Ein Sackerl für dein Dackerl zum Olympiajahr in Peking und zum Neujahrstag der Chinesen: Harald Fidler kam eher räudig auf den besten Freund des Menschen
Die Herzen der Posterinnen und Poster werden mir bei dieser Geschichte in bisher ungeahntem Ausmaß zufliegen, vermute ich, und ganz besonders jenes meines online noch jungen Blogkollegen Hans Dichand, der ja lieber seine Retriever streichelt als Macht auszuüben, ganz zu schweigen davon, sie zu verspeisen.
Aber im steten, wenn auch meist fruchtlosen Bemühen um aktuelle Aufhänger für unsere kleine, dreckige Kolumne stieß mir Peking 2008 auf und dann auch gleich noch der Neujahrstag des Milliardenvolkes und mit all dem der Umstand, dass man den Chinesen nachsagt, sie verputzten praktisch alles, was vier Beine hat und kein Tisch ist. Falls Sie es nicht ohnehin schon bei der Lektüre dieses Essblogs ahnten: Ich auch.
Nach China hat es mich bisher leider noch nicht verschlagen auf meinen Fresstouren, sehr wohl aber nach Vietnam. Und dort sind ja auch nicht gerade die Hundeverächter zuhause. In Hanoi ist ein ganzes Restaurantviertel auf diese Spezies spezialisiert. Aber da war ich gerade gelandet und wollte Magen und Gaumen erst einmal in herkömmlichen Garküchen akklimatisieren. Zuviele (fischig und fleischlich mutmaßlich) herkömmlichere Herrlichkeiten in dunklen, rauchigen Löchern in der Wand oder irgendwo gleich am Gehsteig, als dass ich auf den Hund gekommen wäre.
Punkt 1: Schlange
Bis Saigon war die Überlegung vergessen, und bis Siobhan, einer eher forschen und kulinarisch mir ähnlich unternehmungslustigen Australierin. Erster Programmpunkt: Schlange. Dafür haben sie hier auch ein spezialisiertes, richtiges Restaurant, das ich mir nicht notiert hab, weil ich ohnehin nicht mehr hinwollte.
Kobra, versicherte mir der Kellner. Kein wirklicher Höhepunkt, das Tier, serviert in Sauce und mit Haut, mutmaßlich aus Gründen der Authentizität, nicht unbedingt des Gaumens.
Punkt 2: Hund
Fehlte uns noch der Flocki. Wir fühlten beim Personal eines Ausflugstouranbieters vor, der uns schon in die Cuci-Tunnel verfrachtet hatte, die unterirdischen Kampfanlagen der Vietcong gegen die US-Amerikaner, und ans Mekongdelta. Der junge Mann telefoniert ein bisschen herum, nickt, will uns auch den Fahrer organisieren und bestellt uns abends wieder in sein Büro.
Eher abenteuerlich schon unser Transport zum Hundewirten: Der Fahrer, Siobhan und ich 20 Minuten auf einem der abermillionen Scooter durchs nächtliche Saigon - in eine ziemlich dunkle, ziemlich dreckige Seitengasse. Das Lokal ein räudiges Loch in der Wand, die schon gewohnten kleinen Plastikhocker, niedrige Tischchen und viele, viele durchwegs männliche Vietnamesen in schon etwas gelösterer Stimmung.
Kein Wow beim Wau
Drei Gänge umfasst das Fixmenü vom Hund, ambientegemäß, aber für Vietnam ungewohnt lieblos wie pur auf den Teller geschlenzt. Welche Stücke wir da genau vorgesetzt bekommen, ließ sich vage erahnen, aber definitiv nicht erfragen, nur beim wie der Rest eher rüde gebratenen Hinterlauf ist die Sache ziemlich klar. Geschmack? Von Wow keine Rede beim Wau. Zähes Schwein, würde ich sagen. Muss ich definitiv nicht in meinen Speiseplan aufnehmen. Liegt aber wohl auch daran, dass diese kulinarische Tradition eher im Norden Vietnams zuhause ist. Vielleicht sind ja auch die Chinesen raffinierter in der Zubereitung dieser Tiere.
Zurecht riet uns der vergnügte Keller zu einer ordentlichen Portion Mekongwhisky zum Digestiv. Der trübt die Erinnerung recht rasch. Zum Verklären reichte die Menge nicht.
PS: Der chinesische Freund eines Freundes behauptet ja (ob allen Ernstes, kann ich nicht beurteilen), dass praktisch alle seine Landsleute zum chinesischen Neujahrsfest danach trachten, Hund zu essen, weil das Glück bringe. Wer das glaubt, lasse seinen Dackel bitte heuer vor allem um den 7. Februar besser nicht aus den Augen.
PPS: Wer völkerverbindend chinesisch-deutsche Weihnachten feiern will, für den oder die hat Loriot hier ein Rezept.
PPPS: Hund, ganz harmlos: Dem gewaltigen Opus "Genussland Österreich" entnehme ich gerade, dass einbrennte Erdäpfel mit Augsburger im Altwienerischen auch als "einbrennte Hund'" bekannt sind.
PPPPS: Das neue, mir jetzt auf den ersten, vorurteilsbeladenen Blick nicht rasend sympathische "Little Buddha" serviert zu gegrilltem Thunfisch in Mochiko-Kruste "hausgemachte japanisched Bulldog-Sauce". Aber seien Sie ganz unbesorgt!
Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.