Schlagabtausch um Piëchs Einblicke

16. Jänner 2008, 13:59
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Im Korruptions-Prozess will die Verteidigung nach Ex-Vorstandschef Piëch auch Nachfolger Pischetsrieder als Zeugen vernehmen lassen

Braunschweig - Im Korruptions-Prozess bei Volkswagen will die Verteidigung nach Ex-Vorstandschef Ferdinand Piëch auch dessen Nachfolger Bernd Pischetsrieder als Zeugen vernehmen lassen. Einen entsprechenden Antrag kündigte Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki am Mittwoch zu Beginn der ersten Zeugenvernehmungen an.

Beide früheren VW-Chefs hätten entweder von der Sonderbehandlung von Betriebsräten und Lustreisen gewusst oder sich "blind gestellt", sagte Kubicki, der den als Cheforganisator der Lustreisen angeklagten Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer vertritt. Eine Mitwisserschaft der Konzernführung könnte das Strafmaß auch für den ebenfalls angeklagten VW-Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert verringern.

Volkerts Anwalt Johann Schwenn warf VW vor, die Aufklärung über die Rolle Piëchs zu erschweren. VW hat am Montag den Verdacht einer Mitwisserschaft Piëchs zurückgewiesen und angekündigt, eine Strafanzeige wegen Verleumdung zu prüfen. "Das ist der Versuch, die Zeugen an wahrheitsgemäßen Aussagen zu hindern", sagte Schwenn.

Keine Einflussnahme

Staatsanwalt Hans-Christian Koch erklärte: "Wir gehen davon aus, dass das Gericht in der Lage ist, diese Gefahr zu erkennen." VW bestritt jeglichen Versuch der Einflussnahme. Die Hinweise auf eine Verstrickung Piëchs kämen von einem anonymen Informanten. VW müsse das Recht haben, darauf zu reagieren.

In der Amtszeit Pischetsrieders, der 2006 abgelöst wurde, fielen der Revision von VW im Februar 2005 sechs Spesenrechnungen über 160.000 Euro für eine Indienreise von führenden Betriebsräten, Personalmanagern und Arbeitsdirektor Peter Hartz auf. "Es war nicht zu erkennen, wer dort gereist ist", sagte ein Revisionsmitarbeiter vor Gericht. Gebauer habe eine Sonderstellung genossen, sagte ein weiterer Mitarbeiter der Prüfabteilung. Er habe zum Kreis von rund 30 Personen mit Recht auf "Vertrauensspesen" ohne nähere Begründung gehört. Geplatzt sei die Bombe erst im Juni 2005, als die Revision auf weitere seltsame Rechnungen gestoßen sei. (Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.11.2007)

  • Pünktlich erschien Ex-VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer vor dem Landesgericht, wo er unter Anklage im Korruptionsskandal steht. Er setzt auf eine Mitwisserschaft der Ex-Chefs.
    foto: düa

    Pünktlich erschien Ex-VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer vor dem Landesgericht, wo er unter Anklage im Korruptionsskandal steht. Er setzt auf eine Mitwisserschaft der Ex-Chefs.

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