Josef Hader in "Ein halbes Leben" als Vergewaltiger und Mörder

4. Jänner 2008, 17:45
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Wolfgang Böck spielt den Kommissar - Nikolaus Leytners Drama entsteht in Wien - ORF-ZDF-Koproduktion kommt 2008 ins TV

Mehr als 1.500 Menschen sterben im deutschsprachigen Fernsehen pro Jahr eines unnatürlichen Todes. "So gut wie kein Film beleuchtet das Vorher und das Nachher, das Leben der Hinterbliebenen und des Mörders", meint ORF-Filmchef Heinrich Mis. Genau dieser Grauzone widmet sich nun der Film "Ein halbes Leben" von Nikolaus Leytner, der derzeit in Wien entsteht. Er erzählt die Geschichte zweier Männer, deren Leben auf schreckliche Art miteinander verbunden ist. Der eine ist Vater eines ermordeten Vergewaltigungsopfers - der andere der Täter. In die Rolle des Mörders schlüpft der österreichische Kabarettist Josef Hader, den Vater seines Opfers mimt Matthias Habich.

20 Jahre lang bleibt der Mörder unentdeckt. Er führt - mittlerweile selbst als Familienvater - ein unauffällig normales Leben, das jedoch von der ständigen Angst, entdeckt zu werden, begleitet wird. "Er ist niemand, dem es Lust bereitet, zu töten. Der Mord war etwas, das ihm zugestoßen ist, eine Folge seines Kontrollverlusts", erklärte Hader am Montag bei einem Set-Besuch seine Rolle. Der Mörder muss lernen, mit seinen unkontrollierten Gefühlsausbrüchen zu leben, und auch mit seiner Schuld.

Begegnung im Gefängnis

Auch für den Vater "läuft ein äußerlich normales Leben weiter", so Habich. "Aber es ist nur ein halbes Leben, das beherrschende Thema ist in jeder Sekunde das Nichtvorhandensein der Tochter." Die Suche nach dem Mörder wird zu seiner Lebensaufgabe, "eine Aufgabe, die er braucht und hinter der er sich verschanzt", sagte Leytner. 20 Jahre nach dem Mord, als sich in der Gerichtsmedizin die DNA-Analyse durchzusetzen beginnt, hat das Suche- und Versteckspiel ein Ende, der Mörder wird überführt. Im Gefängnis begegnen die beiden Männer einander erstmals.

Kein komisches Element

"Eigentlich geht es hier um zwei Filme, in denen sich die beiden Leben der Beteiligten spiegeln. Sie berühren sich erst nach der Verhaftung des Mörders", so Leytner. Für Hader war seine aktuelle Rolle "ein faszinierendes Angebot": "Einerseits, weil immer das reizt, was man noch nie gemacht hat, und andererseits, weil überhaupt kein komisches Element in dieser Figur enthalten ist. Nicht mal etwas Tragikomisches. Das ist eine ganz straighte, sehr interessante Figur", so der Kabarettist. Mit dabei sind auch Franziska Walser, als Mutter des ermordeten Mädchens, und Wolfgang Böck als Kommissar und Freund der Familie.

Die Dreharbeiten zum Film finden noch bis Mitte Dezember in Wien statt. Die Koproduktion von ORF und ZDF soll im Jahr 2008 im Fernsehen zu sehen sein. (APA)

  • Im Bild (v.l.n.r.): ORF-Fernsehfilmchef Heinrich Mis, Regisseur Nikolaus Leytner, Josef Hader, Franziska Walser, Kameramann Hermann Dunzendorfer, Matthias Habich, Wolfgang Böck.
    foto: orf/badzic

    Im Bild (v.l.n.r.): ORF-Fernsehfilmchef Heinrich Mis, Regisseur Nikolaus Leytner, Josef Hader, Franziska Walser, Kameramann Hermann Dunzendorfer, Matthias Habich, Wolfgang Böck.

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