Schmeckt irgendwie nach Gras

18. Juni 2008, 20:57
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In Japans Teehäusern wird traditionell grüner Matcha-Tee serviert - Das aus pulverisierten Teeblättern gebraute Getränk wird auch hier immer beliebter - weil es gesund ist

DER STANDARD: Die japanische Teezeremonie hat eine lange Tradition. Wären wir in Japan, würden wir auf Tatami-Matten knien.

Ayumi Kondo: Genau, und wahrscheinlich würden wir zuschauen, wie unser Tee nach einem genau definierten Ritual zubereitet wird. Zuvor hätten wir über die Schönheit des Teehauses und den Blumenschmuck gesprochen. Und wir hätten die Süßigkeiten bewundert.

DER STANDARD: Die gibt es hier aber nicht?

Ayumi Kondo: Die aus Bohnenpaste zubereiteten Süßigkeiten kommen bei uns nicht gut an. In der japanischen Teezeremonie sind sie aber wichtig, weil sie Teil des Rituals sind. Es sind kleine Kunstwerke, im Winter werden Kamelien, im Frühling Kirschblüten, im Sommer Hortensien geformt. Die Motive finden sich auch in den Teetassen wieder, auch sie wechseln mit den Jahreszeiten. In Japan können Teetassen bis zu 10.000 Euro kosten.

DER STANDARD: Kennt man hier diese Teezeremonie?

Ayumi Kondo: Viele haben schon eine Ahnung von japanischer Kultur. Sie kaufen dann nicht nur Tee, sondern auch Schalen und Zubehör. Andere kommen, weil sie gehört haben, wie gesund Matcha-Tee ist.

DER STANDARD: Wie schmeckt er?

Ayumi Kondo: Am Anfang empfinden viele den Geschmack als eigenartig, sagen, dass Matcha irgendwie nach Gras schmeckt. Für Einsteiger haben wir deshalb Matcha Latte mit Soja-Milch und Zucker. Wir können aber beobachten, dass, wer sich gewöhnt hat, nicht mehr loskommt.

DER STANDARD: Was genau ist Matcha?

Ayumi Kondo: Das ist Gyokuro-Tee, grüner Tee, der zwei Wochen vor der Ernte mit einer Plane vor der Sonne geschützt wird und dadurch ein sehr mildes Aroma entwickelt. Für Matcha-Tee werden die Blätter kurz gedämpft und dann ganz vorsichtig zu Pulver gemahlen. Parallel dazu gibt es Sencha-Tee, also Blätter. Immer wieder kommen Leute zu mir, die wollen Jasmin-Tee oder weißen Tee. Die muss ich enttäuschen, denn das sind chinesische Tees. Das bringen viele durcheinander.

DER STANDARD: Matcha-Tee gibt es nur in Japan?

Ayumi Kondo: Ja. Tee wurde ursprünglich von buddhistischen Mönchen aus China nach Japan gebracht. Da gibt es die Legende vom Mönch Boddhi Dharma, der so lange meditierte, bis ihm seine Augen vor lauter Müdigkeit auf den Boden fielen und zu Teesträuchern wurden. Tee als Pulver gibt es seit dem 12. Jahrhundert, der Mönch Rikyu hat dann die verschiedenen Teerituale im 16. Jahrhundert vereinheitlicht. Um Teezeremonien leiten zu dürfen, braucht man eine jahrelange Ausbildung.

DER STANDARD: Sind Teezeremonien in Japan alle gleich?

Ayumi Kondo: Nein, es gibt zwei große Schulen: Urasenke und Omotesenke, beide aus Kioto. Sie unterscheiden sich in Feinheiten, etwa wie der Löffel gehalten wird.

DER STANDARD: Deshalb sind authentische Teezeremonien außerhalb Japans selten.

Ayumi Kondo: Unlängst kam eine Japanerin, die Kurse in der japanischen Teezubereitung anbieten und einen Zettel im Geschäft aufhängen wollte. Eine meiner Mitarbeiterinnen hat eine traditionelle Ausbildung und war darüber richtig empört. Das Zubereiten von Tee lässt sich nicht in einem Nachmittagskurs lernen.

DER STANDARD: Ist die Zubereitung schwierig?

Ayumi Kondo: Ohne Ritual eigentlich nicht. Man wäscht eine Tasse mit warmen Wasser aus, schöpft mit einem Bambuslöffel ein wenig Pulver in die Tasse, gießt mit abgekochtem, auf 90 Grad abgekühlten Wasser auf und verrührt den Tee mit einem Bambus-Besen. Fertig.

DER STANDARD: Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig.

Ayumi Kondo: Ja, aber viele kommen, weil Matcha-Tee sehr gesund ist. In bestimmten Regionen Japans gibt es kaum Darmkrebs. Das waren für einen japanischen Exporteur Argumente, Matcha-Tee in Bioqualität auch außerhalb Japans zu vertreiben. Unlängst in Tokio habe ich in gesehen, dass auch dort mittlerweile Matcha Latte serviert wurde. Das fand ich sehr lustig. (Karin Pollack/Der Standard/rondo/14/12/2007)

Das Teegeschäft von Ayumi Kondo heißt Cha-no-ma. Faulmanng. 7, 1040 Wien, Tel.: 01/ 587 94 06
  • Ayumi Kondo, geboren in Japan, aufgewachsen in Wien, bringt Österreichern die japanische Teekultur näher.
    foto: heribert corn

    Ayumi Kondo, geboren in Japan, aufgewachsen in Wien, bringt Österreichern die japanische Teekultur näher.

  • Einsteigern serviert sie Matcha Latte.
    foto: heribert corn

    Einsteigern serviert sie Matcha Latte.

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    foto: heribert corn
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