Interview: "Abberufung war richtige Entscheidung"

29. Februar 2008, 17:35
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Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely erklärt, warum Ärzte einen Teil ihrer Honorare abtreten sollen

STANDARD: Wie sieht die Regelung für den Infrastrukturbeitrag von Ärzten bei Privateinkünften aus?

Wehsely: Es ist historisch so gewachsen, dass die Ärzte in den Wiener Spitälern auch Privatpatienten behandeln dürfen. Dafür, dass sie die Infrastruktur benutzen, sollen sie zwölf Prozent von dem, was sie zusätzlich verdienen, an den Krankenanstaltenverband, abliefern. In allen Wiener Spitälern - Wilhelminenspital, Krankenhaus Hietzing, SMZ Ost und wo weiter - ist das bereits Realität. Im AKH war das bisher nicht so. Was für alle Wiener Spitalsärzte gilt, soll aber auch für die Ärzte im AKH gelten. Die zusätzlichen Mittel werden dann soundso wieder ins AKH investiert und bleiben da für Anhebung des Standards.

STANDARD: Was genau gab den Anstoß zur geplanten Neuregelung?

Wehsely: Es gab ein Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes, das gezeigt hat, dass die Gemeinde Wien in einigen Bereichen ihre Dienstrechtskompetenzen überschritten hat. Wir mussten das neu regeln, und das geschieht hiermit. Auf der anderen Seite gab es einen Bericht des Rechnungshofes, in dem kritisiert wurde, dass es im AKH keinen Infrastrukurbeitrag gibt und auch, dass die Abrechnung der Privathnorare nicht transparent ist. Diese Novelle habe ich zum Anlass genommen, den Infrastrukturbeitrag auch für das AKH einzuführen.

STANDARD: Wie viele Nebenbeschäftigungen hält die Aufgabe, Arzt am AKH zu sein, Ihrer Meinung nach aus?

Wehsely: Die Verantwortung liegt hier bei der Medizinuniversität. Für die neuen Institutsvorstände gibt es da ganz klare Regelungen. Für jene, die schon viele Jahre im AKH tätig sind, aber nicht. Und wenn die Vorhalte gegen Professor Zimpfer wegen vieler Nebenbeschäftigungen stimmen, scheint es mir auch sehr schlüssig, dass er nicht die Zeit dazu gehabt hat, sich seiner Aufgabe als Arzt im AKH genug zu widmen. Die Entscheidung zur Abberufung erscheint mir daher als die Richtige.

STANDARD: Stichwort schlechtes Klima am AKH - ist Ihnen diesbezüglich schon etwas aufgefallen?

Wehsely: Was mir wichtig ist, ist, dass das AKH Spitzenmedizin anbietet für alle - unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Einkommen. Es ist für mich am Wesentlichsten, dass das funktioniert. Das tut es wunderbar. Dass es in einem so großen Unternehmen wie dem AKH welche gibt, die man lieber mag, und andere, die man weniger mag, ist ganz natürlich. (Getraud Singer, DER STANDARD Printausgabe, 28.11.2007)

Zur Person:
Sonja Wehsely (37) ist in Wien seit Anfang 2007 für Soziales und Gesundheit zuständig
  • Artikelbild
    foto: urban
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