"Teilzeitstudium ab spätestens 2009"

13. Februar 2008, 14:24
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Wissenschaftsminister Hahn im UniStandard-Interview über die Barrieren im Studium und Unterstützung für behinderte Studierende

Um Studierenden mit Behinderungen den bürokratischen Hürdenlauf zu ersparen, sollte die ÖH die zentrale Anlaufstelle sein, fordert Wissenschaftsminister Johannes Hahn im Gespräch mit Tanja Traxler und Julia Wurm.

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UniStandard: Aus dem Studierendensozialbericht 2006 geht klar hervor: Studierende mit Behinderung leiden unter den schlechten Rahmenbedingungen an den Unis, vor allem in Kärnten und Tirol. Warum wird dort nicht verstärkt investiert?

Hahn: Die einzelnen Unis handeln im Rahmen ihrer Autonomie verschieden. Manche befreien Studierende mit Behinderung von den Studiengebühren. Die Kunstakademien meinen, es gibt keine Behinderung - das geht zumindest aus ihren Berichten hervor. Unsere Sozialerhebung hat aber das Gegenteil gezeigt. Die Uni Wien bemüht sich dezidiert um Barrierefreiheit. Bei Neubauten sehen wir das vor, aber es gibt viele Unis in alten Gemäuern, wo es schwierig ist. Es ist ein berechtigtes Anliegen, aber mit extremen Kosten verbunden. Für die unmittelbare Arbeit mit Behinderten sind die Unis zuständig.

UniStandard: Aber es gibt kein zusätzliches Geld - wie soll das funktionieren? Der gehörlose Student Siegfried Bachmayer hat für fünf Kurse 10.000 Euro Dolmetschkosten ("Keiner fühlt sich zuständig"). Wer das bezahlt, ist unklar: Land und Unis weisen die Verantwortung von sich. Es fehlt eine zentrale Anlaufstelle.

Hahn: An der ÖH gibt es ja vielfach Behindertenreferenten, die könnten diese Funktion wahrnehmen. Aber ich meine, dass das Land durchaus eine Verantwortung hat, wenn es um die Frage der persönlichen Assistenz geht. Das ist eine Zuständigkeit des Landes.

UniStandard: Das heißt, das Land sollte dafür einspringen?

Hahn: Einspringen würde implizieren, dass es keine geregelte Zuständigkeit gibt. Die gibt es da durchaus.

UniStandard: Was kann man verbessern, damit es Behinderten erspart bleibt, von einer Behörde zur anderen zu pilgern?

Hahn: Mein Appell wäre, dass entweder am Sozial- oder am Behindertenreferat der jeweiligen ÖH eine entsprechende Kompetenz aufgebaut wird, so sie nicht schon vorhanden ist. Wir werden uns zusammensetzen, um Lücken zu identifizieren. Es gibt auch Bemühungen bei der neuen Novelle des Studienbeihilfengesetzes.

UniStandard: Inwieweit wird darin berücksichtigt, dass behinderte Studierende Voraussetzungen wie Anspruchsdauer aus gesundheitlichen Gründen oft überschreiten?

Hahn: Wir möchten die Anspruchsberechtigung von 30 auf 35 Jahre ausdehnen und ein zusätzliches Toleranzsemester pro Abschnitt schaffen.

UniStandard: Das Teilzeitstudium wäre für behinderte Studierende eine Hilfe, aber auch für die Vielzahl der berufstätigen Studenten - warum gibt es das noch nicht?

Hahn: Ich möchte mit der Rektorenkonferenz Gespräche führen, sodass wir die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums schaffen. Das stellt aber quasi eine Halbierung des Studiums dar, auch was die Möglichkeit der Anzahl an Prüfungen anbelangt. Das ist administrativ regelbar, aber man muss sich schon am Anfang eines Semesters entscheiden, ob man ein Vollzeit- oder Parttime-Student ist.

UniStandard: Wann wird das Teilzeitstudium möglich sein?

Hahn: Wenn die Rektoren mitspielen, was ich mir sehr wünsche, denn das ist eine politische Forderung, die von vielen Seiten erhoben wird, ab spätestens 2009/2010. (DER STANDARD Printausgabe, 11. Dezember 2007)

  • Nur zur Hälfte studieren, nur die Hälfte bezahlen: Minister Hahn wünscht sich das Teilzeitstudium.
    foto: standard/hendrich

    Nur zur Hälfte studieren, nur die Hälfte bezahlen: Minister Hahn wünscht sich das Teilzeitstudium.

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