Schweiz präsentiert sich in Afrika von der schlechtesten Seite: Spot während Länderspiel warnt vor Flucht ins vermeintliche Paradies
Bern - Ausnahmsweise hat sich die Schweiz vergangene Woche
im Ausland von der schlechtesten Seite präsentiert. Der Anlass war
das freundschaftliche Fußball-Länderspiel Schweiz gegen Nigeria (0:1)
vom vergangenen Dienstag in Zürich, das auch im nigerianischen
Fernsehen übertragen wurde. Ein Werbespot führte den Afrikanern
drastisch vor Augen, was sie nach der Flucht in das vermeintliche
Paradies erwarten könnte: ein Leben in Armut als Bettler oder
Obdachloser und ohne Perspektiven. Ausgestrahlt werde der Spot im
nigerianischen Fernsehen im Auftrag der Eidgenossenschaft, berichtete
der "Sonntagsblick". Und zwar zur besten Sendezeit.
Staatlich finanzierte Anti-Werbung für die Schweiz ist
ungewöhnlich. "Präsenz Schweiz", die Image-Agentur des Bundes, und
Schweiz Tourismus geben jedes Jahr Millionen aus, um das Land im
besten Licht darzustellen. Die ungewöhnliche Aktion begründete Eduard
Gnesa, Direktor des Bundesamts für Migration (BFM), folgendermaßen:
"Wir haben die Verpflichtung, diesen Menschen aufzuzeigen, was eine
Flucht für Folgen für sie haben kann." Nach Angaben des Blattes hatte
er selbst die Idee für die "Schockkampagne", die von seinem Bundesamt
finanziert wird.
Justiz- und Polizeiminister Christoph Blocher (Schweizerische
Volkspartei/SVP) erklärte am Samstag am Rand einer
Parteiveranstaltung, er begrüße solche Aktionen voll und ganz. "Wir
müssen den Afrikanern aufzeigen, dass die Schweiz kein Paradies ist."
Dass die Eidgenossenschaft mit dieser Idee richtig liege, zeige sich
auch daran, "dass jetzt andere europäische Länder mit ähnlichen
Projekten nachziehen wollen", fügte er hinzu.
Wachsender Flüchtlingsstrom
Grund für die Negativ-Propaganda-Offensive, die weniger als eine
halbe Million Schweizer Franken (300.000 Euro) kosten soll, ist der
wachsende Strom von Flüchtlingen aus Afrika. Diese haben
kaum Chance auf eine Aufenthaltsbewilligung im Alpenstaat. 300.000
unqualifizierte Jobs sind dort in den vergangenen Jahren abgebaut
worden, und dank des Personenfreizügigkeits-Abkommens mit Brüssel
kann die Schweizer Wirtschaft auf ein riesiges Reservoir von
Arbeitskräften aller Qualifikationsstufen zurückgreifen.
So bleibe den Afrikanern in der Schweiz oft nur der Asylantrag und
ein Leben ohne Arbeit. Ein weiterer Grund für die Warnung ist laut
Gnesa auch die Tatsache, dass jedes Jahr Tausende afrikanischer
Migranten auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrinken.
Pionierrolle
Die Schweiz nimmt mit dieser Antimigrations-Offensive eine
Pionierrolle ein. Auch die EU soll bereits auf die Spots aufmerksam
geworden sein. Laut "Sonntagsblick" beteiligt sie sich bereits an
einem ähnlichen Projekt der Eidgenossenschaft in Kamerun. Wie
erfolgreich die Kampagne ist, lässt sich noch nicht sagen. Von Jänner
bis Oktober zählte das Bundesamts für Migration 37 Asylanträge von
Nigerianern mehr als vor Jahresfrist, nämlich 246.
Ob die Kampagne weitergeführt wird, wird nächstes Jahr
entschieden. Im Moment diskutiert das BFM auch mit der Demokratischen
Republik Kongo über die Möglichkeit einer solchen Kampagne. Gnesa
erklärte, er könne sich "gut vorstellen, diese Idee in weiteren
afrikanischen Ländern zu lancieren". (APA)