"Man isst in Deutschland besser". Italienische Küchen-Chefs "fühlen sich ein bisschen zu sehr als Star" und reisen lieber statt zu kochen
Rom - Aufregung im Kochparadies Italien: Auch im
jüngsten "Michelin"-Restaurantführer bleibt es bei nur fünf
Spitzenlokalen mit drei Sternen. In Deutschland dagegen hatte sich in
der Ausgabe 2008 die Zahl der Restaurants mit der Top-Benotung um
drei auf neun erhöht. "Italien? Man isst in Deutschland besser",
grämte sich die Turiner "
La Stampa" am Mittwoch über die "Cucina
Italiana".
Fausto Arrighi, der Direktor der italienischen "Michelin"-Ausgabe,
hat für den Mangel an Bestnoten eine Erklärung parat: "Etliche
italienische Chefs fühlen sich ein bisschen zu sehr als Star, sie
reisen durchs Land zu Wettbewerben und Kongressen und arbeiten oft
nicht in der Küche, wenn wir unangemeldet die Restaurants besuchen."
Der Starkoch in Italien sei wie eine "Primadonna", kritisierte der
"Michelin"-Direktor.
"Ausgezeichnet werden aber die Frauen, die in der Küche stehen",
fügte Arrighi hinzu: Von den fünf Drei-Sterne-Restaurants sind drei
in Frauenhand. "Was will man denn, wir haben in dem Führer 2008 doch
27 neue Sterne vergeben, und Italien bleibt auch auf dem zweiten
Platz (nach Frankreich) bei der Gesamtzahl aller Sterne", so
verteidigte sich der Italien-Chef des wichtigsten Restaurantführers.
In der Tat stieg die Zahl der Restaurants mit einem Stern von 204
auf 217 - das Zeichen einer bemerkenswerten Dichte in der Qualität
der Küche. Unter den fünf Spitzenköchen mit drei Sternen ist weiter
auch der Deutsche Heinz Beck vom Restaurant "Pergola" in Rom. Für ihn
bleibt die italienische Küche der deutschen Kochkunst überlegen. (APA/dpa)