Weine vom Nachbarn

Redaktion, 13. Dezember 2007, 12:44
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    foto: slowenische fremdenverkehrszentrale

    Weinberge in der Region Štajerska.

Ostslowenische Weine sind probierenswert und auch in Österreich zu bekommen

Außerdem sind sowohl Ljubljana wie auch Maribor mit ihren hübschen Stadtzentren, einer lebhaften Beisl-Szene und der ausgeprägten Genusskultur (Slow-Food-Land, bis vor kurzem gab es elf Convivien in einem Land mit etwa zwei Millionen Einwohnern), die eine oder andere Reise wert. Für Experimentierer und Weinfans, die mit Neuem und Ungewöhnlichem Freude haben, hier einige Weine und Weingüter aus dem Osten des Landes, die besonders positiv aufgefallen sind:

Miro Munda, Joint-Venture-Partner der Brüder Polz, bewirtschaftet fünf eigenen Hektar und kauft noch einmal soviel zu. Bisher hat er sich nur mit Weißwein befasst, heuer pflanzte er auch versuchsweise Blaufränkisch, der in etwa drei Jahren in Ertrag kommen wird.. Seine Serie von 2006-er Weinen ist prototypisch für den in Ljutomer-Ormoz gepflegten modernen Weinstil: glasklare, reife Fruchtaromen mit Eleganz und Struktur bei nicht allzukräftigen Alkohol. „Miro Sipon“ 2006 (trocken) ist frisch und elegenat, sozusagen der Protoyp des zeitgemäßen Furmit, wie ihn die Winzer des Club Sipon propagieren: trocken, mit klaren Fruchtaromen nach reifen Birnen, feiner, reifer Säure (unreife Aromen schmecken deutlich aggressiver und grasig-blättriger, „grüner“). Der delikat-dezente Sauvignon Blanc 2006 duftet zurückhaltend nach Jasmin und Hollunderblüten, perfekte Harmonie, feine Aromen bei 11,5 Prozent Alkohol. Der Welschriesling Laski Rizling 2006 schmeckt trotz der der Rebsorte immanten Säuerlichkeit, die in nördlicheren Gefilden auch ganz schön ruppig ausfallen kann, rund und nach reifen, roten Äpfeln.

Pra-Vino ist Süßweinspezialist. Slatko Curin, der Gründer, gilt als Kultfigur im slowenischen Weinbau, da er bereits in Zeiten des „Massendenkens“ Qualität seine eigene Qualitätslinie verfolgte, beispielsweise Eiswein herstellte und damit auch international erfolgreich war. Er ist heute in den Achtzigern, hat sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen. Sein Werk wird von Slavko Prapotnig, seinem Schweigersohn, auf ebenso hohem Niveau weitergeführt. Für Süßweinfans, gibt es einen äußerst ausgewogenen Rheinriesling Rizling 2006 (Izbor = Auslese), der nach getrockneten Marillen und Würze schmeckt, und der mit kräftiger Säure äußerst frisch und ausgewogen ist. Spannend auch der „Jubiläumswein“: Der 2005-er Eiswein (ledeno izbor) aus Welschriesling 2005 wurde genau zwanzig Jahre später im selben Weingarten, aus dem der erste Eiswein stammt den, Slatko Curin 1985 gemacht hat.

Danilo Steyer aus Plitvica ganz im Nordosten hat sich auf Gewürztraminer spezialisiert. Sehr köstlich, sortentypisch, mit eleganter Perlage und äußerst frisch ein per Methode traditionelle (wie Champagner) hergestellter Gewürztraminer brut nature 2002, der zarte Rosenaromen mit deutlicher Würze (Schokolade mit Pfeffer) und eleganter Leichtigkeit verbindet.

Vom Weingut Joannes der Familie Protner in der Region Maribor kommen neben einigen guten trockenen Chardonnays, einen ansprechenden Schaumwein „brut nature“ aus Pinot Noir vor allem höchst empfehlenswerte Rieslinge, die auf Schieferböden wachsen wie z.B. ein mittelkräftiger, sehr geschmeidiger Riesling 2006, dessen Fruchtaromen zwischen Marille und Pfirsich wechseln. Ältere Jahrgänge zeigen teilweise ganz leichte Petrolnoten, die aber sehr gut ins würzige Gesamtbild der Weine passen.

Eine ausgezeichnete Serie präsentierte auch das zum Benediktiner-Stift Admont gehörende Weingut Dveri Pax, das in Ostslowenien über drei Standorte verfügt: Jarenina bei Maribor u.a. mit Riesling (Schieferböden) und Pinot Noir, Jeruzalem (z.B. Traminer, Grauburgunder und Sipon) und bei Gornja Radgona (Versuche mit Blaufränkisch). Die Cuvée „Grad Zelezne Dveri“ 2006 (Übersetzung: Schloss Eisentür) aus Pinot Gris und Sipon aus der Jeruzalemer Gegend ist frisch und spritzig, mit runden Fruchtaromen und perfekter Balance. Das „M“ bei steht für Maribor und gehört zu einem Edel-Riesling 2006 mit eleganten sortentypischen Pfirsicharomen, feiner Mineralität und hervorragender Balance: Der Wein zählt zur Lagenweinserie, stammt aus 25 Jahre alten, kalkreichen Weingärten im Stadtgebiet Maribor und braucht keinen Vergleich mit Weinen aus Riesling-affineren Gegenden zu scheuen. Hervorzuheben ist auch ein bei 13 % Alkohol sehr leichtfüßig wirkender trockener Traminer 2006 aus der Jeruzalemer „Ecke“ mit feinen Rosenaromen und wieder auffallend schöner Balance zwischen floralen Noten, zarter Herbe wie bei Bitterschokolade und Fülle.

Eine weitere beeindruckende Serie, die auch dem vorherrschenden Trend der Stajerska-Region zu trockenen Weinen repräsentiert, kam vom Weingut Gaube aus Stipcnik, das nur einen Steinwurf südlich der österreichisch-slowenischen Grenze beheimatet ist: Grüner Silvaner 2006 besticht mit würzig-vegetalen Noten und herber Eleganz. Die alte Kultursorte, oft als „uninteressant“ abgetan, ist schwierig, weil krankheitsanfällig, und daher am Verschwinden, kann aber bei guter Pflege höchst spannende Weine ergeben wie z.B. der eben genannte oder auch einige deutsche Silvaner aus Franken . Highlight bei Gaube war ein schmalziger, aromatisch dezent an Karamell erinnernder Sivi Pinot (Pinot Gris, Grauburgunder) 2006, der sich auch in punkto Mineralität nicht zurückhält und höchst harmonisch und saftig daherkommt.

Probierenswert, wenn’s einem unterkommt, sind auch die Weine von Valdhuber (Zg. Kungota an der slowenisch-steirischen Grenze nördlich von Maribor) bzw. Krainz (Gegend von Ljutomer). Noch ein paar Worte zum Preisniveau: Die so gerne von den „westlicheren“ Nachbarn gehegte Vorstellung, dass slowenische Weine billig zu sein haben, mit der irrationalen Begründung, dass es ja einmal Balkanstaat und Jugoslawien war, ist bitte zu vergessen. Und gute Weinqualität, hinter der viel Arbeit steckt, hat wie überall in der Welt ihren Preis. Das Preisniveau in Slowenien ist absolut nicht überzogen und entspricht in etwa dem, was man auch in Österreich für Weine dieser Qualität zahlen würde: Und Überraschungen nach unten (aber auch nach oben) sind auch in Slowenien durchaus möglich. (Luzia Schrampf)

>>> Artikel Die "milde" Steiermark - Weinbaugebiete in Ostslowenien

Bezugsqueellen
Miro Mund und Dveri Pax bei Vinofaktur, täglich 9-18 Uhr, An der Muhr 13, A-8461 Ehrenhausen-Vogau; vinofaktur.at oder Vinofaktur Graz, Belgiergasse 1, A-8020 Graz; täglich 9-23 Uhr; vinofaktur-graz.at; Versand möglich.

Weinversand bei
Pra-Vino, Protner, Steyer und auch andere Spezialitäten gibt es bei Slavka Fraueneder. wein-reise.com
Valdhuber z.b. bei derweinladen.at von Conny Lexe, Klagenfurt

Homepages bzw. Email-Adressen der Weingüter:
Danilo Steyer: steyer.vina@siol.net
Pra-Vino: curin.prapotnik@siol.net
Gaube: vinarstvo.gaube@siol.net
Krainz: luttenberger.eu, luttenbergerwein@aon.at
Valdhuber: valdhuber@siol.net
Joannes: joannes.si; vino@joannes.si
Dveri-Pax: dveri-pax.com
Mirovino: slovino.com oder polz.co.at
  • Glückliche Fügung [12]

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  • Veni, vidi, Winzer

    Titelbild"Carnuntum Experience": Mit Speck fängt man Mäuse - Und mit Essen und Trinken lockt man Besucher in eine Region, die ansonsten vielleicht links der Autobahn liegen gelassen würde...

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  • Weine aus dem "Härtetest“

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  • Die Wachau prickelt [8]

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  • Jugend in der Flasche [3]

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  • Vom Feinsten [4]

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  • Riberach oder Das doppelte Weinleben [8]

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  • "Lauter so Buaschn wia mia ... " [30]

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  • Interpretationen von Weinviertel DAC [3]

    TitelbildDer Grüne Veltliner steht bei Petra und Franz Prechtl aus Zellerndorf im Weinviertel im Zentrum

  • Einstieg in die Subtilität [18]

    TitelbildPinot Noir 2004 von Günther Dopler, Thermenregion

  • Der Exote aus dem Weinviertel [2]

    TitelbildGrüner Sylvaner 2007 von Hofbauer Schmidt, Weinviertel

  • Wein-Kunst kommt von Können [6]

    TitelbildKollwentz-Weine generell und der Eichkogel 2004 im Besonderen

  • Edler Stammbaum [16]

    TitelbildDie Weine von Gut Oggau sind echte Typen, die sich aus der Charakteristik der Rebsorten und der Weinbereitung ergeben und deren gemeinsamer Nenner das „Burgenländische“ ist

  • Zwischen Trentino und der Maremma [40]

    TitelbildElisabetta Foradori macht in beiden Gebieten unterschiedliche Weine, deren gemeinsamer Nenner die Eigenständigkeit der jeweiligen Stile ist

  • Burgenland Youngsters von Norden nach Süden... [6]

    TitelbildDrei Highlights aus der Präsentation "Burgenland Jahrgang 2007" am Montag im Museumsquartier zu Wien

  • Inszenierungen der Weinseligkeit [9]

    TitelbildDer Rebensaft spielt in der niederösterreichischen Landespolitik eine tragende Rolle

  • Diven aus dem Süden [25]

    TitelbildPinot Noir und Sankt Laurent Reserve, beide 2005, vom Weingut Auer in Tattendorf

  • Plädoyer für Weißburgunder [67]

    TitelbildWeißburgunder ist eine internationale Sorte und wurde als Underdog-Rebsorte an vielen Plätzen von Chardonnay in den Hintergrund gedrängt. Völlig zu Unrecht

  • Triebaumer, die Zweite ... [30]

    TitelbildDass frische Jungweine nicht unbedingt ein Ablaufdatum innerhalb einer Drei-Monats-Frist haben müssen, zeigt Günter Triebaumers „Weiße Trie“ 2007

  • Frühling vorgezogen [5]

    TitelbildGelber Muskateller 2007 von Günter Triebaumer aus Rust als Sonderabfüllung für die spezerei am Wiener Karmelitermarkt

  • Lieben Sie "klassik"? [3]

    TitelbildZweigelt classic von Philipp Grassl ist typisch für Klassik-Rotweine

  • Ein würdiger Solist [78]

    TitelbildVeltliner-Leben außerhalb von Weinviertel DAC - Grüner Veltliner Goldjoch 2006 von Roman Pfaffl

sepp schilehrer
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...kann allen Besuchern der steir. Weinstrasse nur einen kleinen Abstecher in den Süden empfehlen. Wir waren beim Valdhuber. Freilich ist noch nichts so stylisch und modern wie nördlich der Grenze aber die Preise sind echt moderat und jedenfalls günstiger als bei uns und die Weine stehen den Steirischen um nichts nach....

Kann dasselbe übrigens auch den Besuchern des Friaul empfehlen. Im Collio ruhig mal nach SLO rüberschauen!

Es lebe der slowenische Wein!

jumpingjack flash
00
14.12.2007, 16:30

die preise die ich erlebt hab waren allesamt aussreisser nach oben (was preis/leistung betrifft), so richtig geschmeckt hat mir keiner - ähnliches gilt auch für die ungarischen weine - deshalb trink ich lieber welche aus österreich.

Untersteirer
00
17.12.2007, 10:11
Geschmacksache

Über Geschmack lässt sich gewiss streiten, aber was den Preis anbelangt, so sind die meisten dieser Weine hervorragend in ihrem Preis-Leistung-Verhältnis. Die absolut überschätzten und überteuerten Weine der sogenannten südsteierischen "Starwinzer" kann man eventuell qualitativ gleichsetzen mit den genannten "stajerske" Weingütern. Ein sogenannter Lagenwein für 28-30 EUR gegenüber seinem 4,50 - 9 EUR teuren slowenischen Pendant ist sehr wohl erwähnenswert! In den USA, Belgien und vor allem in GB werden die slowenischen Weine bereits hochgelobt und zu unglaublichen Preisen verkauft. ich kann jedem Weinfreund ein Weingut zu besuchen, das nicht erwähnt wurde, aber besonders gut ist - "Kogl" von Franci Cvetko (www.kogl.net).
Ich trinke auch

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