Abrissbirne im Anflug

7. Februar 2008, 18:58
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Pekinger Altstadt wird für Sommerspiele 2008 demoliert, Anblick soll mit falschen Ziegeln und Farbe bewahrt werden - Kulturschützer besorgt

Peking - Die chinesischen Behörden haben mit der Renovierung der Pekinger Altstadt begonnen, die für die Olympischen Sommerspiele 2008 in neuem Glanz erstrahlen soll. Wie die Zeitung "Beijing News" am Mittwoch berichtete, handelt es sich um das größte Abriss- und Bauvorhaben seit Menschengedenken. An die 10.000 alte Häuser entlang von 40 engen Gassen, den sogenannten Hutongs, sollen abgerissen und wiedererrichtet werden.

Die Altstadt liegt im Zentrum Pekings in der Nähe der Verbotenen Stadt und dem Tiananmen-Platz. Die Baufirmen seien angewiesen worden, das Kulturerbe der Stadt zu respektieren, berichtete das Blatt. Sie dürfen alte Gebäude zwar abreißen, müssten sie aber originalgetreu wiedererrichten.

Kulturschützer besorgt

Auch "alte Ziegelsteine, Dachpfannen und Steine" aus den abgerissenen Gebäuden sollten für die Neubauten verwendet werden, schrieb das Blatt. Die großangelegten Arbeiten sollen im Juni 2008 abgeschlossen werden, wenn die ersten Touristen vor den Olympischen Sommerspielen im August erwartet werden. Das Altstadt-Projekt soll zehn Milliarden Yuan (knapp 900 Millionen Euro) kosten, insgesamt sollen für die Runderneuerung der Hauptstadt 27 Milliarden Euro ausgegeben werden. Doch das Streben, Peking als moderne Stadt mit zahlreichen neuen Straßen, Bahnstrecken und einem neuen Flughafen-Terminal zu präsentieren, stößt bei vielen Menschen auf Unverständnis.

Große Teile der historischen Altstadt wurden bereits niedergerissen, Kulturschützer beklagen das Verschwinden der traditionellen Wohnhäuser und der engen Gassen. Die Stadtverwaltung hält dem entgegen, es handle sich um die Sanierung von Armenvierteln, die oftmals ohne Kanalisation und Stromversorgung auskommen müssten. "Der Anblick der altmodischen Hutongs muss bewahrt werden", schrieb die "Beijing News", "zum Beispiel können wir falsche Ziegelsteine oder Farbe verwenden, um neue Wände wie alte aussehen zu lassen". (APA/AFP)

  • Auch von diesem Haus wird nichts übrig bleiben.

    Auch von diesem Haus wird nichts übrig bleiben.

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