"Zeit der Almosen ist vorbei"

27. Februar 2008, 09:17
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Im Protest gegen Sparpakete ihrer Managements sind die 23.000 Post- und 13.000 Telekom-Bediensteten vereint

Wien – Die Post-Gewerkschaft bekommt im Kampf gegen das vom Vorstand am Mittwoch präsentierte Sparpaket unverhofft Schützenhilfe. In ihrer Verstaatlichten-Schwester Telekom Austria (TA) brodelt es nämlich auch, am Donnerstag fanden österreichweit Informationsveranstaltungen statt, an denen 3000 der insgesamt 13.000 TA-Beschäftigten teilnahmen.

Der Anlass für die außertourlichen Zusammenkünfte: Den Fernmeldebediensteten in TA und Mobilkom geht bei den Gehaltsverhandlungen zu wenig weiter, der Kollektivvertrag für 2008 ist noch immer nicht fertig – weil man sich von Österreichs größtem Telekom-Konzern „nicht billig abspeisen lassen, sondern am Unternehmenserfolg teilhaben“ wolle, wie es TA-Zentralbetriebsratschef Michael Kolek formulierte. Da die Manager mit Sonderzahlungen, Prämien und Stock-Options-Programmen belohnt würden, sei es höchst an der Zeit, dass auch die große Gruppe der Arbeitnehmer am Erfolg beteiligt würde. Das Motto der Veranstaltungen lautete daher: "Die Zeit der Almosen ist vorbei."

Nicht nachvollziehbar

In der Unternehmensführung kann man die Motivation für Info-Versammlungen mit Protestcharakter nicht nachvollziehen. Das Festnetz in Österreich sei anhaltend rückläufig und daran werde sich auch 2008 nicht viel ändern. Daher gebe es auch nicht viel zu verteilen. Außerdem habe man eine Kollektivvertragserhöhung um 2,7 Prozent plus 600 Euro Einmalzahlung in Form von Aktien angeboten. "Das ist richtiges Geld", sagt ein hoher TA-Manager, der den Groll der Belegschaft nicht nachvollziehen kann. Und: Mit den ausländischen Gewinnen im Mobilfunk könne man das Festnetz-Personal nicht dauerhaft sponsern.

Keine Geschenke

Der Hintergrund des eskalierenden Streits bei den Gehaltsverhandlungen ist klar: Bei Vorlage der Neunmonatszahlen im November hatte die TA überraschend eine Gewinnwarnung präsentiert, der Nettogewinn werde heuer voraussichtlich um acht Prozent niedriger ausfallen als 2006. Bei 50 Millionen Euro weniger Ergebnis könne man sich keine Geschenke leisten, sagte der TA-Manager, der nicht genannt werden wollte. Und: "Die können streiken, bis sie schwarz werden." Widerstand lautete nach den Beratungen des Zentralausschusses am Donnerstagvormittag auch das Motto der Postgewerkschafter gegen Gegen den angekündigten Abbau von 1700 Vollzeitposten bis 2012. Postgewerkschaftschef Gerhard Fritz droht mit Protestmaßnahmen und verlangt „eine Klarstellung des Vorstands, dass das nicht stimmt“. Im Aufsichtsrat seien nur 360 Jobs beschlossen worden. Erfolge kein Dementi, sei „alles möglich“. Beim Widerstand ist ihm die Unterstützung des Tiroler Arbeiterkammer-Präsidenten Fritz Dinkhauser sicher. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.12.2007)

  • Die Post bringt zu Weihnachten allen was. Und wenn es nur Sparpakete sind.
    foto: standard/hendrich

    Die Post bringt zu Weihnachten allen was. Und wenn es nur Sparpakete sind.

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