Kleine Stadt mit großer Geschichte

11. Dezember 2007, 13:48
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Wahl des Ortes erfolgte nicht zufällig: In Camp David scheiterten schon zu viele Spitzentreffen

Washington - Unter den Städten an der US-Ostküste ist Annapolis ein besonderes Juwel. Etwa vier Millionen Touristen kommen jedes Jahr in die kleine Hauptstadt des Bundesstaates Maryland, um die koloniale Architektur, den Segelhafen und die von Cafés gesäumten Pflasterstraßen zu besichtigen. Bekannt bis weit über die Stadtgrenzen hinaus ist die Marineakademie, die seit 1845 in Annapolis beheimatet ist. Inzwischen misst sie 136 Hektar, die Akademie mit ihren 4.000 Studenten ist zu einer Stadt in der Stadt herangewachsen. Im Memorial-Saal der Akademie kommen am Dienstag Dutzende Politiker und Diplomaten zur großen Nahost-Konferenz zusammen.

Die Wahl des Tagungsorts Annapolis hatte ganz praktische Gründe: Die von Mauern umgebene Marineakademie lässt sich gut vor potenziellen Attentätern schützen. Außerdem liegt die Stadt nur 50 Kilometer von Washington entfernt. Es geht aber auch um politische Symbolik: Bereits mehrere Beide Seiten beanspruchten den Sieg für sich, hatten auf dem Präsidentenlandsitz Camp David stattgefunden - und waren dort gescheitert. Annapolis symbolisiert also einen Neuanfang in den Bemühungen der Nahost-Friedensdiplomatie. Bei den Veranstaltern dürfte die Hoffnung mitschwingen, dass das friedliche Ambiente des Küstenstädtchens die Kompromissbereitschaft der Konfliktparteien stärkt.

Bereits im Jahr 1694 wurde Annapolis Hauptstadt von Maryland, das damals noch britische Kolonie war. Sicherheitsvorkehrungen wie am Dienstag hat die Stadt in ihrer langen Geschichte noch nicht erlebt: In einem Radius von drei Kilometern herrscht Überflugverbot. Die Schifffahrt im ufernahen Bereich ist eingeschränkt. Zahlreiche Straßen in der Stadt wurden gesperrt. Erst am Mittwoch soll sich die Lage für die Stadt und ihre derzeit gut 36.000 Einwohner wieder normalisieren. (APA/AFP)

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