Nächster EU-Vorsitz: Cool unter Druck, umsichtig im Entscheiden

11. Jänner 2008, 23:32
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Slowenien geht mit professioneller Gelassenheit in eine brisante EU-Präsidentschaft

Brdo/Wien – Ein Eichenblatt symbolisiert das Logo der am 1. Jänner 2008 beginnenden slowenischen EU-Präsidentschaft. „Die Eiche spiegelt den soliden, beständigen und zuverlässigen Charakter der Slowenen wider, eines Volkes, das gelassen (,cool‘) unter Druck und umsichtig in seinen Entscheidungen ist“, heißt es in der Erklärung dazu.

Entworfen wurde das Logo von dem Laibacher Kunstprofessor Robert Kuhar. Vorgestellt wurde es am Wochenende in Brdo nördlich von Ljubljana (Laibach), zugleich mit der Eröffnung eines neuen Kongresszentrums. Dort werden die meisten der rund 160 Treffen während der EU-Präsidentschaft, davon elf auf Ministerebene, stattfinden.

Erschließt sich das Eichenblatt vielleicht nicht auf den ersten Blick, so ist die Gesamtsymbolik durchaus stimmig: Die Silhouette des Triglav, des „dreiköpfigen“ Wappenberges der Slowenen, und ein zum Meer abfallender Fluss umschließen den modifizierten EU-Sternenkranz – denn: „Die Slowenen bewahren die europäischen Ideale in ihren Herzen.“

Gelassenheit werden sie brauchen

Gelassenheit und Umsicht werden die Akteure des slowenischen EU-Vorsitzes vor allem in der für die Union derzeit brisantesten Frage beweisen müssen: dem Kosovo-Problem. Außenminister Dimitrij Rupel, ein routinierter Profi in der internationalen Diplomatie, will den Kosovo-Albanern noch einmal ins Gewissen reden, damit sie nach Vorliegen des Berichts der Troika (EU, USA, Russland) nicht sofort die Unabhängigkeit ausrufen.

Man könnte den Albanern vorschlagen, offiziell eine Überwachung der Unabhängigkeit (gemeint ist vor allem der Schutz der serbischen Minderheit) zu akzeptieren, deutete Rupel in Brdo im Gespräch mit Journalisten an. Ein neuer Konflikt, etwa bei Abspaltung des Nordkosovo und Stopp der Energielieferungen aus Serbien, könne jedenfalls nicht im Interesse der Albaner sein.

"Daran werden wir gemessen werden"

Der Westbalkan insgesamt und dessen weitere Integration werden Schwerpunkt des slowenischen EU-Vorsitzes sein, wie Anže Logar, Sprecher der Präsidentschaft, betont: „Daran werden wir gemessen werden.“ In Ljubljana sieht man keine Alternative zur Aufrechterhaltung einer konkreten EU-Perspektive.

Dabei will man allerdings statt großer Visionen verstärkt auf kleine, aber praktische Schritte setzen, kündigt Jakob Štunf, Sprecher des Laibacher Außenministeriums, an: Visa-Erleichterungen, etwa für Studenten und Wirtschaftstreibende, sollen die Vorteile des europäischen Weges individuell spürbar machen. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, Printausgabe 4.12.2007)

  • „Die Eiche spiegelt den soliden, beständigen und zuverlässigen Charakter der Slowenen wider, eines Volkes, das gelassen (,cool‘) unter Druck und umsichtig in seinen Entscheidungen ist“, heißt es in der Erklärung dazu.
    foto: kirchengast

    „Die Eiche spiegelt den soliden, beständigen und zuverlässigen Charakter der Slowenen wider, eines Volkes, das gelassen (,cool‘) unter Druck und umsichtig in seinen Entscheidungen ist“, heißt es in der Erklärung dazu.

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