Deutsche Tourismusbranche im Umbruch

7. Februar 2008, 13:12
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Reisebürodichte nimmt ab - Immer mehr Buchungen online - Feste Katalogpreise stehen möglicherweise zur Disposition

Frankfurt - Die deutsche Tourismusbranche steht mitten im größten Wandel seit Jahren: Die klassische Pauschalreise mit festen Katalogpreisen gerät zunehmend ins Abseits, der typische Charterflieger wird immer häufiger durch Billigflieger ersetzt und der Vertrieb über das Reisebüro kommt durch das Internet weiter unter Druck. "Die Reisebranche ist im Umbruch", konstatiert der Präsident des Deutschen ReiseVerbandes (DRV), Klaus Laepple. Trotz der Veränderungen bleibt die Branche im Aufwind - und könnte den Veranstaltern Prognosen zufolge 2008 mehr als 20 Mrd. Euro in die Kassen spülen.

Die größten Umbrüche gab es in diesem Jahr bei den Marktführern TUI und Thomas Cook: Thomas Cook schloss sich mit der britischen MyTravel zusammen und ist jetzt ein britischer Konzern, der mehrheitlich der deutschen Arcandor gehört. TUI folgte wenig später und legte seine Tourismussparte mit dem britischen Veranstalter First Choice zusammen. Die neue TUI Travel - mehrheitlich in der Hand der deutschen TUI AG - hat nun ebenfalls ihren Hauptsitz in Großbritannien. Beide Tourismusgiganten sind damit noch ein deutliches Stück größer geworden.

Doch das Modell des integrierten Konzerns, der Hotels, Flüge und Vertrieb aus einer Hand bietet, steht immer weniger im Mittelpunkt. Zudem ist auch der klassische Reisevertrieb in Veränderung. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine so hohe Reisebürodichte wie in Deutschland. "Statistisch entfallen hierzulande 12,7 Reisebüros auf 100.000 Einwohner", sagt DRV-Präsident Laepple.

Die oft mittelständischen Büros haben schwer gegen die Konkurrenz des Internets zu kämpfen. Thomas Cook will den Anteil der Onlinebuchungen am Umsatz auf rund ein Drittel steigern. Die Büros bekommen das längst zu spüren: Die Zahl der vom Deutschen ReiseVerband erfassten Reisebüros gingen binnen eines Jahres um 500 zurück. Zurzeit gibt es rund 11.400 Reisebüros - vor wenigen Jahren waren es einige tausend mehr. Viele Branchenexperten raten mittlerweile den Reisebüros, neben ihrem Ladengeschäft auf einen Online-Auftritt zu setzen.

Eine für den Kunden am deutlichsten spürbare Veränderung könnte bereits im nächsten Jahr Realität werden: Die Abschaffung der festen Katalogpreise. Bisher waren Veranstalter gesetzlich gezwungen, sich an die einmal im Katalog genannten Preise zu halten. Da die Fluggesellschaften aber inzwischen täglich die Preise je nach Angebot und Nachfrage ändern, sehen sich die Veranstalter mit den festen Paketen benachteiligt. "Hier müssen wir mehr Flexibilität haben", so Laepple. Mit einer Änderung der Rechtslage, die im ersten Halbjahr 2008 erfolgen könnte, würden dann künftig nur noch Eckwerte in den Katalogen stehen. Die festen Preise für die Pauschalreise könnten damit fallen.

Die Aussichten für die Reiseindustrie sind jedenfalls günstig. Fernreisen boomen, Städte- und Erlebnisreisen sind im Aufwind, Badeziele rund ums Mittelmeer sind weiter begehrt. Der Deutsche ReiseVerband erwartet für die laufende Saison 2007/2008 rund drei Prozent Wachstum für den Veranstaltermarkt - was ein Rekordwert wäre. Die Deutschen dürften ihren Titel als Reiseweltmeister behalten. (dpa)

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