
Zur Person
Der niederländische Schriftsteller und Filmemacher Leon de Winter (53) schreibt neben Romanen ("Zionoco", "SuperTex"), Drehbüchern, Theaterstücken und Erzählungen regelmäßig auch politische Essays. Vor allem bei den Themen Nahost, Irakkrieg und Islam vertritt er oft provokante Positionen.
derStandard.at: Die OMV ist nur eine Firma, die mit dem Iran Handel zu treiben beabsichtigt, immerhin ist die EU der größte Handelspartner des Iran. Warum konzentriert sich die Initiative auf eine Firma?
Leon de Winter: Das ist vollkommen richtig, es ist niemals gerechtfertigt, eine einzelne Firma zum Buhmann zu machen. Es gibt jede Menge Firmen, vor allem aus Deutschland, die Handel mit dem Iran treiben. Ich denke, man sollte dies als Teil einer viel größeren Kampagne sehen. Irgendwo muss man schließlich anfangen.
derStandard.at: Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hat erst kürzlich erklärt, die Speisung der Nabucco-Pipeline mit iranischem Gas sei ein "no go". Ist diese Initiative dann überhaupt nötig?
Leon de Winter: Ja, denn wir haben es mit einem Regime zu tun, das für seine eigene Bevölkerung ein Horror ist. Wenn wir mit der Initiative dazu beitragen können, es zu schwächen, dann finde ich, dass wir das tun sollten.
derStandard.at: Laut dem nun veröffentlichten US-Geheimdienstbericht hat der Iran den Bau von Atombomben bereits im Jahr 2003 eingestellt. Besteht überhaupt eine unmittelbare Bedrohung?
de Winter: Ja. Noch vor zwei Jahren erklärten eben jene Leute, die diesen Bericht geschrieben haben, der Iran sei "wild entschlossen, Atomwaffen zu produzieren." Das Problem mit diesem Bericht ist, dass sich hier die Schwäche der amerikanischen Geheimdienste offenbart. Das ist wirklich beängstigend. Die Geheimdienst-Community ist paralysiert, weil sie nicht die geringste Ahnung hat, was los ist. Wie einst Donald Rumsfeld sagte: Am schlimmsten ist es, wenn wir nicht wissen, was wir nicht wissen. Vermutlich will der Geheimdienst der derzeitigen Regierung deshalb keine Argumente für einen Angriff liefern.
Aber es ist das Kerngeschäft des Regimes in Teheran, diese Art von Waffen zu entwickeln. Iranische Politik ohne dem Traum von der Atomwaffe wäre paradox, er ist essentiell für das aktuelle Regime.
derStandard.at: Wenn selbst die US-Geheimdienste nichts wissen, was wollen dann Sie wissen?
de Winter: Natürlich weiß auch ich nichts Genaues. Ich kann nur aus dem Verhalten des Regimes meine Schlüsse ziehen: Die Rhetorik ist bekannt, auch wie es mit ihren eigenen Minderheiten umgeht und wie es Vertreter der EU sowie der IAEO behandelt.
Wir wissen, dass sie lügen und betrügen. Zudem ist der Iran kein normales Regime, es ist Teil der politischen Kultur, alles zu tun, um uns an der Nase herumzuführen. Das sind die Fakten, die wir haben, und die sind besorgniserregend. Natürlich weiß ich nichts Genaues, niemand weiß etwas, aber genau das ist das Problem: Warum wissen wir nichts? Weil der Iran etwas versteckt.
derStandard.at: Das erinnert sehr an die Argumente vor dem Irak-Krieg, nach dem sich die Massenvernichtungswaffen als Hirngespinst entpuppt haben. Könnte es sein, dass auch der Iran nur eine Show abzieht?
de Winter: Ja, aber auch damals wussten wir nur, dass sich Saddam Hussein so verhielt, als habe er Massenvernichtungswaffen. Er legte nicht den geringsten Beweis vor, dass die Vorwürfe falsch waren. Er trickste und warf schließlich auch noch die UNO-Waffeninspektoren aus dem Land. Bis heute denke ich, dass die Welt ohne Saddam Hussein nicht schlechter geworden ist.
derStandard.at: In dem Text der Initiative wird ein direkter Vergleich zwischen dem Iran und dem NS-Regime gezogen. Läuft man damit nicht Gefahr, die Dimension des NS-Regimes zu verharmlosen?
de Winter: Bis zu einem gewissen Grad ist das sicherlich richtig. Zugleich verwenden Präsident Mahmoud Ahmadinejad und andere Repräsentanten der iranischen Regierung die gleiche Rhetorik wie die Nazis in den 30er Jahren.
Im tatsächlichen Verhalten gibt es aber immer noch enorme Unterschiede. Das könnte sich jedoch jederzeit ändern, denn im Moment ist der Iran in einer relativ schwachen Position. Das könnte aber anders aussehen, wenn er die Waffen bekommt, von denen er träumt.
Aber natürlich, man sollte immer vorsichtig sein und nicht die Dimensionen der 30er und 40er Jahre aus dem Auge verlieren.
derStandard.at: Im Text der Initiative "Stop the bomb" ist auch von Vernichtungsphantasien Ahmadinejads die Rede. Dem wird immer wieder entgegengehalten, dass seine Aussagen zu Israel unkorrekt übersetzt worden seien...
de Winter: Das ist nicht richtig. Mein guter Freund Afshin Ellian - ein Iraner, der an der Universität Leiden lehrt - hat den Text übersetzt, weil er sich nicht auf die Übersetzung eines anderen verlassen wollte und es besteht kein Zweifel daran, dass es sich nicht um eine verzerrte Übersetzung handelt.
Man muss das aber auch den Rahmen beachten, in dem Ahmadinejad seine Aussagen getätigt hat, nämlich in der geopolitischen Arena des Nahen Ostens. Hier geht es darum, dass sich das iranische Regime seinen Platz sichern und seine Macht auszudehnen will, denn es ist sehr ehrgeizig. In Israel sieht der Iran einen Todfeind und findet, dass der Nahe Osten zu klein ist für den Iran und Israel. (Sonja Fercher, derStandard.at, 5.12.2007)
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hätte ich auch Angst vor den Amis/Engländern denn immerhin haben die dort vor schon einmal geputscht (Operation Ajax).
Und das ganz ohne Massenvernichtungswaffen und Islamismus, da wurde ein demokrat. gewählter Präsident gestürzt (und das ist keine VT wie die CIA+FBI haben mit den Kommunistennazis die Mondlandung verhindert) kann man in jedem Geschichtebuch nachlesen.
Komischerweise scheint sich im Westen daran niemand erinnern zu können/wollen, glaube aber nicht, dass das die Iraner vergessen haben....
Also ich habe Verständnis vor deren Angst, immerhin haben die Amerikaner und Briten denen schon einmal einen Diktator vor die Nase gesetzt (Schah)
...der nächste spiegel titel nach "bombenterror auf bagdad" (2003)?
und die welt vereint im "kampf gegen den terrorismus"?....und noch immer irgendwo zweifel, dass es sich beim us regime um ein MVW starrendes terrorregime handelt, welches mit einem blutbad seine finsteren pläne (PNAC) versucht umzusetzen und das imperium (man beachte den wirtschaftsteil) vor dem zusammenbruch zu retten?
wird wieder einmal vor einem "stalingrad" die heimat verteidigt, wieder einmal "ab heute wird zurückgeschossen" gerufen und wieder einmal - diesmal rohstoffe statt "land für das volk" geschrien"?
und dann...steht nürnberg II für die us verbrecher auf der agenda von "demokratie und freiheit"?
.....die bereits aus dme besipiel irak bekannten vorläufer eines us terrorschlages erleidet auch der iran seit jahren.
wirtschaftssanktionen auf der basis von herbeigelogenen und -geschriebenen verstössen, negierung des rechts auf friedliche nutzung der atomernergie (während zeitgleich atomare "schurkenstaaten" wie pakistan, indien und wohl auch israel als "enge verbündete" belohnt werden), destabilisierungsversuche durch us gestützte terrororganisationen wie die iraniscehn volksmuhajedschin,.......
seit ende august kennt bush die einschätzung der us dienste....mitte oktober brabbelte der radikal fanatische us kriegspräsident vom 3. weltkrieg.
auch ein derartiger krieg ist dieser us verbrecherbande ohne weiteres zuzutrauen.
Jedesmal, wenn eine Firma aus der EU den Handel mit einem "Schurkenstaat" einstellt, springt sofort eine amerikanische Firma in die Bresche. Auch Israel ist nciht viel besser. Die Iran-Contra-Affäre ist über israelische Banken finanziert worden.
Aber im Prinzip gibt es keinen Grund, sich auf eine von beiden Seiten zu stellen. Herr de Winter ist es ja freigestellt, in Amerika für einen höheren Mobilisierungsgrad zu werben.
hat man sanktionen beschlossen und der sache umfangreiche diplomatische öffentlichkeit gegeben.
ob das jetzt erst in den medien 2000 oder 2003 oder erst 2005 gefunden hat ...
ich frag mich , wie kurz das gedächtnis mancher poster hier ist. das probelem bestand jedenfalls länger und ausnahmsweise hat der iran im zuge der veröffentlichung des CIAberichts ja auch noch alles zugegeben - natürlich gefolgt von der forderung, dass die USA sich nun entschuldigen müsse - wahrschenlich dafür, dass sie diplomatisch schon sehr lange die forderungendes IAOE nach freiem zugang zur kontrolle de anlagen unterstützt.
allah sei dank, einen grosse maul gegenüber den satan USA zu wetzen, wird ja heute sogar belzebub als tugend angerechnet.
…die größte Nuklearmacht der Welt mit einer-od. zwei (hypothetisch hochfabulierten) Nuklearwaffen "angreifen" zu wollen.
Nun, Logik scheint nicht unbedingt das Metier zu sein, wo selbsternannte "Löwen" ihre iranischen Freunde bemühen müssen, um justament jene Realität bestätigt zu bekommen, die in ihrem ausschließlich eigenem Weltbild vorgefaßt existieren müssen. So mutieren sie bestenfalls zu SciFi-Autoren.
Weshalb man aber nun einen solchen für eine Stellungnahme zu einem äußerst sensiblen Thema befragen muß-und das an sehr prominenter Stelle-entzieht sich meinem Verständnis.
Ist fast so, als würde man eine äthiopische Bergziege zu den Milchpreisen in Kalkutta Stellung nehmen lassen. Die v.d.Milch mit der frömmelnden Denkungsart…
Tatsächliche haben die USA die Möglichkeit, Atombomben im Iran einzusetzen. Die Wahrscheinlichkeit mag sehr klein sein, aber sie ist nicht absolut null. DAS irritiert Herrn de Winter keineswegs. Für ihn ist offenbar alles klar: Was für die USA (und europäische Mächte) recht und billig ist, darf für den Iran nicht gelten. Zivilisation gegen Barbarei, das ist offenbar sen Weltbild. Ich nenne das offenen Rassimus.
Ah, schon wieder jemand, der die Talking Points der Neokonservativen mit Löffeln gefressen hat.
Ich glaube nicht, dass hier jemand den amerikanischen Geheimdiensten oder irgendjemanden von der ganzen Bagage glaubt. Die meisten Leute denken, die USA haben sich selber in den Dreck geritten, nun sollen sie selber rauskommen.
Wenn man alle Dinge nur mit der entsprechenden Brille betrachtet, kann man aus allem und jedem eine Bedrohung konstruieren. Der harmlosesten Äußerung wird dann eine versteckte Drohung unterstellt. Einige benutzen solche Unterstellungen als Mittel zum Zweck, andere mögen wirklich (vielleicht aufgrund ihrer Lebensgeschichte) eine verzerrte Wahrnehmung haben. Jedenfalls hat uns der Irak-Krieg gezeigt, wohin solche Anschuldigungen führen.
Ahmadinejad mit Saddam oder Hitler zu vergleichen zeugt von absoluter Unkenntnis der realen Situation oder von manipulatorischer Absicht.
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