Monatelange Nachdenkpause in Österreich

9. Jänner 2008, 19:11
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Für heimische Wirte gilt weiter die freiwillige Selbstverpflichtung zum Schutz der Nichtraucher - Einige Gastronomen reagieren mit totalem Rauchverbot

Herwig Walch hatte keine Lust zu warten, bis ihm das Rauchverbot in Lokalen "von oben herab" aufgezwungen wird. Der Besitzer des "Café der Provinz" in Wien-Josefstadt hat vor eineinhalb Jahren sein Beisl zu einem Nichtraucherlokal gemacht. Seinem Nachwuchs zuliebe, wie er sagt: "Jedes Mal, wenn ich von der Arbeit gekommen bin, hat mein Kind ,Papa, du stinkst!' gerufen." Walch hat den Schritt noch "keinen Moment" bereut. Die Verordnung "von oben" ist bis heute nicht da.

Zwar hieß es noch im Mai 2007 vonseiten der Gesundheitsministerin, Andrea Kdolsky (ÖVP), dass es "zügig eine klare Regelung" geben sollte. Schon mit 1. Jänner 2008 sollte ein strengeres Nichtrauchergesetz in Kraft treten. Am 31. Oktober verzichtete die Ministerin nach wochenlangem Tauziehen mit dem Koalitionspartner und heftigen Protestankündigungen von Gastronomen aber auf die geplante Novelle. Bis zu sechs Monate Nachdenkpause könnten nun verstreichen. Bei den Verhandlungen spießte es sich vor allem bei den Lokalen, die kleiner als 75 Quadratmeter sind. Die SPÖ wollte sie generell zur Nichtraucherzone machen. Kdolsky beharrte dagegen auf Wahlfreiheit für deren Besitzer. Sie sollten lediglich deklarieren müssen, ob in ihren Räumen geraucht werden dürfte oder nicht.

Freiwillige Selbstverpflichtung

Nachdem die Verhandlungen gescheitert sind, gilt weiterhin die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirte. Seit 1. Jänner 2007 sollen dieser Regelung zufolge Lokalbesitzer, deren Betriebe größer als 75 Quadratmeter sind, 40 Prozent der Fläche als als Nichtraucherzonen ausweisen. Bisher hat die Selbstverpflichtung nicht die gewünschten Ergebnisse erbracht. Kdolsky will bis zur Verschärfung des Tabakgesetzes die Motivation der Lokalbetreiber für freiwillige Maßnahmen erhöhen. "Wir arbeiten derzeit mit der Wirtschaftskammer an einer Art Gütesiegel für nichtraucherfreundliche Gastronomen", heißt es aus dem Büro der Gesundheitsministerin.

Eine ähnliche Auszeichnung für Nichtraucherschutz vergibt die Ärztekammer bereits. Vor einer Woche hat der "Alpenverein" das Zertifikat erhalten. Seine Schützhütten werden ab 1. Jänner 2008 rauchfrei. Von da an werden auch aus den Bars von "Wein & Co" die Zigaretten verbannt. Seit Mitte Mai sind auch sämtliche "Nordsee"-Restaurants in Österreich rauchfreie Zone. "Ohne Umsatzeinbußen - im Gegenteil", erzählt "Nordsee"-Sprecherin Karin Munk. Umsatzverluste sind genau das, was etwa Rainer Staub vom Wiener "Café Sperl" befürchtet, sollte das Kaffeehaus Nichtraucherlokal werden müssen. Auf klare gesetzliche Anweisungen muss Staub aber noch warten. (Gudrun Springer, Martina Stemmer/DER STANDARD – Printausgabe, 11.12.2007)

  • In manchen heimischen Lokalen müssen Raucher mit ihrer Zigarette schon jetzt vor die Türe gehen.
    foto: christian fischer

    In manchen heimischen Lokalen müssen Raucher mit ihrer Zigarette schon jetzt vor die Türe gehen.

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