Kein Rauch am Berg und in der Weinbar

9. Jänner 2008, 19:11
624 Postings

Alpenverein und Wein & Co machen ihre Lokalitäten ab 1. Jänner rauchfrei - Vor die Tür kommen weder Heizschwammerl noch Tische für Raucher

Wien - "Rauchen passt nicht zu dem, was wir anbieten." Das ist sowohl für Heinz Kammerer, Inhaber von Wein & Co als auch für Christian Wadsack, designierter Präsident des Österreichischen Alpenvereins der Grund dafür, in beider Lokalitäten, den Alpenvereinshütten aller Kategorien und den Bars der Handelskette Wein & Co, das Rauchen zu bannen.

"Hüttenordnung neu"

Auf den Schutzhütten des Alpenvereins wurde bereits 1984 ein Rauchverbot verhängt, allerdings mit dem Zusatz, dass ein Hüttenwirt einen kleineren Raum zum Raucherzimmer erklären konnte, sofern mehrere Räume zur Verfügung stünden. Das wurde in der Praxis mehr als großzügig ausgelegt, weshalb auch in manchen Hütten mit nur einem Gastraum geraucht wurde. Die Wirte dieser kleinen Hütten fühlten sich benachteiligt und ließen es daher zu, begründet Wadsack auch die Verzögerung der Umsetzung. Mit der "Hüttenordnung neu", die ab 1. Jänner 2008 in Kraft tritt und gemeinsam mit dem Südtiroler und dem Deutschen Alpenverein erstellt wurde, sollte diese Debatte jetzt beendet sein.

Rauchverbot in der Ski-Hütte

Die beiden Partner-Alpenvereine haben bereits 2005 ein Rauchverbot auf den Hütten in ihrer Verantwortung verhängt und durchaus positive Erfahrungen damit gemacht. Dass die Österreicher jetzt nachziehen, honorierte die Österreichischen Ärztekammer auch prompt mit einem "Zertifikat für vorbildlichen Nichtraucherschutz". Promotor des Rauchverbots innerhalb des Vereins war die Alpenvereinsjugend mit der Begründung, dass auch viele Familien mit Kindern und Jugendlichen auf den Schutzhütten unterwegs seien, erklärt Wadsack. "Dazu kommt die enge räumliche Situation in vielen Hütten, die manchmal bis zu hundert Jahre alt sind, sowie die ständige Verschärfung der Brandschutzbestimmungen."

Zigarren werden nur noch verkauft

Weder Alpenverein noch Wein & Co möchten die Raucher vertreiben. "Wir sind keine Missionare, aber Rauchen passt eben nicht zu feinen Weinen." Den Unterschied könne man jetzt ausprobieren, so Kammerer, der "zuerst belustigt, dann irritiert verfolgte, wie sich die Politik paralysierte" und eine "unternehmerische Lösung" fand. Er habe nichts gegen die Zigarre und das Glas Cognac nach dem Essen "wenn's passt". In den Wein & Co-Bars werde man aber Zigarren nur noch kaufen - aber nicht mehr rauchen können. Auch werde es vor der Türe kein Heizschwammerl oder Tisch für Raucher geben, sondern maximal einen Aschenbecher, "wo man die Zigarette ausdrücken kann".

Kein Umsatzrückgang

An einen Umsatzrückgang durch Ausbleiben von Gästen, wie oft von Rauch-Befürwortern argumentiert wird, glaubt er nicht. Der Wechsel in der Gästestruktur werde bei einem Nichtraucheranteil von etwa zwei Drittel nicht groß sein. Rauchfreiheit braucht auch Publizität und keine Verteufelung, daher der Medienauftritt. Da er auch kein Lokal kenne, das für Rauchfreiheit bekannt sei, möchte er hier auch einen Platz besetzen. Die im November 2007 in Salzburg eröffnete Bar wurde "von Haus aus rauchfrei" geführt, und "bewährt sich voll."

Ein Argument, das Wadsack wie Kammerer anführen, ist der Mitarbeiterschutz. Seine Mitarbeiter, ob Raucher oder nicht, litten unter der Rauchglocke und seien von der zukünftigen Rauchfreiheit "begeistert". (Luzia Schrampf, DER STANDARD Printausgabe, 5.12.2007)

  • Wein-&-Co-Bars: Es wird ein Wein sein - und der Rauch wird nimmer sein
    foto: standard/hendrich

    Wein-&-Co-Bars: Es wird ein Wein sein - und der Rauch wird nimmer sein

Share if you care.