Hitzige Sache

16. April 2008, 15:13
posten

Bei modernen Uhren sind Zifferblätter aus Email echte Raritäten - Sie haben deswegen auch einen stolzen Preis

Beim Blick auf Armbanduhren aus vergangenen Epochen sticht häufig ein hellweißes Blatt mit schwarzer Beschriftung ins Auge. Mitunter zeichnen sich feine Risse ab. Sie deuten auf eine Zifferblattkunst hin, die heute beinahe in Vergessenheit geraten ist: Emaille.

Hinter dem französischen Wort verbirgt sich nichts anderes als ein farbiger Glasfluss auf Metall, der diesen schützt oder ziert. Chemisch besteht Emaille (oder eingedeutscht Email) aus Sonderglas, das bei 1200 Grad Celsius geschmolzen und danach kalt abgeschreckt wird. Die solcherart entstehenden Körner gelangen mit Farbstoffen in eine Mühle. Das Email selbst wird durch Streichen, Tauchen oder Spritzen auf eine gut gereinigte Metallbasis aufgetragen und im Spezialofen bei 800 bis 900 Grad Celsius gebrannt.

7000 Zeitmesser

Bei modernen Uhren gehören echte Emailzifferblätter zu den absoluten Raritäten. Der Hauptgrund: die aufwändige, mit vielen Ausfallrisiken behaftete Herstellung. In der "Chronomètre Royal" von Vacheron Constantin finden nur absolut makellose Exemplare Verwendung. Und das sind deutlich weniger als die Hälfte der gesamten Produktion. Summa summarum hat Vacheron Constantin im Laufe eines Jahrhunderts knapp 7000 Zeitmesser dieses Typs hergestellt. In der aktuellen Sonderedition tickt das gleich doppelt zertifizierte Automatikkaliber 2460 SCC aus eigener Manufaktur. Neben dem imageträchtigen Genfer Siegel besitzt es auch ein amtliches Chronometerzeugnis. Das Goldgehäuse verfügt über einen Durchmesser von 39 Millimetern, das handgefertigte Emailzifferblatt eine markante, weil bordeauxrote "12". Wer einen dieser "Chronomètres Royals 1907" zum Preis von rund 23.000 Euro ergattern möchte, sollte rechtzeitig aufbrechen, denn die insgesamt nur 100 Exemplare sind längst schon an den Fachhandel vorverkauft. (Gisbert L. Brunner/Der Standard/rondo/07/12/2007)

Share if you care.