"Und einer ritt voran, dem folgten alle blind..."

Redaktion, 10. Dezember 2007, 19:00
  • Porträt Dschinggis Khans - von den verschiedenen Namensschreibweisen, die sich eingebürgert haben, wird hier (außer bei zitierten Liedtexten) die in Johannes Steiners Arbeit verwendete übernommen.
    foto: ap photo/national palace museum

    Porträt Dschinggis Khans - von den verschiedenen Namensschreibweisen, die sich eingebürgert haben, wird hier (außer bei zitierten Liedtexten) die in Johannes Steiners Arbeit verwendete übernommen.

Dschinggis Khan: eine Karriere vom 13. Jahrhundert bis heute, beschrieben vom Historiker Johannes Steiner

Von den einen wird er als Mörder und Schlächter Zehntausender verurteilt, von den anderen auch als Kulturheros und Gott verehrt - Johannes Steiner geht den verschiedenen Bildern Dschinggis Khans in seiner Diplomarbeit auf den Grund. Dabei filtert er heraus, dass das Bild dieses "Welteroberers" so mannigfach ist wie die Möglichkeit seinen Namen zu schreiben (Dschingis, Tschinggis, Dschinggis, Genghis, Chinguis etc.).

Der "echte" Khan

Steiner analysiert akribisch zeitgenössische mittelalterliche Quellen, welche er nebst der Person und dem Umfeld des jeweiligen Autors beleuchtet, und prüft ihren Informationsgehalt in Bezug auf Dschinggis Khan. Folgende Kapitel, welche der Person dieses Herrschers näher auf die Spur kommen sollen, werden dabei grob untergliedert: Geburt, Namensgebung, Aussehen, Dschinggis Khan als Herrscher (Gesetze, Global Player, Einiger der Mongolen), Dschinggis Khan als Kriegsherr (Strategie, Sieger), Dschinggis Khan und Priesterkönig Johannes, Dschinggis Khan als "Strafe Gottes", Dschinggis Khan und sein Verhältnis zu Familie, sein Glaube und letztlich: der Tod.

Dschinggis als Symbol

Die "Washington Post" kürte ihn zum Mann des Jahrtausends mit folgender Begründung: "Ja, es stimmt, er war ein Verbrecher [aber] für den Apostel der Extreme der letzten tausend Jahre gibt es keinen besseren Kandidaten als Dschinggis Khan, der die halb zivilisierte, halb wilde Doppelgesichtigkeit der menschlichen Rasse verkörperte." Margaret Thatcher bezeichnete sich selbst als einen weiblichen Dschinggis Khan und sogar die damalige österreichische Bildungsministerin Elisabeth Gehrer zeigte sich anlässlich der Premiere einer hoch dotierten Dschniggis-Khan-Dokumentation des ORF angesichts der Weisheit des Staatsmannes Dschinggis Khan tief beeindruckt und stellte auf die Nachfrage eines Reporters fest, dass "wir alle" das brauchen könnten.

Feldzug durch die Hitparade

Wenn heute der Name Dschinggis Khan fällt, dann zumeist im Zusammenhang mit der gleichnamigen von Ralph Siegel produzierten "Schlager-Horde", welche mit dem Lied "Dschinghis Khan" 1979 am Song-Contest teilnahm und immerhin den vierten Platz belegen konnte: "Sie ritten um die Wette mit dem Steppenwind, tausend Mann – (HA HU HA). Und einer ritt voran, dem folgten alle blind, Dschinghis Khan – (HA HU HA). Die Hufe ihrer Pferde, die peitschten den Sand, sie trugen Angst und Schrecken in jedes Land. Und weder Blitz noch Donner hielt sie auf."

Omar Sharif verkörperte ihn im großen Leinwandkino, Reinhard Fendrich streicht den "Blick wie Dschingis Khan" im Liedtext als Eigenschaft des echten Machos hervor.

Bedauerlich ist, dass die rezeptionsgeschichtlichen Aspekte bei Steiner etwas zu kurz kommen – doch hätte eine ausführlichere Darstellung wohl den Rahmen einer Diplomarbeit gesprengt. Festzuhalten ist, dass sich Steiners Diplomarbeit nicht nur durch ihren hohen wissenschaftlichen Anspruch auszeichnet, sondern darüber hinaus – trotz der rezipierten mittelalterlichen Quellentexte – auch noch leicht lesbar und verständlich bleibt. Die vorliegende Arbeit leistet einen wertvollen Beitrag zur Dschinggis-Khan-Forschung und kann dem interessierten Leser nur wärmstens empfohlen werden.

Johannes Steiners Diplomarbeit "Das Bild Dschinggis Khans in zeitgenössischen Quellen und rezeptionsgeschichtliche Aspekte in der Literatur der Gegenwart" (2005) kann im Volltext nachgelesen werden.

Der Autor
Johannes Steiner, geboren 1978, schloss 2005 an der Karl-Franzens-Universität Graz sein Diplomstudium Geschichte/Philosophie ab. Seither arbeitet er an seiner Dissertation – nebenbei studiert er noch Archäologie und Volkskunde. Interessensschwerpunkte: Archäologie und mittelalterliche Geschichte, insbesondere Mongolistik / Dschinggis-Khan-Forschung.

Die Rezensentin
Ursula Mindler, geboren 1979, studierte Geschichte und arbeitet seit 2005 an ihrer Dissertation. Sie ist Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt an der Karl-Franzens- Universität Graz ("Nationalsozialistische Herrschaftspraxis im Gau Steiermark").

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Klingt interessant.

Als Person des Jahrtausends würde ich Dschinggis Kahn auch wieder nicht sehen. Vom Typ her war Attila (der Hunnenkönig) auch nicht soviel anders. Dennoch ist das ganze eine erstaunliche Geschichte. Ein Volk das vorher einfach irgendein Volk nördlich von China war, erobert das größte zusammenhängende Reich der Geschichte und versetzt Europa in Angst und Schrecken, ja kann von den Europäern nicht einmal besiegt werden. Nur durch Glück wurde man gerettet.
Und es dauerte nicht wirklich lange, da verschwindet dieses Volk wieder von der Bildfläche der Weltgeschichte.
Das ganze ist wirklich interessant und hängt mit der Pesönlichkeit Dschinggis Kahn zusammen.

Aber wie gesagt "Jahrtausendperson", naja.

attila hat mit temudschin genau nix gemeinsam.

der eine hat in europa studiert und der andere war ein barbar der seinen eigenen bruder abgeschlachtet hat.

vorstellen das Attila der kultiviertere der Beiden war. Immerhin hat er eine Zeit in Rom verbracht.

Aber eigentlich war mein Posting sowiso Schwachsinn beide haben in unterschiedlichen Jahrtausenden gelebt. Attila im 5. Jahrhundert, Dschinggis Kahn im 13. Jahrhundert.

Dschinggis Kahn hat in Europa studiert? Von so was hab ich noch nie was gelesen.

Was das Abschlachten des Bruders betrifft, ist natürlich nicht in Ordnung aber er war nicht der einzige der das machte. Bei den Osmanen war der Brudermord üblich und der römische Kaiser Caracalla hat auch seinen Bruder ermorden lassen.

Es kam also öfters vor.

Ich finde man findet bei den Beiden sogar recht viele Paralellen. Sowohl Hunnen als auch Mongolen versetzten Europa in Angst und Schrecken, beide verfügten über eine ähnliche Kampftechnik und beide waren eine Zeit lang sehr bedeutend verschwanden aber dann sehr schnell aus der Weltgeschichte.

Was die beiden Herscher betrifft. So viel unterscheidet sie dann auch wieder nicht, kann mir sogar ....

.. wer Herrscher ueber das groesste Reich war das je auf Erden existiert hat,

den kann man wohl als "Jahrtausendperson" gelten lassen find ich...

Wenn man es genau nimmt liegen Sie falsch:

-Erstens: Seine größte Ausdehnung erreichte das Mongolenreich erst nach Dschinggis Kahn unter seinen Nachfolgern. Niemand würde behaupten das jemand wie Ügedei die Person des Jahrtausends ist, unter ihm war das Mongolenreich aber noch größer.

-Zweitens: Das Größte Reich das je auf Erden existierte war das British-Empire. Das Mongolenreich war "nur" das größte zusammenhängende Großreich.

Dschinggis Kahn war sicherlich eine bedeutende Persönlichkeit, doch was hat er der Welt nachhaltig gebracht. Da waren Napoleon, Kolumbus und andere Bedeutender. Ist meine Meinung.
Aber gut, irgendwie kann man sowiso nicht aus allen Personen innerhalb von 1000 Jahren sagen der ist der Beste.

Cristobal Colon

hatte ein kümmerliches Leben, verglichen mit dem Mongolen-Chan. Napoleon wirkte zwar nachhaltiger, aber das taten Hitler und Stalin auch.

Was das kümmerlich Leben betrifft, hab erst vor kurzem irgendwo gehört, dass es nicht so sicher ist ob er nicht sogar aus einer wohlhabenden spanischen Familie stammt und das andere einfach eine Legende ist.

Was Napoleon betrifft. Sie haben schon recht, er wird ja auch nicht ganz umsonst sehr oft mit den beiden verglichen. Aber es gibt auch noch genügend andere Personen, die man in einem Jahrtausendranking nennen könnte.

Wie gesagt. Ich finde es sowiso irgendwie nicht ganz richtig aus allen Personen in einem Jahrtausend eine Auszusuchen, die die beste war.

Dennoch gibts das Ranking irgendwo, würde mich interessieren.

Und einer ritt voran, dem folgten alle blind...

...und als man später die krieger befragt hatte, antworteten sie, nur ihre pferde seien dabei gewesen, nicht sie selbst...

Massenmörder

Zu Dschinggis Khan fallen mir die Schädelpyramiden und absolute Grausamkeit ein. Es sollen ja über 30 Millionen ermordet worden sein und das zu einer Zeit wo gerade 400 Millionen Menschen die Erde bevölkert haben.
Er hat vorallem die Islamischen Kulturen massiv in ihrer Existenz bedroht, die meisten (Persien, Kalifat von Bagdad, ...) haben sich bis heute nicht erholt.

Jeder Massenmörder ...

... wird früher oder später "gelobt", wenn nur genug Zeit vergangen ist.

Julius Cäser hatte sich ja in seinem Buch "Der gallische Krieg" damit wichtig gemacht, Millionen von Galliern umgebracht zu haben.

Heute würde man ihn als brutalen Diktator und Schlächter beschimpfen, aber da nun einmal 2.000 Jahre vergangen sind benennen wir halt Monate nach ihm und bewundern seine Geschicklichkeit bei der Staatsführung. Die Millionen Toten erwähnt keine Sau mehr.

das müssen sie hermeneutisch betrachten.

ein verbrechen, das im 20. jh. und obenderin im kontext einer gewissen exterminierungsideologie begangen wurde, ist anders zu bewerten als ein ereignis das in einer zeit stattfand, als menschenrechte im neuzeitlichen sinn noch ein fremdwort waren. was dk oder cäser gemacht haben war für die zeit qualitativ gesprochen nichts ungewöhnliches, menschenleben wurden nicht so gesehen wie heute. der unterschied liegt darin, dass es eben andere quantitative ausmasse hatte als bei anderen.

woher genau wissen sie eigentlich dass menschenleben damals anders "gesehen" wurden?

Da haben sie sicherlich recht, obwohl ich Zahlen in diesem Zusammenhang immer skeptisch sehen würde, da sie oft stark übertrieben dargestellt sind.

Läuft es da keinem kalt über den Rücken?

Nach 800 Jahren ist ein Massenmörder und Eroberungskrieger zwischen China und Ungarn wieder voll cool, in unserer politisch korrekten Welt.

Irgendwie überrascht mich das gar nicht... - Manchmal denk ich mir, bei uns ist nur die Schale korrekt. Dschingis Khan war wenigstens grad heraus...
*grübel* Möcht ich nicht zu seiner zeit gelebt haben...
Aber das Lied ist wirklich gut... *schwelg*

Der Bruder vom Oliver?

Der schüchterne Bruder vom Olli.

Ha Hu Ha

Ich hab ja schon viel von Dschinghis Khan gehört und gelesen, aber noch nie was von einem Songcontest-Beitrag und auch die Zeilen unseres großen Heimatdichters Fendrich sind spurlos an mir vorüber gegangen, Omar Sharif - na ja.

Wenn einem sonst nix zu Dschinghis Khan einfällt ...

Und zum "Verbrecher":
Da ist er dann in guter Gesellschaft mit G.J. Caesar, R. Löwenherz, F. Pizarro, Leopold II., G. Bush, ...

1979 - die deutschen Medien waren entsetzt, dass Deutschland "ein Rauf- und Sauflied" nach Jerusalem schickt. Die israelischen Radiostationen haben das Lied jedenfalls rauf und runter gespielt - dort war das Lied extrem erfolgreich!

Der Tod das Mass aller Dinge?

Warum braucht es immer die Distanz der Geschichte um dem Tod den Stellenwert zu geben den er verdient.
In den taeglichen Nachrichten wird er oft und unberechtigterweise als das Mass fuer alles Uebel dieser Erde genommen.
Ghengis und seine Verehrung uebers Jahrtausend, kann man auch auch Symbol dafuer nehemen, dass es fuer die Meisten doch noch hoehere Werte gibt.

Die verschiedenen Schreibweisen

rühren unzweifelhaft davon, dass es sich eben um eine bloße phonetische Transkription des Namens handelt. Mithin kann man "Ghengis" bzw. "Chinguis" dort lassen, wo diese Schreibweise phonetisch den "Dschingis" ergibt. Ebensowenig angezeigt ist aber die hier gepflogene Schreibweise "Dschinggis", weil das zweite G sowohl unaussprechlich als unhörbar ist; legt man Betonung darauf, kann man "Dschinghis" den Vorzug geben, über die Schreibweise mit T zu Beginn maße ich mir kein Urteil an.
Die Behauptung, man nenne den Namen Dschinghis Khan heute meist im Zusammenhang mit einem Schlager aus dem Jahr 1979, kann nur als abstrus bezeichnet werden.

Prähistorisches Wissen !

Bei Dschingiskhan handelt es sich tatsächlich um eynen Flaschengeist, den es accidental in eyn meyst aus plastique manufacturirtes Behältnis zur manuellen Ausbringniss von Flüssigkeit über Pflanzen verschlagen hat.

die Hauptquelle meines Wissens ueber Termudschin

ist "Goofy als Dschingis Kahn".

(nun.. vielleicht nicht die Hauptquelle, .. aber zumindest meine erste Quelle)

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