Massengrab unter Grazer Flughafen

Redaktion, 10. Dezember 2007, 13:23

Laut Militärhistorikern könnten dort tausende Zivilisten aus der heutigen Ukraine begraben sein

Graz/Wien - "Eine ganz, ganz heiße Sache", sagt der ehemalige Bundesheer-Oberst Manfred Oswald. "Sehr sensibel", befindet auch der Militärhistoriker des Verteidigungsministeriums, Matthias Hoy.

Es soll das größte Industrieprojekt der Steiermark der Nachkriegsgeschichte werden. 400 Millionen Euro sind für den Aufbau eines steirisch-ukrainischen Flugzeug-Werkes am Grazer Militärflughafen Nittner, der verkauft werden soll, projektiert. Es ist geplant, das Transportflugzeug Antonov hier auf dem Areal des an den Zivilflughafen Thalerhof angrenzenden Militärbereiches umzurüsten.

Vieles ist noch in Schwebe, doch womit bisher niemand gerechnet hat: Die Geschichte könnte dem Millionen-Vorhaben eines österreichisch-ukrainischen Konsortiums einen Strich durch die Rechnung machen. Militärhistoriker wie Ex-Oberst Oswald, der seit langem in Sachen Thalerhof forscht - aber mittlerweile auch das Verteidigungsministerium selbst - schließen nicht aus, dass sich dort, wo das Industrieprojekt entstehen soll, ein Massengrab mit Überresten von tausenden Zivilisten aus der heutigen Ukraine befinden könnte, die Kriegsverbrechen im ersten Weltkrieg zum Opfer gefallen sind.

Das erste KZ

Die Tragödie, die sich vor 90 Jahren am Grazer Flughafengelände Thalerhof ereignet hatte, hat weit größere Dimensionen, als bisher bekannt. Tausende Altösterreicher aus der heutigen Ukraine - so genannte Ruthenen -, denen die k. u. k. Armeeführung "Russenfreundlichkeit" unterstellt hatte, wurden ab 1914 von der damaligen russischen Grenze nach Graz auf das Gelände des späteren Flughafens deportiert. Bis zu 30.000 Ruthenen, darunter Frauen und Kinder, wurden hierher verschleppt. Sie mussten im September/Oktober 1914 unter freiem Himmel ausharren, wegen der katastrophalen hygienischen und sanitären Verhältnisse starben gleich zu Beginn hunderte Menschen an Cholera und Flecktyphus. Sie wurden vor Ort verscharrt.

Verschiedene, bisher kaum beachtete historische Befunde sprechen vom ersten KZ Europas. Entweder kurz vor oder kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde ein Teil der Gebeine ausgegraben und in einen Karner (Beinhaus) im der angrenzenen Gemeinde Feldkirchen gebracht. Von 1767 Menschen ist dort auf einer Tafel zu lesen, wie viele es tatsächlich sind, wisse niemand, sagt Feldkirchens Bürgermeister Adolf Pellischek.

Spitze des Eisbergs

Was sich im Karner befinde, sei "nur die "Spitze des Eisberges", sagt Ex-Oberst Oswald. Anhand nun vorliegender Unterlagen müsse man davon ausgehen, dass nach wie vor tausende Tote aus dem damaligen "Ruthenen-Internierungslager" auf dem Gelände des Militärflughafens begraben liegen. Oder aber: Flugaufnahmen aus US-Geheimdienstquellen von 1944 deuten darauf hin, dass sich der Großteil des Massengrabes womöglich sogar am angrenzenden Zivilflughafen Thalerhof befinden könnte. Nicht ausgeschlossen dass täglich Flugzeuge über die alten Gräber rollen.

Oswald: "Es wäre das Mindeste, dass endlich geklärt wird, was sich unter dem Flughafen verbirgt." Eine Frage der Pietät sei es zudem, da ausgerechnet ein ukrainisches Unternehmen hier eine Industrieanlage errichten will.

Plötzlich konfrontiert mit diesem schwarzen Kapitel österreichischer k. u. k. Geschichte wurde jetzt auch der Grazer Stadtschreiber Nazar Hontschar aus Lemberg, der für ein Jahr als literarischer Gast hier in der Landeshauptstadt wohnt und arbeitet. Hontschar erfuhr, dass sein Großvater ebenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit unter dem Flughafen begraben liegt. (Walter Müller, DER STANDARD - Printausgabe, 30. November 2007)

die0815Mann
00
3.12.2007, 14:13
Massengrab

Man sollte die Ausmasse festlegen und meiner Meinung nach mit der Ukraine abklären, ob die Gebeine in den österreichischen Karna wandern oder in die Ukraine zurücktransportiert werden um dort die letzte Ruhestätte zu finden. Leider eine weitere erst jetzt entdeckte Greueltat am Menschen.

Wilhelm Pimpovich
00
3.12.2007, 10:29
Mit Baggerschaufel und Sieb sollte das Gelämde

in kürzerer Zeit durchsucht sein. Aber vermutlich gehts wieder einmal darum, wer dafür die Kosten trägt.

niet roken
00
1.12.2007, 12:36
bitte was war anden ruthenen "so genannt"?

t
00
4.12.2007, 17:53
alles

"Ruthenen" war die k.u.k. amtliche Bezeichnung für die ostslawische Volksgruppe. Heute werden die "Russinen" von der Ukraine als Ukrainer betrachtet, aber zB von der Slowakei als eigene Volksgruppe anerkannt.

Punkcow
11
30.11.2007, 12:43
Jaja, die Habsburger haben die Völker geeint!

Trapper John M.D.
00
30.11.2007, 17:46

gottseidank ist die herrschaft degenerierter adeliger einer demokratie gewichen.

Grey
00
30.11.2007, 21:32
Naja ....

.... so arbeiten wir uns eben zu Tode, früher waren es Kriege. Jetzt ist es die Wirtschaft die uns umbringt.

Wilhelm Pimpovich
00
3.12.2007, 10:34
Wenn man die Situation der Lohnsklaven im K.u.K.-Reich

mit den heutigen Beschäftigigungsverhältnisen vergleicht, dann kann ihr Posting nur wohl nur "lustig" gemeint sein...

Bender Rodriguez
00
30.11.2007, 23:44

Deswagen haben wir heute auch die höchste Lebenserwartung aller Zeiten.

*kopfschüttel*

Was glaubens eigentlich haben die Leut früher getan, wenn sie grad mal nicht Krieg geführt haben?

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