Schnaps zur Jause

1. April 2008, 17:00
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Das Essen kommt aus der Wand: Harald Fidler futtert und trinkt sich durch die Niederlande

Wäre Kollegin S. nicht gewesen, die Niederlande hätten diesmal keinen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen, insbesondere kulinarisch betrachtet. Nicht, dass die werte Userschaft mit Tipps gegeizt hätte wie zuletzt bei meinem Aufruf in Sachen Krakau. Im Gegenteil, Leserinnen und Leser überschlugen sich geradezu mit sachdienlichen Hinweisen per Posting und Mail. Allein, die Menge an Tipps machte die Auswahl für knappe zwei Tage zur freien Verfügung nicht gerade leichter.

Unentschlossen streifte der Fidler, nach einem Abstecher ins doch ziemlich originelle Ausweichquartier des Stedelijk-Museum und einem Imbiss im prachtvollen Panoramalokal ganz oben, allein und grübelnd die Grachten entlang. Essen aus der Wand (praktisch Automatenküche mit Einwurf) oder doch Le Ciel, Lof oder De Kas oder doch Yamazato, vom dem Herr Dollase so schwärmt, und so weiter und so fort, an empfohlenen Restaurants und Wirten vorbei, um einen Eindruck zu gewinnen und die hoffentlich ausgehängte Speisekarte zu begutachten.

dekas

Am späten Nachmittag endlich war ich wild entschlossen: De Kas! Altes Gewächshaus, ein Menü voll frischen Gemüses, das wäre doch die perfekte Abwechslung zu wilden Fleisch- und Innereienorgien, für mich und für die Userinnen und User. Außerhalb des Zentrums, hinzuckeln, wurscht. Meine Entschlossenheit ging ins Leere. Leider, für einen und erst jetzt: kein Tisch, so sorry.

Also ab aufs Prinseneiland zu den nächsten Tipps, PS (Planciusstraat 49) und Marius (Barentszstraat 243). Bei PS überzeugte mich die ausgehängte Tageskarte nicht recht, Marius hätte mir gefallen, aber – sorry, heute abend kein Platz für Fidler. Also doch ins Lof.

Italienischer Einschlag, erträglicher Hauswein, schon viel zu lange keine Austern gegessen, um die sechs zur Vorspeise auszuschlagen. Absolut okay, und das kleine Würmchen von der Schale, das sich über meinen Ringfinger schlängelt, bringt mich auch nicht von dem Urteil ab. Das Rinderfilet rosa und zart, auch kein Fehler. Ging ja doch noch ganz gut.

Und ab nach Den Haag, in Amsterdam war messebedingt kein preislich und sonstwie verträgliches Zimmer mehr aufzutreiben. Zuversichtlich nach Den Haag, muss ich präzisieren: Paul Gernhardt hatte gepostet: "wenn sie unvergesslich fisch essen wollen in den haag, gibts nur das Restaurant Mero Adresse: Vissershavenweg 61e. tolles design, toller koch, superfrischer fisch. viel spass."

Hat blöderweise halt Sonntags zu, meinem einzigen Tag in Den Haag. Klarer Fall von schlecht geplant. Es wurde – in meiner Ratlosigkeit trotz eifrigen Studiums des Lokalführers www.iens.nl – "It rains fishes". Nicht übel, aber halt kein "unvergesslich fisch essen".

fid

Sehr nett lässt es sich indes frühstücken in Den Haag, bei Juni. Gewaltige Brote, angenehme Atmo, unkompliziert, fein. Aber dann gleich zurück nach Amsterdam, Kollegen treffen, darunter eben S., die vor nicht allzu langer Zeit in Amsterdam Theologie studierte.

fid

Pflichtprogramm 1: Essen aus der Wand (Bild oben, ja, ich hätte auf den loungesurfer hören sollen). Kroketten und ähnlich schnelles Zeug quasi aus dem Automaten, gar nicht so übel als Imbiss. Wenn auch nicht alle – wenn ich mich nur erinnern könnte, wovon ich abraten wollte. Auch die Fressnotizen hat der Palm auf Nimmerwiedersehen verschluckt.

fid

Pflichtprogramm 2: Borreln. Soll heißen: Genever trinken zur Jause, zum Beispiel bei Wynand Focking (Pijlsteeg 31-43, Bild oben), steht bestimmt in jedem Reiseführer. Dazu nach der ersten Runde ein bisschen Oudekas mit Senf. Klingt etwas eigen, schmeckt aber. Ob auch ohne Schnaps, kann ich nicht beurteilen.

fid

In durchaus gelöster Stimmung eine Einladung zum Menü ins Restaurant Breitner (Amstel 212). Erbsensuppe, Thunfisch-Tartar und sonstige Variationen dieses blöderweise auch meinetwegen bedrohten Prachtfisches, Barbarieentenbrust mit Ravioli (mit Fleisch von der Entenkeule, bekommt zwei Rufzeichen), Lamm mit Artischocke, die Creme Brulee hab' ich zugunsten des eher unspektakulären Käses ausgelassen. Alles sehr ok, wenn man schon einmal in A'dam ist, aber kein Grund, hinzufahren. Auf der durchaus anständigen Weinkarte übrigens auch Hiedler entdeckt, aber ausgelassen.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
  • Hier gibt's Essen aus der Wand von Febo. Manches davon gar nicht so übel.
    fid

    Hier gibt's Essen aus der Wand von Febo. Manches davon gar nicht so übel.

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