Waschel

Redaktion, 11. Dezember 2007, 15:45
  • Artikelbild
    foto: standard archiv

Ein Knilch, ein Knäuel und ein Hörorgan

In den "Älplern" von Peter Rosegger bin ich jüngst auf die Charakterschilderung eines steirischen "Kirchenwaschels" gestoßen, worunter man anno dazumal eine Person verstand, die angestellt war, um "in Ermangelung des Schulmeisters den Mesnerdienst zu besorgen und für die Dorfkirche den Hausknecht zu machen."

Das Wort gefällt mir, aber weil es aus dem späten 19. Jahrhundert stammt, fehlt ihm zugegebenermaßen der Gegenwartsbezug.

Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als einen solchen kurzerhand artifiziell herzustellen, indem ich die p.t. Leser darauf hinweise, dass vom Kirchenwaschel heute zwar nur mehr wenig die Rede ist, wohl aber vom Waschel an sich. Darunter versteht der Wiener, laut Wolfgang Teuschls Dialektwörterbuch, einen "Kerl, Knilch; Badwärter oder Schneuerknäuel" (in diesem Fall ist der Waschel maskulinen Geschlechts), oder aber (wenn es sich um einen Neutrum-Waschel handelt), die Ohrmuschel. Für den Fall, dass die p.t. Leser zum Thema "Waschel" noch anderweitige Assoziationen in petto haben sollten: Ich bitte darum, sie uns nicht zu verschweigen. (Christoph Winder, derStandard.at, 04.12.2007)

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 60
1 2
rote Strichwaschln

Nein, das sind nicht leichte Damen mit großen Ohren.

Das sind jene, die so glücklich sind, wenn sie rote Stricherln bei postings verteilen dürfen.

Ich zum Beispiel ...

Ein Strichwaschl-Outing!

Das gefällt mir. Mutig und ehrlich.
Dafür bekommens grün von mir.

Grünes Strichwascherl

Ja, der Waschl, ein dienstbarer Geist, idR subaltern.

Was mE in gedanklicher Nähe weilt, ist der herrlich wohlklingende "Hallawachel".

hallawachl klingt gut, dies trügt aber,

das er meist unverlässlich ist, hingegen ist
ein hallenwaschl zuverlässig pflichtbewußt.

Unlängst...

..wurde ich Zeuge einer durchaus reizenden Liebkosung eines Ehepaares beim Hofer in Gersthof: "Herst Waschlbärli - wos is mit da Müch?". Den Schmunzler bis zur Waschmittelabteilung habe ich mir dann doch nicht ersparen können.

Im Tschad gibts einen Waschlboss, bei uns einen Waschlbauer.

Ach, was red ich da schon wieder für ein wischiwaschl!

A Kilo Ohrwaschel is schnell brockt!

...

Und a Liter Bluat schnö verpritschlt.

In Graz und Teilen der Steiermark ist ein "Bademeister" bis heute der "Badewaschl"... natürlich nur, wenn er gerade nicht hinhört.

"Badewaschl"

nur der vollständigkeit halber: "badewaschl" war auch immer schon in wien gebräuchlich - und es würde mich nicht überraschen, wenn dieser schöne terminus auch in rest-österreich verwendung fände. außer vielleicht in alemannien. dort heißts sicher anders. poster aus dem westen hier? wir brauchen eure fachkenntnis :).

auch nicht ganz aus dem westen, aber in oö is der badewaschl wohl bekannt

Hier!

Naja, nicht ganz aus dem Westen, aber zumindest aus dem Land Salzburg. Badewaschl hab ich noch nie gehoert.

Die aus Rest-Österreich sind wahrscheinlich verschnupft.
Is ja wahr, was glauben die eigentlich!

Scheuerknäuel ...

... ist aber auch ein bemerkenswertes Wort!

Deformiertes Ohr eines Meschen, dem man, auf gut Fremddeutsch, eine gescheuert hat?

Das Wort Waschel ...

.. lässt bei mir einfach keine Bild von Eleganz oder Ästhetik aufkommen.

Weder erscheint der Badewaschel, der inzwischen sicher schon Pool Security Manager oder so ähnlich heißen dürfte, als wirklich feiner Herr vor meinen Auge, noch tut es das Ohrwaschel. Gerade letzteres scheint, infolge von Überlastung im göttlichen Design-Center von jener Abteilung entworfen worden zu sein, die eigentlich für Pilze, insbesondere Morcheln zuständig war.

Das ist bei einigen Tieren besser gelungen!

Eleganz und Ästhetik?????

Ein Wiener Bademeister ist auch weder elegant noch ästhetisch.

Schallleitende Apparate sind eben nicht immer schön anzusehen.
Und Morcheln haben sicher ein phantastisches Gehör! ;)

das brauchen sie auch ...

... denn auf diese weise können sie die annäherung eines trüffelschweins von weitem wahrnehmen und dementsprechende fluchtmaßnahmen setzen. deshalb heißt es auch "trüffelschwein" und nicht "morchelschwein". die tierchen derwischen einfach keine morcheln, weil die rechtzeitig wegrennen. und bei schweinen ist fluchtstrategie einfach sinnvoller als sich einfach nur einzugraben *mhm*.

was red ich da eigentlich? :P

Sie könnten sich aber schon auch retten, indem sie sich eingraben - und unter der Erde fortbewegen! Beim Atmen helfert ihnen der Morchelschnorchel.

Diejenigen, ...

... denen der Hörsinn eigen ist, heißen ja auch Horcheln.

Diesem gar trefflichen Erklärungsansatz ist wahrlich nichts entgegenzusetzen. :)))

ausruf des designers beim anblick des prototyps:
waschel auf mein haupt!

Sei doch froh, Jimmy...

dass du nicht die Ohren eines Beagles hast!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 60
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.