja Radgona (Versuche mit Blaufränkisch). Die Cuvée „Grad Zelezne Dveri“ 2006 (Übersetzung: Schloss Eisentür) aus Pinot Gris und Sipon aus der Jeruzalemer Gegend ist frisch und spritzig, mit runden Fruchtaromen und perfekter Balance. Das „M“ bei steht für Maribor und gehört zu einem Edel-Riesling 2006 mit eleganten sortentypischen Pfirsicharomen, feiner Mineralität und hervorragender Balance: Der Wein zählt zur Lagenweinserie, stammt aus 25 Jahre alten, kalkreichen Weingärten im Stadtgebiet Maribor und braucht keinen Vergleich mit Weinen aus Riesling-affineren Gegenden zu scheuen. Hervorzuheben ist auch ein bei 13 % Alkohol sehr leichtfüßig wirkender trockener Traminer 2006 aus der Jeruzalemer „Ecke“ mit feinen Rosenaromen und wieder auffallend schöner Balance zwischen floralen Noten, zarter Herbe wie bei Bitterschokolade und Fülle.
Eine weitere beeindruckende Serie, die auch dem vorherrschenden Trend der Stajerska-Region zu trockenen Weinen repräsentiert, kam vom Weingut Gaube aus Stipcnik, das nur einen Steinwurf südlich der österreichisch-slowenischen Grenze beheimatet ist: Grüner Silvaner 2006 besticht mit würzig-vegetalen Noten und herber Eleganz. Die alte Kultursorte, oft als „uninteressant“ abgetan, ist schwierig, weil krankheitsanfällig, und daher am Verschwinden, kann aber bei guter Pflege höchst spannende Weine ergeben wie z.B. der eben genannte oder auch einige deutsche Silvaner aus Franken . Highlight bei Gaube war ein schmalziger, aromatisch dezent an Karamell erinnernder Sivi Pinot (Pinot Gris, Grauburgunder) 2006, der sich auch in punkto Mineralität nicht zurückhält und höchst harmonisch und saftig daherkommt.
Probierenswert, wenn’s einem unterkommt, sind auch die Weine von Valdhuber (Zg. Kungota an der slowenisch-steirischen Grenze nördlich von Maribor) bzw. Krainz (Gegend von Ljutomer). Noch ein paar Worte zum Preisniveau: Die so gerne von den „westlicheren“ Nachbarn gehegte Vorstellung, dass slowenische Weine billig zu sein haben, mit der irrationalen Begründung, dass es ja einmal Balkanstaat und Jugoslawien war, ist bitte zu vergessen. Und gute Weinqualität, hinter der viel Arbeit steckt, hat wie überall in der Welt ihren Preis. Das Preisniveau in Slowenien ist absolut nicht überzogen und entspricht in etwa dem, was man auch in Österreich für Weine dieser Qualität zahlen würde: Und Überraschungen nach unten (aber auch nach oben) sind auch in Slowenien durchaus möglich. (Luzia Schrampf)